Magisterarbeit, 2000
151 Seiten, Note: 1,3
1. Einführung
2. Erinnerung und Gedächtnis einer Gesellschaft
2.1 Das kulturelle Gedächtnis
2.1.1 Das kommunikative und das kulturelle Gedächtnis
2.1.2 Die Bedeutung des kulturellen Gedächtnisses für die Identität einer Gruppe
2.2 Geschichte und Gedächtnis
2.2.1 Das Speicher- und das Funktionsgedächtnis
2.2.2 Die Verdrängung des Gedächtnisses durch die Geschichte
2.3 Das Vergessen
2.4 Die Medien des kulturellen Gedächtnisses
2.4.1 Die Schrift
2.4.2 Das Denkmal
2.5 Die theoretischen Grundlagen des kulturellen Gedächtnisses [ ZwischenResümee ]
3. Deutsche Holocaust-Erinnerung in den neunziger Jahren
3.1 Der Holocaust als Streitpunkt in der Geschichtswissenschaft
3.1.1 Die Provokation von Daniel Jonah Goldhagen
3.1.2 Die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“
3.2 Die Diskussion um emotionale Rezeptionsweisen
3.2.1 „Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas“
3.2.2 Martin Walsers Friedenspreisrede und die Folgen
3.3 Die Entstehung eines kulturellen Gedächtnisses in Deutschland [ ZwischenResümee ]
4. Digitale Medien als Medien des kulturellen Gedächtnisses
4.1 Die gesellschaftlichen Auswirkungen des Internet
4.1.1 Manipulation oder Kreativitätsförderung
4.1.2 Elitäres oder demokratisches Medium
4.1.3 Vereinsamung und Realitätsverlust oder neue Gemeinschaften
4.1.4 Vernetzung oder Fragmentierung
4.1.5 Allgemeines Informationschaos oder individuelle Informiertheit
4.1.6 Kulturschmelze oder kulturelle Vielfalt
4.2 Die digitalen Medien und ihre Kommunikationsformen
4.3 Verbesserung oder Verschlechterung der Speichermöglichkeiten
4.4 Die Konsequenzen für das kulturelle Gedächtnis [ ZwischenResümee ]
5. Der Holocaust in den digitalen Medien
5.1 Angebote im Internet zum Thema Holocaust
5.2 Das digitale Archiv der Shoah Visual History Foundation
5.3 Die Holocaustdarstellung auf multimedialen CD-ROMs
5.4 Digitalisierter Holocaust [ ZwischenResümee ]
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die deutsche Erinnerungskultur an den Holocaust im Kontext digitaler Medien verändert. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welchen Stellenwert digitale Medien als neue Träger des kulturellen Gedächtnisses einnehmen, welche spezifischen Funktionen sie erfüllen und inwiefern sie geeignet sind, die Erinnerung an den Holocaust an nachfolgende Generationen zu vermitteln.
2.1 Das kulturelle Gedächtnis
Der Begriff des kulturellen Gedächtnisses von Jan Assmann ist die Erweiterung der Theorie des kollektiven Gedächtnisses von Maurice Halbwachs. Halbwachs unterscheidet zwischen einem persönlichen und autobiographischen Gedächtnis und einem sozialen, historischen Gedächtnis. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass das zweite zwar umfassender ist, aber auch wesentlich schematischer. Die persönlichen Erinnerungen sind nie vollständig, das kollektive Gedächtnis ergibt somit ein dichteres, kohärenteres Bild. Dieses historische, kollektive Gedächtnis ist dennoch nicht mit Geschichte zu verwechseln, da sich Geschichte immer erst dann bildet, wenn das kollektive Gedächtnis bereits nicht mehr vorhanden ist. Das kollektive Gedächtnis behält immer nur das, was in der Gruppe lebendig ist. Geschichte allerdings setzt erst an dem Punkt ein, an dem die lebendigen Zeugnisse nicht mehr existieren und sie daher schriftlich festgehalten werden müssen, damit sie weiter überliefert werden können.
