Diplomarbeit, 2008
88 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
I. Theoretischer Teil
2. Auswirkungen von Armut bzw. sozialer Benachteiligung auf Familien mit Kleinkindern
2.1. Definition des Begriffs „soziale Benachteiligung“
2.2. Definition von Armut
2.3. Auswirkungen von Armut bzw. sozialer Benachteiligung auf die Entwicklung des Kindes
2.4. Kinderarmut:
3. Kindliche Entwicklungsgefährdungen im Kontext von Armut bzw. sozialer Benachteiligung
3.1. Psychosoziale Risikofaktoren
3.2. Weitere Risikofaktoren der kindlichen Entwicklung
3.2.1. Störungen der Mutter-Kind-Interaktion:
3.2.2. Kindervernachlässigung
3.2.3. Gesundheitsgefährdungen, biologische Risiken und Schädigungen:
3.2.4. Sprachstörungen:
4. Zusammenhang zwischen sozialer Benachteiligung und Entwicklungsgefährdung
5. Bedingungen und Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung des Kindes
5.1. Die Rolle der Bindung in der frühkindlichen Entwicklung
5.2. Chancengerechtigkeit
5.3. Weitere Voraussetzungen
5.4. Theoretischer Ansatz der frühkindlichen Entwicklung
5.4.1. Theorien zur kindlichen Entwicklung
5.4.2. Ökosystemischer Ansatz
6. Primär präventive Frühförderung
6.1. Frühe Förderung - Frühförderung. Begriffsunterschied
6.2. Definition der Frühförderung
6.3. Primäre Prävention der Frühförderung
6.4. Geschichtliche Entwicklung der Frühförderung in Deutschland
6.4.1. Das Frühfördersystem der DDR
6.4.2. Aspekte der Frühförderung in der BRD
6.4.3. Vergleich der beiden Fördersysteme
6.5. Allgemeine Aspekte der Frühförderung
6.5.1. Frühförderung als System
6.5.2. Umfeldorientierung
6.6. Arbeitsprinzipien der Frühförderung
6.7. Ziele und Aufgaben der Frühförderung
6.8. Zielgruppen der Frühförderung
6.8.1. Zielgruppen allgemein
6.8.2. Kinder aus sozial benachteiligten Familien als umstrittenste Zielgruppe der Frühförderung
6.8.3. Beweise der Zugehörigkeit der sozial benachteiligten Kinder zur Zielgruppe der Frühförderung
6.9. Früherkennung und Frühförderung bei sozial benachteiligten Familien
6.9.1. Inhaltliche Orientierungen für die Frühförderarbeit mit den sozial benachteiligten Familien
6.9.2. Frühförderung in sozialen Brennpunkten
6.9.3. Früherkennung von Entwicklungsgefährdungen in sozialen Brennpunkten und anonymen Armutslagen
6.9.4. Kindertagesbetreuung als Möglichkeit der Früherkennung
6.9.5. Wirksamkeit der Frühförderung gegen armutsbezogene Entwicklungsrisiken
6.9.6. Frühförderung als Hilfe, die nicht unbedingt willkommen ist
6.10. Bestandteile der erfolgreichen Frühförderung
6.10.1.Voraussetzungen für den Erfolg der Frühfördermaßnahmen
6.10.2. Die Bedeutung der Elternarbeit für eine erfolgreiche Frühförderung
6.11. Mobiles Arbeiten- Hausfrühförderung
6.12. Frühfördereinrichtungen
6.13. Soziale Arbeit in der Frühförderung
6.14. Kulturspezifische Barrieren in der Frühförderung
6.15. Finanzierung
6.16. Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit
7. Resilienz und ihre Bedeutung in der Frühförderung
7.1. Die Resilienzforschung
7.2. Was heißt „Resilienz“?
7.3. Charakteristika von Resilienz
7.4. Schutzfaktoren
7.5. Elternorientierte Sichtweise von Resilienz in der Frühförderung
7.6. Studien zur Resilienz
8. Umsetzung der Theorie in der Praxis am Beispiel der Projektarbeit
8.1. Head Start (USA)
8.2. HIPPY
8.2.1.Programmbeschreibung
8.2.2. Durchführung
8.2.3. Die Geschichte von HIPPY
8.2.4. HIPPY in Deutschland
8.3. Projekt OPSTAPJE - Schritt für Schritt
8.3.1. Programmbeschreibung
8.3.2.Entwicklungspsychologische Hintergründe im Programm Opstapje
8.3.3. Frühförderung von Resilienz
