Bachelorarbeit, 2022
59 Seiten, Note: 1.0
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Bildungsungleichheit
2.2 Soziale Herkunft
2.3 Chancengleichheit oder Chancengerechtigkeit?
3 Das deutsche Bildungssystem
3.1 Geschichtliche Entwicklung des deutschen Bildungssystems
3.2 Struktur und Aufbau des deutschen Bildungssystems
3.2.1 Elementarbereich
3.2.2 Primarbereich
3.2.3 Sekundarbereich I
3.2.4 Sekundarbereich II
3.2.5 Tertiärbereich
3.3 Funktionen von Schule
4 Theorien zur Reproduktion sozialer Ungleichheit im Bildungswe- sen
4.1 Der Rational-Choice-Ansatz Raymond Boudons
4.1.1 Primäre Herkunftseffekte
4.1.2 Sekundäre Herkunftseffekte
4.2 Bourdieus Theorie der sozialen Praxis
4.2.1 Der Habitus
4.2.2 Der soziale Raum
4.2.3 Die Kapitalarten
5 Zum aktuellen Stand der Forschung
5.1 Operationalisierung der Begriffe ‚Bildungserfolg‘ und ‚soziale Herkunft‘
5.2 Forschungsergebnisse
6 Empfehlungen zum Abbau herkunftsbedingter Bildungsungleich- heit am Beispiel Estlands
6.1 Struktur und Aufbau des estnischen Bildungssystems
6.1.1 Elementarbereich
6.1.2 Primarbereich
6.2 Verpflichtende Vorschule
6.3 Abschaffung der Mehrgliedrigkeit
6.4 Ganztagsschulen
7 Fazit und Ausblick
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Ursachen für die enge Kopplung zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland. Die Forschungsfrage lautet: Wie entstehen herkunftsbedingte ungleiche Bildungschancen in Deutschland?
4.1.2 Sekundäre Herkunftseffekte
Im Gegensatz zu den primären Herkunftseffekten, die sich auf die schulische Leistung auswirken, beziehen sich die sekundären Herkunftseffekte auf die herkunftsbedingten ungleichen Bildungsaspirationen und die davon abhängigen „Entscheidungsprozesse, in denen Schüler*innen und Eltern [die] erwartete[n] Kosten und [den] Nutzen höherer Bildung und die Erfolgswahrscheinlichkeit im Sinne einer rational-ökonomischen Investition [gegeneinander] abwägen“ (Rutter, 2021, S. 13). Da das elterliche Entscheidungsverhalten in Verbindung mit deren Status steht, ist es möglich, dass Schüler*innen mit gleicher Leistung, beruhend auf divergenten Herkunftshintergründen, unterschiedliche Chancen im Bildungswesen erhalten, woraus eine Ungleichheit resultiert.
Dieses Faktum ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass Eltern eine ihrer Schicht entsprechende Bewertung von Kosten und Nutzen vornehmen (vgl. Becker, 2009, S. 107f.). So können beispielsweise Bildungskosten für Familien mit beschränkten finanziellen Mitteln ein mögliches Ausschlusskriterium für höhere Bildungswege darstellen (vgl. ebd., S. 108). Der Bildungsnutzen resultiert dabei aus dem Motiv der Statuserhaltung und führt dazu, dass höhere Sozialschichten weitaus mehr in die Bildung ihrer Kinder investieren müssen, um den Status des Elternhauses zu erhalten, während Eltern aus unteren Sozialschichten kaum das Risiko eines sozialen Abstiegs fürchten müssen und dementsprechend ihre Bildungsaspirationen niedrig ansetzen.
