Masterarbeit, 2020
112 Seiten, Note: 1,3
EINLEITUNG
FORSCHUNGSSTAND
PROBLEMSTELLUNG UND WISSENSCHAFTLICHE RELEVANZ
FORSCHUNGSFRAGE, ARBEITSTHESEN, VORGEHEN UND ZIEL
THEORETISCHER RAHMEN UND METHODE
DER KONSTRUKTIVISMUS IN DEN INTERNATIONALEN BEZIEHUNGEN
OPERATIONALISIERUNG
ZUSAMMENFASSUNG UND GEEIGNETE METHODE
DIE ORGANIZED HYPOCRISY THEORIE
OPERATIONALISIERUNG
ZUSAMMENFASSUNG UND GEEIGNETE METHODE
DIE POLITISCHEN ZIELE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI CHINAS IN DER PROVINZ XINJIANG
EXKURS: DER CHINESISCHE TRAUM
XINJIANG UYGHUR AUTONOMOUS REGION
XINJIANGS GESCHICHTE ALS BEDROHUNG DES PHYSICAL SURVIAL?
WAR ON TERROR UND SHANGHAI FIVE ALS AUSDRUCK VON AUTONOMY?
ECONOMIC WELL-BEING ALS DECKMANTEL FÜR EINE IDEOLOGISCHE ASSIMILATION?
UMERZIEHUNG ZUR GENERIERUNG VON COLLECTIVE SELF-ESTEEM?
DIE REAKTIONEN AUSGEWÄHLTER STAATEN DER ORGANISATION DER ISLAMISCHEN KONFERENZ
EXKURS: CHINAS MARCH WEST
DIE REAKTION DER ORGANISATION FÜR ISLAMISCHE ZUSAMMENARBEIT
DIE BEZIEHUNGEN DER OIC UND VRC
JOINT STATEMENT UND COUNTERSTATEMENT VOR DEM UN-MENSCHENRECHTSRAT
BEDIENT SICH DIE OIC DER ORGANIZED HYPOCRISY?
DIE REAKTION DER TÜRKEI
DIE BEZIEHUNGEN DER TÜRKEI UND DER VRC
BEDIENT SICH DIE TÜRKEI DER ORGANIZED HYPOCRISY?
DIE REAKTION DER ISLAMISCHEN REPUBLIK PAKISTAN
DIE BEZIEHUNGEN PAKISTANS UND DER VRC
BEDIENT SICH DIE ISLAMISCHE REPUBLIK PAKISTAN DER ORGANIZED HYPOCRISY?
FAZIT
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Vorgehen der Kommunistischen Partei Chinas gegen die uigurische Minderheit in der Provinz Xinjiang und den Reaktionen ausgewählter Staaten der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC). Das primäre Ziel ist es, zu erklären, warum sich Staaten wie Pakistan und die Türkei im Kontext ihrer zwischenstaatlichen Beziehungen zu China weitgehend passiv oder gar pro-chinesisch verhalten, anstatt die muslimische Bevölkerung in Xinjiang zu schützen.
Die Organized Hypocrisy Theorie
Neben der Theorie des Konstruktivismus wird sich in dieser Arbeit mit der Organized Hypocrisy auseinandergesetzt. Dieses Konzept wurde vom schwedischen Soziologen Nils Brunsson entwickelt (vgl. Brunsson 1989; 2006). Brunsson geht davon aus, dass Organisationen ihre Rhetorik von ihren Handlungen loslösen, um nichtvereinbare Anforderungen gleichzeitig zu erfüllen. Die Untersuchung von Organized Hypocrisy ist relativ neu in den internationalen Beziehungen. Dies ist einerseits durch die Entstehung des Konzepts erst in den 1990er Jahren begründet und andererseits, dass internationale Organisationen lange Zeit nicht von dieser Theorie beachtet wurden (vgl. Hagn 2018: 43). Das Konzept der Organized Hypocrisy wurde 1989 theoretisiert und Brunsson definiert das Konzept als die systematische Ausführung von „inconsistencies between talk, decision and action“ (vgl. Brunsson/Olson 1993: 40), wodurch Organisationen versuchen verschiedene nichtvereinbare äußere Anforderungen gleichzeitig zu erfüllen. Folglich bedeutet Organized Hypocrisy, dass Rhetorik und Handlungen von Organisationen nicht immer auf einander abgestimmt sind. Die Rhetorik kann dementsprechend als die symbolische Antwort der Organisation in Abgrenzung zu den internen Handlungspraktiken angesehen werden.
Dies geschieht, da die Einhaltung von institutionellen Anforderungen in wirtschaftlicher oder politischer Hinsicht nicht immer einfach und günstig ist (vgl. Powell 1991: 186). Deshalb versuchen Organisationen grundlegende Veränderungen zu umgehen, etwa indem sie rhetorisch und mit symbolischen Maßnahmen auf neue Probleme und Anforderungen ihrer Umgebung reagieren. Die Auseinandersetzung mit diesen Problemen soll den Wandel in einer Organisation verdeutlichen und kann so den Anforderungen wichtiger Gruppen gerecht werden. Darüber hinaus wird dadurch der Eindruck erweckt, dass es wichtig sei sich mit den neuen Anforderungen der Umgebung auseinanderzusetzen und dass Maßnahmen ergriffen würden, um diese Bedürfnisse zu erfüllen (vgl. Hagn 2018: 45). Mithilfe dieser symbolischen Reaktionen können verschiedene Bedürfnisse gleichzeitig erfüllt werden (vgl. Pfeffer 1981: 38-39).