8.3.4. Historie
8.3.5. Einsatzfelder
8.3.6. Konzeptionelle Weiterentwicklung
9. Hypothesenbildung.
Teil II: Empirische Untersuchung Befragung der Experten und Eltern der Frühförderprojekte „Opstapje“ und „HIPPY“
1. Methodisches Vorgehen
1.1 Die Wahl der Untersuchungsmethode
1.2 Quantitative und qualitative Ausrichtung einer Untersuchung
1.3 Fragebogenkonstruktion
1.3.1 Arten der Fragen
1.4 Pretest
1.5 Stichprobe
2. Durchführung der Befragung und Rücklauf
3. Auswertung
3.1 Auswertung der Eltern-Fragebögen
3.1.1. Soziodemografische Daten
3.1.2. Angaben zum Kind
3.1.3. Elternangebote
3.1.4. Ergebnisse der Teilnahme am Projekt
3.2 Auswertung der Experten-Fragebögen
3.2.1 Soziodemografische Daten
3.3 Berufliche Haltung
3.3.1 Arbeit mit den Eltern bzw. Familien
3.2.4. Projekt
3.2.5 Sozial benachteiligte Familien und Frühförderung
3.2.6. Zukunft des Projekts
4. Zusammenfassung
Resümee
Literaturverzeichnis
Die Arbeit untersucht die Effektivität von primär präventiven Frühförderprogrammen bei Kindern aus sozial und bildungsbenachteiligten Familien. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob Programme wie "Opstapje" und "HIPPY" diese Kinder in ihrer Lebenswirklichkeit erreichen, Entwicklungsrisiken kompensieren und zur Resilienzstärkung beitragen können.
6.9.1. Inhaltliche Orientierungen für die Frühförderarbeit mit den sozial benachteiligten Familien
Zwei inhaltliche Akzentsetzungen erscheinen für die Frühförderung von Kindern und Familien in Armut und Benachteiligung besonders bedeutsam.
Erstens: Die Nöte und Bedürfnisse der Eltern und Familie in den Blick nehmen und darauf einzugehen versuchen.
Von einer prekären Einkommens- und Wohnungssituation, der Ungesichertheit ihrer Lebenswirklichkeit und evtl. der hohen Belastung ihrer Beziehungen sind Mütter und Väter unter Umständen so in Anspruch genommen, dass ihnen wenig Zeit und vor allem psychische Energie bleibt, auf die Bedürfnisse ihrer Kinder hinreichend zu achten. Auch das kindbezogene Anliegen der Frühförderung erscheint ihnen daher oft als nachrangig, wird vielleicht sogar als zusätzliche Belastung erlebt, da sie deren Sinn nicht oder nur unzureichend erkennen. Daher sind die konkreten Hilfeleistungen in den lebensweltlichen Problemen meist vorrangig, sei es bei der Suche nach einer günstigeren Wohnung oder bei der Haushaltsgestaltung. Dabei geht es nicht darum, dass die Frühförderer/innen Sozialarbeit im engeren Sinn übernehmen oder sich in einem bloßen taktischen Sinn durch anfängliche lebenspraktische Hilfen die Mitarbeit der Eltern „erkaufen“. Vielmehr kommt es darauf an, ein ernsthaftes Interesse für die lebensweltlichen Probleme der Familie und die Bedürfnisse der Eltern unter Beweis zu stellen und die Verantwortung in der Weise zu übernehmen, dass Frühförderer/innen z.B. persönliche Kontakte zwischen der Familie und anderen Hilfsinstanzen herstellen. Gerade diese Vermittlungsarbeit auf einer persönlichen Ebene wird von Eltern meist nicht als einfaches Ab- und Weiterschieben erlebt.
Zweitens: Auf Grundlage eines Mindestmaßes an Vertrauen versuchen, zum Verständnis der Eltern für die Situation und Bedürfnisse ihres Kindes und damit zu einem entspannteren Zusammenleben beizutragen.
Neben fachlichen Kompetenzen wird es vor allem darauf ankommen, eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung herzustellen, damit Eltern, ohne sich belehrt oder gar bloß gestellt zu fühlen, die interaktionsbezogenen Deutungshilfen annehmen, verstehen und in ihre Lebenswirklichkeit integrieren können.