„Solange eine Erinnerung fortbesteht, ist es unnötig, sie schriftlich festzulegen, sie überhaupt festzulegen.“
Jan Assmann übernimmt von Halbwachs nur, dass das Gedächtnis im Wesentlichen von Außenfaktoren bestimmt wird. Er unterscheidet zwischen vier solcher von außen geprägter Gedächtnisformen:
o dem mimetischen Gedächtnis – das Nachmachen und Wiederholen von hauptsächlich alltäglichen Handlungen -;
o dem Gedächtnis der Dinge – die den Menschen umgebenden Objekte als Erinnerung an seine Vergangenheit -;
o dem kommunikativen Gedächtnis – die Interaktion mit anderen Individuen ermöglichen dem Menschen erst die Bildung von Bewusstsein und Gedächtnis -;
o und dem kulturellen Gedächtnis – das für die Überlieferung und Vermittlung von Sinn in einer Gesellschaft verantwortlich ist -.
1. Einführung: Darstellung der Relevanz von Erinnerungskultur und Gedächtnis im Kontext des Holocaust und neuer Medien.
2. Erinnerung und Gedächtnis einer Gesellschaft: Theoretische Grundlagen des kollektiven und kulturellen Gedächtnisses sowie deren Abgrenzung zur Geschichte.
3. Deutsche Holocaust-Erinnerung in den neunziger Jahren: Analyse der gesellschaftlichen Kontroversen um den Holocaust, darunter Goldhagen, die Wehrmachtsausstellung und das Mahnmal.
4. Digitale Medien als Medien des kulturellen Gedächtnisses: Untersuchung der soziologischen und philosophischen Implikationen digitaler Kommunikation und Speichertechniken.
5. Der Holocaust in den digitalen Medien: Anwendung der Erkenntnisse auf spezifische Online-Angebote, das Archiv der Shoah Visual History Foundation und Holocaust-CD-ROMs.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Potenziale und Gefahren digitaler Medien für die zukünftige Holocaust-Erinnerungskultur.
Holocaust, Erinnerungskultur, Kulturelles Gedächtnis, Digitale Medien, Internet, Speichergedächtnis, Funktionsgedächtnis, Shoah Visual History Foundation, Identität, Geschichtsbewusstsein, Mediale Repräsentation, Zeitzeugen, Archivierung, Kollektives Gedächtnis, Gedenkkultur.
Die Arbeit untersucht, wie sich die Erinnerung an den Holocaust im digitalen Zeitalter wandelt und welche Rolle neue Medien dabei spielen, das kulturelle Gedächtnis zu bewahren oder zu verändern.
Die zentralen Themenfelder sind die Gedächtnistheorie, die politische Erinnerungskultur in Deutschland, die Wirkung digitaler Medien auf die Gesellschaft sowie die mediale Vermittlung historischer Ereignisse.
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob digitale Medien in der Lage sind, die Funktion des kulturellen Gedächtnisses als Identitätsstifter und Wissensspeicher für den Holocaust zu übernehmen.
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse, die kulturwissenschaftliche Gedächtnistheorien mit medienwissenschaftlichen Diskursen über das Internet und digitale Speichermedien verknüpft.
Der Hauptteil analysiert die Debatten der neunziger Jahre (z. B. Goldhagen, Holocaust-Mahnmal) und prüft anschließend die Eignung von Internet-Datenbanken und CD-ROMs als Träger für das Holocaust-Gedächtnis.
Wichtige Begriffe sind Holocaust, Erinnerungskultur, kulturelles Gedächtnis, digitale Medien, Internet und Speicher- bzw. Funktionsgedächtnis.
Die Autorin erkennt den Wert der Zeitzeugen-Archivierung an, kritisiert jedoch die kommerzielle Auswertung und die Tendenz, die wissenschaftliche Analyse zugunsten rein emotionaler Massenwirksamkeit zu vernachlässigen.
Das Funktionsgedächtnis ist für die Identitätsbildung einer Gemeinschaft essenziell, da es aus der Vergangenheit Sinn generiert und auf die Gegenwart bezieht, was durch die schiere Masse digitaler Daten zunehmend unter Druck gerät.
Digitale Medien führen zu einem massiven Speicherdruck ohne Selektion, wodurch das notwendige aktive Vergessen (als Form der Bereinigung und Wertung) verloren geht und durch eine entgrenzte Informationsflut ersetzt wird.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

