Bachelorarbeit, 2023
40 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Aktueller soziologischer Forschungsstand zum Thema Doing Gender in MINT-Fächern
3. Die Konzeption des Doing Gender
3.1. Sex – Gender. Eine Begriffserklärung
3.2. Erste Theorien der Geschlechterkonstruktion nach Garfinkel
3.3. Die Theorie der Geschlechterverhältnisse nach Goffman
3.4. Die soziale Konstruktion von Geschlecht nach West/Zimmerman
3.5. Un/doing Differences nach Hirschauer
3.6. Kritik am Konzept des Doing Gender nach Butler
4. Schulische Geschlechterdifferenzen in der historischen Betrachtung
5. Doing Gender in MINT-Fächern
5.1. Buddes/Faulstich-Wieland 2005/06: Geschlechtergerechtigkeit in der Schule
5.1.1. Darstellung der Studie von Buddes/Faulstich-Wieland 2005/06
5.1.2. Die Trennung von Geschlecht im Werkunterricht
5.1.3. Die soziale Konstruktion von Geschlecht im geschlechtergetrennten Werkunterricht
5.1.4. Die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit in MINT-Fächern
5.1.5. Zwischenfazit bezüglich Doing Gender durch Lehrkräfte in MINT-Fächern
5.2. Pauli/Lipowsky 2007: Mitmachen oder zuhören?
5.2.1. Darstellung der Studie von Pauli/Lipowsky 2007
5.2.2. Darstellung der Ergebnisse von Pauli/Lipowsky 2007
5.2.3. Einordnung der Studie von Jungwirth 1991
5.2.4. Geschlechterspezifische Unterschiede im Umgang mit Verständnis- und Wissenslücken
5.3. Auswirkungen des Doing Gender auf die Wahl des Studienfaches
6. Fazit und Ausblick
Diese Arbeit untersucht, wie Geschlecht in MINT-Fächern durch alltägliche Interaktionen von Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern sozial konstruiert wird und welche Rolle dabei das Konzept des „Doing Gender“ spielt, um die ungleiche Beteiligung nach Geschlechtern zu erklären.
3.4. Die soziale Konstruktion von Geschlecht nach West/Zimmerman
Auf Basis von Garfinkels Theorie, dass die Zuordnung zu einem Geschlecht aus einem sozialen Prozess hervorgeht, verfassten West und Zimmerman 1987 ihren Artikel zum Thema Doing Gender, in dem sie Garfinkels Theorie aufgriffen und erweiterten. Die in diesem Artikel verfassten Annahmen stellen die Basis der in Kapitel 5 folgenden Analyse dar.
Wie bereits in Kapitel 2 erwähnt, definieren West und Zimmerman Gender als „eine routinierte, methodische und sich wiederholende Leistung“ (West/Zimmerman 1987: 126, eigene Übersetzung). Indem sie das Wort Doing mit dem Gender-Begriff in Verbindung setzen, schreiben sie der sozialen Herstellung von Geschlecht, der Konstruktion des Gender, eine bedeutendere Rolle zu als vorherige Theoretiker (vgl. Gildemeister/Hericks 2012: 204). Doing Gender zeichnet sich West und Zimmerman zufolge durch die praktische und alltägliche Ausführung der Geschlechterdifferenzierung aus. Dabei beruht die Durchführung auf komplexen sozialen Wahrnehmungs- und Interaktionsprozessen sowie mikropolitischen Vorgängen. Bestimmte Handlungen erachten sie als kennzeichnend für die Zuordnung zu Mann oder Frau. Dies wird mit der Annahme begründet, dass diese Handlungen in der Natur eines Mannes oder in der Natur einer Frau lägen. West und Zimmerman gehen davon aus, dass Personen in ihrer alltäglichen Interaktion diese gesellschaftlichen Handlungszuordnungen nutzen, um einerseits ihre eigene Geschlechterzuordnung zum Ausdruck zu bringen und andererseits auch das Gegenüber einem Geschlecht zuordnen zu können (vgl. West/Zimmerman 1987: 126f). Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass nicht das biologische Geschlecht zu einer sozialen Differenzierung führt, sondern die davon ausgehenden sozialen Prozesse eine gesellschaftliche Spaltung von Mann und Frau nach sich ziehen (vgl. Lorber 1999: 356).
1. Einleitung: Die Arbeit setzt sich mit der Unterrepräsentanz von Frauen in MINT-Fächern auseinander und führt das Konzept des „Doing Gender“ als zentralen Analyserahmen zur Untersuchung der sozialen Konstruktion von Geschlecht in der Schule ein.