Die beiden skizzierten inhaltlichen Akzente einer Frühförderung mit Eltern in Armut und Benachteiligung- das Eingehen auf die lebensweltlichen Bedürfnisse sowie eine Entlastung und Weiterentwicklung der Eltern-Kind-Interaktion durch vorsichtige Sensibilisierung der Eltern für die Bedürfnisse ihres Kindes – bedingen einander. (vgl. Weiß, 2000b, S. 187)
1. Einleitung: Vorstellung der Problematik sozial benachteiligter Familien und Definition der Forschungsfragen zur Wirksamkeit der Frühförderung.
2. Auswirkungen von Armut bzw. sozialer Benachteiligung auf Familien mit Kleinkindern: Theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmungen zu Armut und Benachteiligung sowie deren Einfluss auf die kindliche Entwicklung.
3. Kindliche Entwicklungsgefährdungen im Kontext von Armut bzw. sozialer Benachteiligung: Darstellung psychosozialer Risikofaktoren wie Bindungsstörungen, Vernachlässigung und Sprachstörungen.
4. Zusammenhang zwischen sozialer Benachteiligung und Entwicklungsgefährdung: Analyse der Korrelation zwischen sozioökonomischem Status und dem Risiko für spätere Lernbeeinträchtigungen.
5. Bedingungen und Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung des Kindes: Untersuchung der Bedeutung von Bindung, Chancengerechtigkeit und ökosystemischen Entwicklungsansätzen.
6. Primär präventive Frühförderung: Umfassende Erörterung der Ziele, Arbeitsprinzipien und Rahmenbedingungen der Frühförderung in Deutschland, inklusive des Vergleichs zwischen DDR und BRD.
7. Resilienz und ihre Bedeutung in der Frühförderung: Konzeptualisierung von Resilienz und Identifizierung von Schutzfaktoren für eine gesunde Entwicklung trotz Risikolagen.
8. Umsetzung der Theorie in der Praxis am Beispiel der Projektarbeit: Detaillierte Beschreibung und Analyse der Programme "Head Start", "HIPPY" und "Opstapje".
9. Hypothesenbildung: Ableitung der Arbeitshypothesen für den empirischen Teil auf Basis der Theorie.
Frühförderung, Armut, soziale Benachteiligung, Resilienz, Prävention, Elternarbeit, Opstapje, HIPPY, Kindesentwicklung, Entwicklungsrisiken, Familienorientierung, Hausbesuchsprogramme, Pädagogik, Jugendhilfe, Empowerment.
Die Diplomarbeit untersucht, wie präventive Frühförderprogramme Kinder aus sozial benachteiligten Familien unterstützen und welche Rolle dabei die Elternarbeit spielt.
Die Arbeit fokussiert auf die Auswirkungen von Armut auf die kindliche Entwicklung, das Konzept der Resilienz sowie die Bedeutung von Hausbesuchsprogrammen als niedrigschwellige Interventionsform.
Ziel ist es zu klären, inwieweit Programme wie "Opstapje" und "HIPPY" durch die Einbeziehung der Familie Bildungs- und Entwicklungschancen benachteiligter Kinder verbessern können.
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Teil zur Fundierung und einen empirischen Teil, der eine quantitative Experten- und Elternbefragung zur Wirksamkeit der Projekte umfasst.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Analyse der Entwicklungsgefährdungen durch Armut sowie eine praxisorientierte Darstellung der Arbeitsweisen von Frühförderprogrammen.
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Frühförderung, soziale Benachteiligung, Armut, Resilienz, Elternarbeit und Empowerment geprägt.
Im Gegensatz zu zentralisierten Einrichtungen (Komm-Struktur) setzt "Opstapje" auf eine aufsuchende Arbeitsweise (Geh-Struktur) und arbeitet mit semiprofessionellen Kräften aus dem Lebensumfeld der Familien.
Da die Familien oft skeptisch gegenüber Institutionen sind, ist eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung und die Stärkung der elterlichen Kompetenzen notwendig, um nachhaltige positive Effekte für das Kind zu erzielen.
Resilienz dient als theoretisches Gegenkonzept zu rein defizitorientierten Ansätzen, um zu verstehen, wie Kinder durch Schutzfaktoren trotz belastender Lebensumstände eine gesunde Persönlichkeit entwickeln können.
Die Befragung zeigt eine durchweg positive Resonanz: Die Projekte werden als wirksam in der Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung und der Förderung der kindlichen Entwicklung wahrgenommen.
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