Masterarbeit, 2021
151 Seiten, Note: 2
Einleitung
1.Das Bildfeld
1.1 Ausschnitt und Fokus
1.1.1 Fokussierung I
1.1.2 Fokussierung II
Exkurs
1.2 Deixis
1.2.1 Der Blick
1.2.1.1 Der Blick in Capricho 1
1.2.1.2 Der negative Blick
1.2.2 Zeiger und Gesten
1.2.3 Die Aquatinta
1.2.4 Mechanismus mit Spiegel
2. Der Rand
2.1 Das Parergon
2.2 Leerstellen
2.3 Die Schwelle
3. Der Text
3.1 Der „implizite Betrachter“ im Kontext
3.2 Werkextern: Die Leerstelle
3.3 Werkintern: Die Sequenz
3.3.1 Die Dialoge
Conclusio
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die rezeptionsästhetischen Faktoren in Francisco Goyas Caprichos-Serie unter besonderer Berücksichtigung der intermedialen Bild-Text-Einheit, um durch eine systematische Zusammenstellung ikonischer und linguistischer Mittel eine Forschungslücke in der aktuellen Goya-Rezeption zu schließen.
1.1.1 Fokussierung I
Die Wahl des Formats spielt bei der Fokussierung eine entscheidende Rolle, denn dieses trägt wesentlich zur Qualität der Bildwahrnehmung bei. Die hochrechteckigen Bildfelder der Caprichos zeigen einen Ausschnitt – ein Fragment – eines größeren Bildgeschehens. Diese Präsentation des Ausschnitts bezeichnet jene Vorgehensweise, die bereits Leon Battista Alberti beschreibt, wenn er das Festlegen einer Bildfläche mit der Metapher eines geöffneten Fensters in Deckung bringt. Das Bild im Hochformat repräsentiert einen Raum, der einem größeren Raum entnommen worden zu sein scheint. Diese „Substraktion, […] der Schlag aus einem Kontinuum“ wäre demnach einem Verfahren in den Neuen Medien vergleichbar, dem Cut in der Fotografie oder Filmtechnik. Das Hochformat ist das Ergebnis eines herauslösenden Verfahrens, während das Querformat ein diametral entgegengesetztes beschreibt, nämlich ein hinzusetzendes. Das Querformat wird somit als das ‚natürlichere‘ Format ‚erlebt‘, da sich die dominierende Richtung der Horizontalen im Bildfeld parallel zur Erdoberfläche orientiert und sich analog zu unseren Sehgewohnheiten verhält. Die Betrachter*in erhält den Eindruck einer leicht nachvollziehbaren, weil überblickbaren Bildsituation, was ihr das Gefühl von mehr ‚Bewegungsspielraum‘ vor dem Bild vermittelt.
1. Das Bildfeld: Dieses Kapitel ergründet die ästhetischen Aussagen der Bildszenen und analysiert, wie die Themenwahl sowie die spezifische Bildnarration ("innere Kommunikation") die Betrachter*in ansprechen.
2. Der Rand: Die Untersuchung befasst sich mit der Randzone der Radierungen, die als Vermittler zwischen dem fiktiven Bildinnenraum und dem realen Betrachteraußenraum agiert.
3. Der Text: Es werden die verschiedenen Textmodi – Bildlegenden, Zeitungsanzeige und handschriftliche Kommentare – analysiert, um deren Rolle für die intermediale Struktur und als rezeptionsästhetische Lenkungsinstrumente zu definieren.
Goya, Caprichos, Rezeptionsästhetik, Bild-Text-Einheit, Aquatinta, Radierung, impliziter Betrachter, Leerstelle, Bildfeld, Intermedialität, Betrachteraktivierung, Kunstgeschichte, Bildhermeneutik, Deixis, Bildlegende
Die Arbeit analysiert die rezeptionsästhetischen Bedingungen der Caprichos von Francisco de Goya, indem sie die komplexe intermediale Beziehung zwischen Bildradierung und Bildlegende systematisch untersucht.
Zentrale Themen sind die Bild-Text-Einheit, die Rolle der Randzonen und Rahmen, die Steuerung der Betrachteraktivität durch deiktische Mittel sowie der Einfluss externer zeitgenössischer Kommentare.
Das Ziel ist es, die in der bisherigen Capricho-Forschung vernachlässigte systematische Analyse der rezeptionsästhetischen Faktoren und ihrer topologischen Verhältnisse innerhalb der Bild-Text-Einheit zu schließen.
Die Arbeit nutzt eine kunsthistorische und rezeptionsästhetische Methodik, orientiert an der Konstanzer Schule (Wolfgang Iser, Hans Robert Jauß) sowie dem Instrumentarium von Wolfgang Kemp zur Betrachtersteuerung.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Bildfeldes (Fokussierung/Deixis), die Analyse des Randes als "Parergon" oder Schwelle sowie die Erforschung der Textmodi und ihrer performativen Wirkungsweise.
Die Arbeit fokussiert auf Kunstgeschichte, intermediale Gefüge, Bilddeixis, Betrachterlenkung und die spezifische aquatinta-basierte Bildgestaltung Goyas.
Es dient dazu, die psychologische Interaktion zwischen Bildfiguren und dem Rezipienten zu verdeutlichen, insbesondere im Kontext der Selbstporträts, die als "Metabilder" fungieren und den Betrachter aktiv miteinbeziehen.
Über die rein künstlerische Gestaltung hinaus wird die Aquatinta als deiktisches Mittel identifiziert, das durch Lichtführung und Tondifferenzen den Betrachterblick lenkt, ablenkt oder bewusst Irritationen erzeugt.
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