So können sie zwar einerseits die Investitionskosten gering halten, andererseits wird ein sozialer Aufstieg dadurch jedoch auch unwahrscheinlich (vgl. ebd., S. 107). Die Kosten-Nutzen-Abwägung wird somit eher durch den sozialen Status und die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel der Familie bestimmt als durch die Schulleistungen der Schüler*innen. Bezogen auf den Übergang in die Sekundarstufe I hat dies zur Folge, dass Bildungsentscheidungen in Abhängigkeit von der sozialen Stellung getroffen werden, weshalb Eltern denjenigen Bildungsweg bevorzugen, der von ihnen aus betrachtet am ehesten die Statuserhaltung gewährleistet (vgl. ebd.).
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die starke Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Entstehung dieser herkunftsbedingten Bildungsbenachteiligung.
2 Begriffsbestimmungen: Es werden grundlegende Begriffe wie Bildungsungleichheit, soziale Herkunft sowie Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit für das weitere Verständnis definiert.
3 Das deutsche Bildungssystem: Das Kapitel skizziert die historische Entwicklung, den aktuellen Aufbau und die Funktionen von Schule im deutschen System.
4 Theorien zur Reproduktion sozialer Ungleichheit im Bildungswe- sen: Hier werden der Rational-Choice-Ansatz von Boudon und die Theorie der sozialen Praxis von Bourdieu als zentrale Erklärungsmodelle für Bildungsungleichheiten herangezogen.
5 Zum aktuellen Stand der Forschung: Dieser Teil präsentiert empirische Belege aus PISA- und IGLU-Studien, welche den engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb untermauern.
6 Empfehlungen zum Abbau herkunftsbedingter Bildungsungleich- heit am Beispiel Estlands: Ausgehend vom Vergleich mit dem estnischen Bildungssystem werden drei Verbesserungsvorschläge für das deutsche System entwickelt.
7 Fazit und Ausblick: Die wesentlichen Ergebnisse werden zusammengefasst und strukturelle Anforderungen an die deutsche Bildungspolitik zur Förderung der Chancengerechtigkeit definiert.
Bildungsungleichheit, Soziale Herkunft, Deutschland, Bildungserfolg, Chancengleichheit, Chancengerechtigkeit, Rational-Choice-Ansatz, Habitus, Bourdieu, Kapitalarten, Bildungsexpansion, PISA-Studie, IGLU-Studie, Estland, Einheitsschule.
Die Arbeit untersucht, warum in Deutschland der Bildungserfolg eines Kindes so stark von seinem sozialen Hintergrund abhängt und wie diese Bildungsbenachteiligung abgebaut werden könnte.
Die Schwerpunkte liegen auf den soziologischen Erklärungsmodellen für Bildungsungleichheit, der Struktur des deutschen Schulsystems sowie einem internationalen Vergleich mit dem estnischen Bildungswesen.
Ziel ist es, die Entstehungsmechanismen herkunftsbedingter Bildungsungleichheiten theoretisch zu fundieren und empirisch zu belegen sowie konkrete Reformvorschläge zu unterbreiten.
Es handelt sich um eine literaturbasierte Arbeit, die soziologische Theorien und Erkenntnisse aus groß angelegten Schulleistungsstudien (wie PISA und IGLU) in einer vergleichenden Perspektive synthetisiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse von Bildungsungleichheit (Boudon und Bourdieu), eine empirische Bestandsaufnahme mittels internationaler Studien und eine Analyse der estnischen Bildungsstrukturen.
Schlüsselbegriffe sind soziale Herkunft, Bildungsungleichheit, Bildungsgerechtigkeit, Rational-Choice, Habitus und interner internationaler Systemvergleich.
Estland dient als Referenzmodell, da dort die Kopplung zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg signifikant geringer ausfällt als in Deutschland, was auf einen anderen Systemaufbau zurückgeführt wird.
Die Arbeit analysiert Ganztagsschulen als ein Instrument zur Bildungsförderung, wobei kritisch hinterfragt wird, inwieweit unterschiedliche Umsetzungsmodelle in Deutschland tatsächlich zur Reduktion von sozialen Disparitäten beitragen können.
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