EINLEITUNG: Einführung in die Problematik der Unterdrückung der Uiguren in Xinjiang durch China und die damit verbundene internationale Aufmerksamkeitslage.
FORSCHUNGSSTAND: Überblick über die bestehende wissenschaftliche Literatur und die Relevanz der Untersuchung für die internationale Politik.
PROBLEMSTELLUNG UND WISSENSCHAFTLICHE RELEVANZ: Begründung, warum der Umgang der islamischen Welt mit der chinesischen Repression in Xinjiang eine wissenschaftliche Untersuchung erfordert.
FORSCHUNGSFRAGE, ARBEITSTHESEN, VORGEHEN UND ZIEL: Definiert die Forschungsfrage nach den Reaktionen der OIC-Staaten und leitet daraus die zu überprüfenden Thesen und das methodische Vorgehen ab.
THEORETISCHER RAHMEN UND METHODE: Etablierung des Konstruktivismus und der "Organized Hypocrisy" Theorie als Analyseinstrumente für das Handeln der untersuchten Akteure.
DIE POLITISCHEN ZIELE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI CHINAS IN DER PROVINZ XINJIANG: Analyse der nationalen Interessen Chinas und der daraus resultierenden Integrations- und Legitimationsstrategien in der Provinz.
DIE REAKTIONEN AUSGEWÄHLTER STAATEN DER ORGANISATION DER ISLAMISCHEN KONFERENZ: Untersuchung der konkreten außenpolitischen Reaktionen der OIC, der Türkei und Pakistans unter dem Einfluss wirtschaftlicher Interessen.
FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Beantwortung der Ausgangsfrage, warum wirtschaftliche Kooperationen den Schutz der Uiguren in der Praxis überlagern.
LITERATURVERZEICHNIS: Umfassende Aufführung der verwendeten Quellen, unterteilt in Fachliteratur und offizielle Dokumente.
Xinjiang, Uiguren, Kommunistische Partei Chinas, OIC, Türkei, Pakistan, Konstruktivismus, Organized Hypocrisy, Repression, Minderheitenpolitik, Belt and Road Initiative, Menschenrechte, Außenpolitik, Radikalisierung, Assimilation.
Die Masterthesis analysiert den Umgang der chinesischen Regierung mit der uigurischen Minderheit in Xinjiang und untersucht kritisch, warum die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) sowie spezifisch Pakistan und die Türkei darauf nicht mit Sanktionen oder öffentlicher Kritik, sondern mit pro-chinesischen Stellungnahmen oder Schweigen reagieren.
Die Schwerpunkte liegen auf der internen Minderheitenpolitik Chinas, dem Einfluss der wirtschaftlichen Verflechtungen durch die neue Seidenstraße (BRI) sowie der Rolle der OIC und deren Mitgliedsstaaten als vermeintliche Schutzmächte der islamischen Welt.
Das primäre Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der offiziellen Ideologie der islamischen Staaten und ihrem tatsächlichen wirtschafts- und machtpolitisch motivierten Handeln im Umgang mit der chinesischen Xinjiang-Politik mithilfe der Theorie der "Organized Hypocrisy" zu erklären.
Der Autor verwendet eine qualitative Literaturanalyse, um in Verbindung mit den gewählten theoretischen Ansätzen (Konstruktivismus und Organized Hypocrisy) die politischen Entscheidungsabläufe und Rhetoriken der beteiligten Staaten und Organisationen systematisch auszuwerten.
Im Hauptteil werden zunächst die politischen Ziele der Kommunistischen Partei Chinas in Xinjiang detailliert dargelegt, gefolgt von einer Analyse der Reaktionen der OIC, der Türkei und Pakistans auf die chinesische Xinjiang-Politik, wobei insbesondere bilaterale Strategien und Verträge beleuchtet werden.
Machtkonsolidierung, wirtschaftliche Interdependenz, systemische Entkoppelung von Rhetorik und Realität, islamische Solidarität versus nationale Interessen, geopolitische Strategien in Zentralasien.
Der Autor führt das Schweigen oder die abmildernde Rhetorik Erdogans primär auf die zunehmende wirtschaftliche Abhängigkeit der Türkei von chinesischen Investitionen und Krediten zurück, besonders vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Krisen und einer Entfremdung von den westlichen Bündnispartnern.
Sie dient als Erklärungsmodell dafür, warum die OIC und andere Akteure in der Lage sind, einerseits öffentlich Menschenrechte zu propagieren, andererseits aber in der politischen Praxis pro-chinesische Resolutionen zu unterstützen, ohne dabei als inkonsequent wahrgenommen zu werden, da die Struktur der Organisation diesen "Spagat" zulässt und legitimiert.
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