Examensarbeit, 2009
69 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
Teil I – Theoretische Grundlagen
2. Zum Begriff „Feminisierung“
3. Arbeitsdefinition zur Kategorie ‚Geschlecht’
4. Sozialisation
4.1 Allgemeine Arbeitsdefinition
4.2 Schulische Sozialisation
4.3 Geschlechtsspezifische Sozialisation
Teil II – Feminisierung
5. Sozialgeschichtlicher Abriss: Frauen im Lehrberuf
5.1 Frauen im Lehrberuf ab dem 19. Jahrhundert
5.1.1 Veränderungen der sozialen und familialen Position der Frau
5.1.2 Lehrerinnen im Spannungsfeld von Vorurteilen
5.1.3 Stand, Ausbildung und Arbeitsmarkt der Lehrerinnen
5.1.4 Lehrerinnenzölibat
5.2 Frauen im Lehrberuf zur Zeit der Weimarer Republik
5.3 Frauen im Lehrberuf zur Zeit des Nationalsozialismus
5.4 Frauen im Lehrberuf in der Nachkriegszeit bis in die 1950er Jahre
5.5 Frauen im Lehrberuf seit den 1960er Jahren
6. Feminisierung
6.1 Feminisierung – Geschichtliche Verortung
6.2 Feminisierung ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
6.2.1 Vorbemerkungen
6.2.2 Berufswahlmotivation von Frauen für den Lehrberuf
6.3 Feminisierung – aktuell diskutiert
6.3.1 Horizontale Verteilung
Beschäftigungsart
Schultyp
Schulfächer
6.3.2 Vertikale Verteilung
6.4 Zusammenfassung
Teil III – Geschlecht in pädagogischer Praxis
7. „Geschlecht“ in pädagogischer Praxis
7.1 Schulstruktur Koedukation – Gewinnerinnen und Verlierer?
7.2 Geschlechtsdifferenzen als problematische Grundlage der Pädagogik
7.3 Heimlicher Lehrplan: Geschlechtsstereotype und Unterricht
8. Geschlechtersensibler und –gerechter Unterricht
9. Abschließende Erörterung
Die Arbeit untersucht kritisch die Debatte um die sogenannte „Feminisierung“ des Lehrberufs, hinterfragt die zugrunde liegenden gesellschaftlichen Stereotype über Geschlechterrollen und entwickelt auf dieser Basis Ansätze für eine geschlechtersensible pädagogische Praxis.
1. Einleitung
Wenn das Augenmerk auf Frauen im Lehrberuf gelegt wird, bedeutet das, dass die Kategorie Geschlecht in Erörterungen Einzug gehalten hat, die außerhalb des eigentlich biologisch wissenschaftlichen Rahmens stattfinden, weil sie gesellschaftliche Topoi diskutieren. Geschlecht als solches gestaltet sich recht facettenreich, es liegt „in all [seinen; J.W.] biologischen und sozialen Aspekten […] quer zu den Disziplinen des Wissenschaftssystems und ist zugleich ein Stachel im Fleisch jeder einzelnen Disziplin und in jeder auch disziplinspezifisch auszuprägen“. Dass dabei unweigerlich eine Mischung der Ansätze je nach Diskussionsrichtung entsteht, ist vielleicht noch nachvollziehbar, doch geschieht beim Aufgreifen von Frauen im pädagogischen Berufsfeld auch immer eine – bewusste oder unbewusste – Wertung, welche weder positiv für die Frauen noch für deren Arbeit ausfällt. Diskussionen, die nahezu dreist danach fragen, ob Erziehung „Weibersache“ wird oder gar schon ist, kursieren in mannigfacher Ausführung in Medien und Politik und problematisieren unter dem Deckmantel der Fachkundigkeit die Arbeit von Frauen im Feld der Pädagogik.
Was verbindet man mit einer Feminisierung des Lehrberufs also? Warum ist das Hervorheben des Geschlechts für einen Beruf scheinbar relevant? Und aus welchem Grund wird so häufig die Unabänderbarkeit festgefahrener, geschlechtlicher Muster geglaubt und gelebt? Die Tendenz der Geschlechter, sich immer weiter anzunähern oder besser: eine individuelle Ausprägung anzustreben, welche sich inzwischen auf nahezu allen Ebenen des Alltags nachweisen lässt, wird offenbar ignoriert. Dieser Entwicklung beipflichtend ergeben Studien, dass eine solche, androgyn anmutende Lebensweise physische wie psychische Gesundheit fördert. Entgegengesetzt zu realen Entwicklungen und offenkundigen Vorteilen, bleiben also Menschen in ihrem stereotypen Denken verhaftet und geben so immer wieder diese Vorstellungen weiter. Problematisch ist dies für mich, weil nicht nur eine Überorientierung, sondern auch eine wesentliche Einschränkung in der individuellen Entwicklung von Kindern auf diese Weise vonstatten geht, denn die vorgefertigten Bilder, wie Frauen und wie Männer und demzufolge auch das sich entwickelnde Kind zu sein haben, entsprechen häufig und verständlicherweise nicht den Vorstellungen der Einzelnen. Als Erziehungsmaxime bietet sich schon deswegen die Zweigeschlechtigkeit nicht an.
