Magisterarbeit, 2008
80 Seiten, Note: 1,0
1 Ostfriesland
2 Niederdeutsch
2.1 Die gesprochene Varietät
2.2 Der Ort Osteel
2.3 Phonetische Merkmale im Ort Osteel
2.3.1 Kurzvokale
2.3.2 Langvokale
2.3.3 Diphthonge und Triphthonge
2.3.4 Konsonanten
2.3.5 Frikative
2.3.6 Andere Konsonanten
3 Formen des Varietätenwechsels
3.1 Code-Switching
3.2 Metaphorisches Code-Switching
3.3 Code-Shifting
3.4 Transfer
3.5 Code-Mixing
4 Analyse
4.1 Das Korpus
4.2 Code-Switching mit sozialer Symbolik
4.3 Code-Switching und Belehrung eines Laien
4.4 Code-Switching und Gesprächsorganisation
4.5 Code-Switching und Wiederholung
4.6 Code-Switching und Adressatenspezifik
4.7 Code-Switching und Zitieren
4.8 Code-Switching und Modalität
4.9 Code-Switching und Beurteilung einer Aussage
4.10 Code-Switching und Face-bedrohender Akt
4.11 Code-Switching und Aspekte des Selbst
4.12 Analyse eines längeren Beispiels
4.13 Die schwierigen Fälle
4.13.1 Fall 1
4.13.2 Fall 2
4.13.3 Fall 3
5 Schlussbemerkung
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht das Phänomen des Code-Switchings zwischen Niederdeutsch und Standarddeutsch innerhalb einer ostfriesischen Familie, um die sprachlichen und sozialen Funktionen dieser Wechsel im informellen Alltag zu analysieren.
3.1 Code-Switching
Als Code-Switching bezeichnet man üblicherweise den alternierenden Gebrauch von zwei oder mehr Varietäten innerhalb einer Gesprächsfolge. Dabei können Code-Switches an Satzgrenzen (intersentenziell), innerhalb von Sätzen (intrasentenziell) oder mit dem Wechsel des Sprechers auftreten. Ein solcher Varitätenwechsel geschieht abrupt im Gegensatz zum Code-Shifting. Als klassisches Beispiel für Code-Switching gilt das Zitieren anderer Personen. In dem folgenden Beispiel erzählt Renke eine Begebenheit vom Wochenende, in der er in eine Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe von „Punks“ und einem als „Faschisten“ bezeichneten jungen Mann geriet. Die Bezeichnungen „Punks“ und „Faschist“ sind als Kategorien zweier sozialer Gruppen zu verstehen, die sich gegenseitig bekämpfen, wobei Renke der ersteren Gruppe angehört. In diesem Ausschnitt beschreibt er die aggressive verbale Provokation des „Faschisten“, die in einer physischen Auseinandersetzung zu Enden droht:
01 RE: un do fung HÄI all an-
02 < 03 kommt her ich mach euch alle platt;>> < 04 un do truk häi sien JAAK ut, 05 häi trek (.) fain hemd åpmknöpt,.hh 06 heel seelenruhich åpmmåkt, 07 <
1 Ostfriesland: Bietet einen geographischen Überblick über die Region, um den Kontext der untersuchten niederdeutschen Varietät zu setzen.
2 Niederdeutsch: Beschreibt die historische Entwicklung des Niederdeutschen in Norddeutschland, die spezifische Situation in Ostfriesland sowie die phonetischen Besonderheiten des Ortes Osteel.
3 Formen des Varietätenwechsels: Definiert und illustriert theoretische Konzepte wie Code-Switching, Code-Shifting, Transfer und Code-Mixing anhand von Beispielen.
4 Analyse: Bildet den Kern der Arbeit und untersucht anhand von aufgezeichneten Gesprächen die Funktionen des Code-Switchings in einer Familie.
5 Schlussbemerkung: Fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und zeigt Tendenzen im Sprachgebrauch der verschiedenen Generationen der untersuchten Familie auf.
Code-Switching, Niederdeutsch, Standarddeutsch, Ostfriesland, Varietätenwechsel, Sprachkontakt, Gesprächsanalyse, Soziolinguistik, Code-Mixing, Transfer, Kodewechsel, Familiensprache, Sprachfunktion, Sprachgebrauch, Dialekt
Die Arbeit analysiert das Phänomen des Code-Switchings – also den Wechsel zwischen der niederdeutschen Mundart und dem Standarddeutschen – innerhalb einer ostfriesischen Familie in informellen Gesprächssituationen.
Die zentralen Felder umfassen die linguistische Beschreibung der gesprochenen Varietät in Osteel, die theoretische Abgrenzung verschiedener Formen des Sprachwechsels sowie die empirische Analyse funktionaler Aspekte im Alltag.
Das primäre Ziel ist es, zu identifizieren, welche Funktionen der Sprachwechsel für die Sprecher hat, etwa zur Gesprächsorganisation, zur Kennzeichnung von Identität oder zur Betonung bestimmter Aussagen.
Die Arbeit nutzt die gesprächsanalytische Methode. Das Material wurde nach dem Gesprächsanalytischen Transkriptionssystem (GAT) verschriftet und auf Basis soziolinguistischer Theorien (z.B. nach Auer oder Gumperz) analysiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in die Formen des Varietätenwechsels und eine detaillierte Analyse von über 30 Beispielen aus Transkripten, sortiert nach ihren Funktionen wie z.B. soziale Symbolik, Modalität oder Belehrung.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Code-Switching, Niederdeutsch, Sprachkontakt, Gesprächsanalyse und soziale Identität charakterisieren.
Der Autor verwendet den Begriff, um eine Sprechweise zu beschreiben, bei der sich die Mutter zwischen den Polen von Standarddeutsch und Dialekt bewegt, oft um komplexe emotionale oder soziale Situationen wie finanzielle Not oder Ironie zu kontextualisieren.
Die Theorie dient dazu zu erklären, warum Sprecher ihre Varietät an den Adressaten anpassen, um Nähe herzustellen, Solidarität zu signalisieren oder Dritte in eine Unterhaltung zu integrieren.
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