Bachelorarbeit, 2023
39 Seiten, Note: 2,0
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
1 Einleitung
2 Die Philosophie der idealen und der normalen Sprache
3 Die Kennzeichnungstheorien von Frege, Russell und Strawson
3.1 Das Erkenntniswertproblem
3.2 Existenzbehauptung, Eindeutigkeitsbehauptung und Prädikation
3.3 Implikation oder Präsupposition?
3.4 Die Verteidigung von Russells Kennzeichnungstheorie
4 Die Kennzeichnungstheorien von Donnellan und Kripke
4.1 Die attributive und die referentielle Verwendungsweise
4.2 Kommunikationsketten
4.3 Ein Versuch der Verteidigung von Donnellans Kennzeichnungstheorie
5 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das sprachphilosophische Phänomen der Kennzeichnung und die damit verbundene Referenz, um zu klären, wie Sätze mit Kennzeichnungen auf ihren Wahrheitswert geprüft werden und ob es unterschiedliche Verwendungsweisen gibt. Im Zentrum steht dabei die kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Positionen, insbesondere von Frege, Russell, Strawson, Donnellan und Kripke.
3.1 Das Erkenntniswertproblem
Frege formuliert seine Kennzeichnungstheorie in seinem Aufsatz „Über Sinn und Bedeutung“ (1892). Dieser beginnt mit der Feststellung, dass die Sätze „a = a“ und „a = b“ Sätze mit verschiedenem Erkenntniswert sind und durch die bloße Äußerung dieser Sätze nicht die Erkenntnis ausgedrückt wird, die wir in vielen Fällen vermitteln wollen. Er kommt zu dem Schluss, dass es noch etwas Drittes zwischen Zeichen und Bezeichnetem geben muss, was den Erkenntniswert von a = b gehaltvoller gegenüber dem von a = a macht.
Dieses Dritte nennt er die „Art des Gegebenseins“. Unter der Art des Gegebenseins versteht Frege den Sinn, den ein Eigenname ausdrückt. Dieser Sinn kann als eine Kennzeichnung formuliert werden. Frege versteht unter der Art des Gegebenseins „die durch den Namen ausgedrückten Kriterien, wie wir ausgehend von diesen kennzeichnenden Hinweisen zu dem fraglichen Gegenstand gelangen können, wie wir ihn entdecken bzw. von anderen individuieren können.“
Wie kann die Verknüpfung zwischen Eigenname, Sinn und Bedeutung das Problem der verschiedenen Erkenntniswerte lösen? Ein gelungenes Beispiel liefert die Betrachtung der Namen „Morgenstern“ und „Abendstern“. Der Name „Morgenstern“ bezeichnet die Venus genauso wie der Name „Abendstern“. Wer vermitteln möchte, dass die Namen „der Morgenstern“ und „der Abendstern“ denselben Gegenstand bezeichnen, könnte das mit der Identitätsbehauptung „a = b“ tun. Der höhere Erkenntniswert dieser Identitätsbehauptung gegenüber der Identitätsbehauptung „a = a“ wird deutlich, wenn die Art des Gegebenseins hinzugenommen wird.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Kennzeichnung und Referenz ein und skizziert das Ziel der Arbeit, einen Überblick über die philosophischen Kontroversen zu diesem Diskurs zu geben.
2 Die Philosophie der idealen und der normalen Sprache: Dieses Kapitel erläutert den grundlegenden Unterschied zwischen der Philosophie der idealen Sprache, die logische Analysen nutzt, und der Philosophie der normalen Sprache, welche die Alltagssprache untersucht.
3 Die Kennzeichnungstheorien von Frege, Russell und Strawson: Hier werden die klassischen Kennzeichnungstheorien vorgestellt, wobei besonders auf das Erkenntniswertproblem bei Frege sowie die Problemlösungen durch Russells Theorie und Strawsons Kritik eingegangen wird.
4 Die Kennzeichnungstheorien von Donnellan und Kripke: Dieses Kapitel widmet sich der Unterscheidung zwischen attributiver und referentieller Verwendung sowie der Kripkeschen Kritik an der Festlegung von Referenz über Kennzeichnungen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die vorangegangenen Argumentationen zusammen und stellt fest, dass, obwohl die Kennzeichnungstheorien unterschiedliche Ansätze verfolgen, noch immer Uneinigkeit in Bezug auf Referenz und Wahrheitswerte besteht.
Sprachphilosophie, Kennzeichnung, Referenz, Gottlob Frege, Bertrand Russell, Peter Strawson, Keith Donnellan, Saul Kripke, Sinn, Bedeutung, Erkenntniswert, Präsupposition, Analytische Philosophie, Referentielle Verwendung, Attributive Verwendung
Die Arbeit untersucht das sprachphilosophische Problem, wie Kennzeichnungen (z.B. "der Autor von...") auf Gegenstände referieren und wie Sätze mit solchen Kennzeichnungen wahrheitswerttheoretisch zu bewerten sind.
Die zentralen Themen umfassen die Philosophie der idealen vs. normalen Sprache, die logische Analyse von Identitätsbehauptungen, das Problem leerer Kennzeichnungen sowie die Unterscheidung zwischen semantischer und pragmatischer Referenz.
Das Ziel ist es, einen Überblick über die Kontroverse der Kennzeichnungstheorien zu liefern, die wichtigsten Positionen zu diskutieren und zu bewerten, wie erfolgreich die Ansätze von Frege, Russell, Strawson, Donnellan und Kripke das Problem der Referenz lösen.
Es wird eine deskriptive und analytische Methode verwendet, bei der die Texte bedeutender Sprachphilosophen vorgestellt, kritisch verglichen und hinsichtlich ihrer Argumentationslogik auf Konsistenz geprüft werden.
Im Hauptteil werden zunächst die Philosophien der idealen und normalen Sprache gegenübergestellt, gefolgt von den Analysen zur Kennzeichnungstheorie durch Frege, Russell und Strawson sowie den Ergänzungen durch Donnellans Unterscheidung und Kripkes Kritik.
Wichtige Begriffe sind Referenz, Kennzeichnung, Sinn, Bedeutung, Wahrheitswert, Präsupposition und die Unterscheidung zwischen attributiver und referentieller Verwendung.
Attributiv bedeutet, dass eine Kennzeichnung auf das Objekt zutrifft, das die Beschreibung erfüllt. Referentiell bedeutet hingegen, dass die Kennzeichnung ein Hilfsmittel für den Sprecher ist, um die Aufmerksamkeit des Hörers auf ein spezifisches, vom Sprecher intendiertes Objekt zu lenken, selbst wenn das Objekt die Beschreibung gar nicht exakt erfüllt.
Kripke argumentiert, dass Eigennamen keine "versteckten Kennzeichnungen" sind, sondern sogenannte "sture Designatoren" (rigid designators), die unabhängig von Kennzeichnungen in allen möglichen Welten auf dasselbe Objekt referieren.
Russell schlägt vor, Sätze, die solche Kennzeichnungen enthalten, logisch so umzuformen, dass sie in eine Existenzbehauptung, eine Eindeutigkeitsbehauptung und eine Prädikation zerfallen, wodurch fiktionale Sätze nicht mehr als sinnlos, sondern als falsch (oder wahr, je nach Negation) ausgewiesen werden können.
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