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Fundament für die Auseinandersetzung mit der Feminisierung des Lehrberufs und hinterfragt die damit verbundenen, oft stereotypen gesellschaftlichen Diskursmuster.
2. Zum Begriff „Feminisierung“: Dieses Kapitel dekonstruiert den negativ konnotierten Begriff „Feminisierung“ und hinterfragt seine Anwendung im bildungswissenschaftlichen Kontext sowie die Abwertung weiblicher Arbeit.
3. Arbeitsdefinition zur Kategorie ‚Geschlecht’: Hier wird Geschlecht als kulturelle, soziale und persönliche Konstruktion definiert, um die Grundlage für die weiteren Analysen zu schaffen.
4. Sozialisation: Es erfolgt eine theoretische Einbettung der Sozialisation als fortlaufender Prozess, unterteilt in allgemeine Definition, Schule als Einflussfaktor und geschlechtsspezifische Aspekte.
5. Sozialgeschichtlicher Abriss: Frauen im Lehrberuf: Dieses Kapitel beleuchtet historisch die Entwicklung von der Lehrtätigkeit durch Frauen ab dem Mittelalter bis in die 1960er Jahre und zeigt den steten Kampf gegen Diskriminierung auf.
6. Feminisierung: Eine Analyse der aktuellen Situation und der statistischen Verteilungen von Lehrkräften, die das Narrativ der „Feminisierung“ differenziert und kritisch hinterfragt.
7. „Geschlecht“ in pädagogischer Praxis: Untersuchung des Umgangs mit Geschlecht im Schulalltag, der Koedukation und der Wirkung des „heimlichen Lehrplans“.
8. Geschlechtersensibler und –gerechter Unterricht: Entwicklung eines pädagogischen Ansatzes, der individuelle Lebenskonzepte fördert, anstatt in starren Geschlechterstereotypen zu verharren.
9. Abschließende Erörterung: Zusammenfassendes Fazit, das die Notwendigkeit eines Wandels betont und den Fokus weg von Geschlechterdifferenzen hin zur individuellen Entfaltung lenkt.
Feminisierung, Lehrberuf, Geschlechtersozialisation, pädagogische Praxis, Geschlechterrolle, Stereotype, Koedukation, Schulalltag, Berufsbiografie, Gender, Bildungsgerechtigkeit, Diskriminierung, Lehrerinnenzölibat, pädagogische Professionalität, Schulentwicklung.
Die Arbeit analysiert kritisch den Diskurs um die „Feminisierung“ des Lehrberufs, stellt historische und aktuelle Zusammenhänge dar und hinterfragt die einseitige Zuschreibung weiblicher und männlicher Rollen im pädagogischen Kontext.
Zentrale Themen sind die Sozialgeschichte der Lehrerinnen, die Analyse von Geschlechterstereotypen in der Schule, die Bedeutung der Koedukation sowie die kritische Reflexion des „heimlichen Lehrplans“.
Ziel ist es, die negative Konnotation des Begriffs „Feminisierung“ zu entlarven, die tatsächliche Verteilungssituation an Schulen differenziert darzustellen und praxeologische Ansätze für einen geschlechtersensiblen Unterricht zu formulieren.
Die Autorin nutzt eine sozialgeschichtliche Analyse sowie eine soziologische Auseinandersetzung mit Sozialisationstheorien und wertet empirische Statistiken zur Lehrerverteilung in Deutschland und Sachsen aus.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Frauenrolle im Lehrberuf, eine quantitative Untersuchung der horizontalen und vertikalen Lehrerverteilung und eine pädagogische Erörterung von Geschlecht in der Unterrichtspraxis.
Wichtige Begriffe sind Feminisierung, Lehrberuf, Geschlechtersozialisation, Stereotype, Koedukation, pädagogische Professionalität und Bildungsgerechtigkeit.
Sachsen dient als Beispiel, da es als neues Bundesland eine spezifische Struktur in der Besetzung von Schulleitungspositionen aufweist, die das sonst übliche Übergewicht von Männern in diesen Ämtern in Frage stellt.
Sie schlussfolgert, dass der „heimliche Lehrplan“ durch unbewusste Erwartungen und Interaktionen maßgeblich zur Manifestierung von Geschlechterstereotypen beiträgt und somit den angestrebten Bildungszielen für beide Geschlechter entgegenwirkt.
Sie erkennt zwar das emanzipatorische Engagement hinter der Koedukation an, stellt jedoch fest, dass diese die Trennung der Jungen- und Mädchenwelten nicht aufgehoben hat und ein sensiblerer Umgang mit Gender notwendig ist.
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