Bachelorarbeit, 2022
46 Seiten, Note: 2.0
1 Einleitung
2 Historische/theoretische und begriffliche Grundlagen
2.1. Methode
2.2. Definition Bedürfnisse und Konsum
2.3 Einfacher Wirtschaftskreislauf
3 Diskurs
3.1. Die Grenzen des Wachstums
3.2. Haben oder Sein
3.2.1. Die Existenzweise des Habens
3.2.2 Die Existenzweise des Seins
3.3 Zeit: Kairos und Chronos
3.3.1. Kairos in Momo
3.3.2 Chronos in Momo
4 Diskursiv verarbeitete Ereignisse in Momo
4.1. Beschleunigte Industrialisierung und Diebstahl
4.2. Endliche Ressourcen und Politik
4.3. Kinder- und Jugenderziehung
4.4 Werbung
5 Lösungsvorschläge
5.1. Der Lösungsansatz des Club of Rome
5.2 Der Lösungsansatz Fromms
6 Fazit
Die Arbeit untersucht, inwiefern der gesellschaftliche Diskurs über Wachstum und Konsum der 1970er Jahre – maßgeblich geprägt durch Publikationen wie „Die Grenzen des Wachstums“ und Erich Fromms „Haben oder Sein“ – durch Michael Endes Märchen-Roman „Momo“ aufgegriffen und verarbeitet wurde.
Die Existenzweise des Habens
Den Menschen, die nach der Existenzweise des Habens leben, ist es ihr Wunsch und Wille, die Dinge in der Welt für sich zu besitzen. Die Beziehung zwischen sich und seiner Umwelt besteht darin, „jedermann und alles, mich selbst mit eingeschlossen, zu meinem Besitz machen“70 zu wollen. Der Grundgedanke dieser Existenzweise lautet: „Ich bin, was ich habe und was ich konsumiere“71. Infolgedessen definiert sich der Mensch hauptsächlich durch die Güter, die er verbraucht und ist dementsprechend abhängig von seinem Kapital, denn seine Individualität stützt sich primär auf das, was er besitzt, wie zum Beispiel Geld oder Ruhm.72 Er achtet nicht darauf, wie er selbst aktiv tätig werden, sondern darauf, welche Güter er noch konsumieren kann. Dabei zählt „einzig und allein die Aneignung und das uneingeschränkte Recht, das Erworbene zu behalten“73. Durch dieses Besitzverhältnis verliert der Mensch nach Fromm die lebendige Beziehung zwischen sich selbst und den Objekten seiner Umwelt, indem sie zu einer Ware oder einem Gut rationalisiert werden.74
Besonders besitzfreudige Menschen bezeichnet Fromm als Menschen mit einem „Marketing-Charakter“75. Menschen mit einer Marketing-Struktur definieren ihren Selbstwert weitestgehend durch den Erfolg, den sie haben. „Aber da der Erfolg weitgehend davon abhängt, wie gut man seine Persönlichkeit verkauft, erlebt der Mensch sich als Ware oder richtiger: gleichzeitig als Verkäufer und zu verkaufende Ware“76. Jeder von ihnen besitzt durch diesen Anspruch an sich selbst zwar ein „großes, sich ständig wandelndes Ich, aber keiner von ihnen hat ein Selbst, einen Kern, ein Identitätsleben“77.
Eng mit der Existenzweise des Habens verbunden ist Fromms Bild des passiven Menschen, welches sich zugleich als Ursache und als Folge der Existenzweise des Habens ergibt. Fromm geht davon aus, dass sich die Menschen aufgrund des Wechselverhältnisses von Arbeitsleistung und dem Überfluss an Konsumgütern von sich selbst und ihrer Umwelt entfremden.
1 Einleitung: Die Einleitung rahmt die Arbeit in den wachstumskritischen Diskurs der 1970er Jahre ein und stellt die Forschungsfrage, wie diese diskursiven Ereignisse in Michael Endes „Momo“ verarbeitet werden.
2 Historische/theoretische und begriffliche Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die methodische Basis mittels Foucaults Diskursbegriff sowie grundlegende ökonomische Konzepte wie den Wirtschaftskreislauf und Bedürfnistheorien.
3 Diskurs: Die theoretischen Kernwerke zur Wachstumskritik werden vorgestellt und mit den Zeitkonzepten von Chronos und Kairos in den Kontext von „Momo“ gesetzt.
4 Diskursiv verarbeitete Ereignisse in Momo: Zentrale Aspekte wie Industrialisierung, endliche Ressourcen, Erziehung und Werbung werden auf ihre diskursive Spiegelung im Roman untersucht.
5 Lösungsvorschläge: Die Ansätze des Club of Rome und Erich Fromms zur Bewältigung der ökologischen und gesellschaftlichen Krisen werden analysiert.
6 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass „Momo“ als literarische Verarbeitung zeitgenössischer gesellschaftlicher Ängste fungiert und betont die Relevanz individueller Verantwortung für die Lebensqualität.
Momo, Michael Ende, Wachstumskritik, Konsumverhalten, Club of Rome, Erich Fromm, Haben oder Sein, Kairos, Chronos, Diskursanalyse, Entfremdung, Industrialisierung, Nachhaltigkeit, Zeitdiebe, Umweltschutz.
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen dem Diskurs über unbegrenztes Wirtschaftswachstum und Konsum in den 1970er Jahren und dessen literarischer Verarbeitung in Michael Endes Roman „Momo“.
Die zentralen Felder umfassen ökologische Grenzen, gesellschaftliche Entfremdung, die Transformation von Zeitvorstellungen und die Rolle der Erziehung in einer konsumorientierten Leistungsgesellschaft.
Das Ziel ist es zu analysieren, wie gesellschaftspolitische Ereignisse und Theorien dieser Zeit – insbesondere „Die Grenzen des Wachstums“ und Werke von Erich Fromm – Eingang in die Erzählstruktur und Symbolik von „Momo“ gefunden haben.
Die Arbeit stützt sich primär auf eine diskursanalytische Methode nach Michel Foucault, um die Verbindungen zwischen Sachtexten und dem literarischen Text aufzuzeigen.
Der Hauptteil analysiert spezifische diskursive Ereignisse wie beschleunigte Industrialisierung, den Ressourcenverbrauch, politische Debatten der Ära sowie die Darstellung von Kindererziehung und Werbung im Roman.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Wachstumskritik, Existenzweise des Habens/Seins, Zeit-Konzept (Kairos/Chronos), Entfremdung und der Roman „Momo“.
Chronos steht für die lineare, messbare Zeit der grauen Herren, während Kairos die qualitativen, kostbaren Augenblicke symbolisiert, die Momo und ihre Freunde erleben.
Die Autorin hebt hervor, dass Kinder als besonders anfällig für die Verwahrlosung durch den Leistungsdruck gelten, aber zugleich – wenn sie aktiv und nicht auf Konsum getrimmt sind – die Fähigkeit zur Bewahrung ihrer schöpferischen Identität besitzen.
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