2. Aktueller soziologischer Forschungsstand zum Thema Doing Gender in MINT-Fächern: Es wird die Entstehung und Definition des Begriffs „Doing Gender“ seit West und Zimmerman dargelegt und der soziologische Kontext der Geschlechterforschung in diesem Bereich skizziert.
3. Die Konzeption des Doing Gender: In diesem theoretischen Kapitel werden die maßgeblichen Theorien von Garfinkel, Goffman, West/Zimmerman, Hirschauer und Butler detailliert erläutert, die als Analysebasis für die empirischen Studien dienen.
4. Schulische Geschlechterdifferenzen in der historischen Betrachtung: Der Abschnitt kontextualisiert die Entwicklung der Geschlechterdifferenzen in deutschen Schulen und beleuchtet das sogenannte „Gender Gap“ im MINT-Bereich.
5. Doing Gender in MINT-Fächern: Der Hauptteil analysiert auf Basis von drei ausgewählten Studien (Buddes/Faulstich-Wieland, Pauli/Lipowsky, Jungwirth), wie Lehrkräfte und Schülerinnen/Schüler durch spezifische Interaktionen aktiv zur Geschlechterkonstruktion und zur Aufrechterhaltung des Gender Gaps beitragen.
6. Fazit und Ausblick: Die Arbeit fasst zusammen, dass Doing Gender im MINT-Unterricht eine zentrale Rolle bei der Zementierung von Geschlechterstereotypen spielt und benennt Notwendigkeiten für zukünftige Forschung und pädagogische Interventionen.
Doing Gender, soziale Konstruktion von Geschlecht, MINT-Fächer, Gender Gap, Geschlechtergerechtigkeit, Interaktionsordnung, Unterrichtsbeteiligung, Lehrerverhalten, Geschlechterstereotype, Schülermerkmale, Sex-Category, Un/doing Differences, Geschlechtersoziologie, Performative Leistung
Die Arbeit untersucht, wie Geschlecht im schulischen MINT-Unterricht nicht als biologisch vorgegeben, sondern als soziales Konstrukt durch alltägliche Interaktionen zwischen Lehrkräften und Schülern aktiv hergestellt („Doing Gender“) wird.
Die zentralen Themen umfassen die Soziologie der Geschlechterverhältnisse, die Analyse von Unterrichtsinteraktionen, die Entstehung von Geschlechterstereotypen im MINT-Bereich sowie deren Auswirkungen auf die Studienfachwahl.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrkräfte ihre Erwartungen aufgrund von Geschlechterstereotypen in den Unterricht einfließen lassen und wie Schülerinnen und Schüler auf diese Erwartungen reagieren, wodurch soziale Ungleichheiten in MINT-Fächern fortgeschrieben werden.
Die Arbeit nutzt eine qualitative, ethnographisch orientierte Analyse und wertet dazu drei bestehende Studien aus: Buddes/Faulstich-Wieland (2005/06), Pauli/Lipowsky (2007) und Jungwirth (1991).
Im Hauptteil werden konkrete Unterrichtssituationen aus den untersuchten Studien analysiert, um aufzuzeigen, wie Lehrkräfte durch Gruppeneinteilungen, unterschiedliches Lob und die Vereinfachung von Aufgaben sowie Schüler durch Anpassungsleistungen oder fehlerkaschierendes Verhalten Geschlecht konstruieren.
Die Arbeit wird maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Doing Gender, Gender Gap, Geschlechterstereotype, Interaktion, soziale Konstruktion von Geschlecht und MINT-Didaktik.
Jungen versuchen laut den Analysen von Jungwirth oft, Fehler selbstbewusst zu kaschieren, um den Erwartungen an ihre fachliche Kompetenz gerecht zu werden, während Mädchen eher dazu neigen, Defizite offen zu lassen oder unsicher zu reagieren.
Nach West und Zimmerman ist Doing Gender unvermeidbar, da jede soziale Interaktion die Erwartung an eine erkennbare Geschlechtszugehörigkeit mit sich bringt und Abweichungen von gesellschaftlichen Rollenerwartungen soziale Sanktionen oder Irritationen zur Folge haben.
Lehrkräfte, die stereotypische Erwartungen an Kompetenzen äußern, führen dazu, dass sich Schülerinnen und Schüler diesen Erwartungen anpassen; dies mindert die Selbsteinschätzung der Mädchen in MINT-Fächern und bestärkt Jungen in ihrem (oft überhöhten) Kompetenzerleben.
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