Examensarbeit, 2008
71 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Georg Büchner
2.1 Georg Büchner: ein Kind seiner Zeit?
2.1.1 Büchner: Abkehr von der Revolution oder konsequenter Revolutionär? – Ein Forschungsüberblick
2.1.1.1 Stimmen für Büchners Abwendung von einem radikal-revolutionären Programm
2.1.1.2 Büchner als konsequenter Revolutionär
2.1.2 Opposition zur bestehenden Ordnung
2.1.3 Politisches und revolutionäres Leben
2.1.3.1 Eindrücke der Revolution in Straßburg
2.1.3.2 Revolutionäre Aktivität in Gießen 1833/34
2.2 Danton’s Tod
2.2.1 Akteure des Stücks
2.2.1.1 Die Dantonisten: Profiteure und Opfer der Revolution zugleich
2.2.1.2 Danton
2.2.1.3 Die Robespierristen
2.2.1.4 Das Volk
2.2.2 Danton’s Tod als politisches Lehrstück?
2.2.2.1 Die Akteure als Spiegel von Büchners sozial-politischen Überzeugungen
2.2.2.1.1 Robespierre und St. Just
2.2.2.1.2 Das Volk als unbekannte Größe
2.2.2.1.3 Danton als ‚Sprachrohr Büchners‘?
2.2.2.2 Die Multiperspektivität der politischen Positionen im Drama
2.2.2.3. Ein Bruch in der einheitlichen Darstellung der Charaktere
2.2.2.4 Demaskierung des politischen Theaters statt einer eindeutigen politischen ‚Lehre‘ – Die Schauspielmetaphorik in Danton’s Tod
2.3 Woyzeck
2.3.1 Woyzeck als tiefgreifende Gesellschaftskritik
2.3.2 Die Figuren als Repräsentanten eines morbiden Klassensystems
2.3.2.1. Der Hauptmann: Das Militär als obsoletes Disziplinierungsinstrument des (Spät-)feudalismus
2.3.2.2 Der Doktor als karrieristischer Wissenschaftler und Vertreter des Frühkapitalismus
2.3.2.3 Die Figur des Woyzeck: ein Paradigma der menschlichen Unfreiheit hinter den Gittern der Gesellschaft
2.4 Werkübergreifende Aspekte
2.4.1 Die Perspektiven der Figuren in Büchners Dramen: Die Vollendung im Tode oder Mord und Totschlag als letzte Rebellion?
2.4.2 Realistische Züge im Werk Büchners
2.4.3 Büchners Werk in Konfrontation mit dem marxistischen Realismusbegriff
3. Heiner Müller
3.1 Leben und schriftstellerische Arbeit in der DDR
3.1.1 Heiner Müllers frühe Entscheidung für den Sozialismus
3.1.2 Kulturpolitik in der DDR: Der Sozialistische Realismus und seine Prinzipien
3.1.3 Vordenker Heiner Müllers: Carl Schmitt
3.2 Der Lohndrücker
3.2.1. Historisches Vorbild: Hans Garbe, ‚Held der Arbeit‘
3.2.2 Die sozialistisch-realistischen Prinzipien der DDR-Kulturpolitik im Lohndrücker
3.2.3 Das dialektische Prinzip Heiner Müllers im Lohndrücker
3.2.4 Antagonistisches Prinzip im Figurenaufbau
3.2.4.1 Balke und seine Gegenspieler
3.2.4.2 Balke
3.2.5 Der dialektische Realismus Heiner Müllers und der „Kampf zwischen Altem und Neuem“
3.2.6 Umkehrung der Werte?
3.3 Der Auftrag. Erinnerung an eine Revolution.
3.3.1 Motivation des Stückes, Titelgebung und Vorlagen.
3.3.2 Dramaturgie des Stückes
3.3.3 Der Auftrag als eine Absage an den Rationalismus der Französischen Revolution
3.3.4 Verlagerung der revolutionären Hoffnungen Heiner Müllers auf das Jenseits Europas
3.3.5 Der Auftrag und der Verrat – das Stück als Appell an den zweifelnden linken Intellektuellen
4. Parallelen zwischen Müller und Büchner
4.1 Weiße und schwarze Revolution
4.2 Dekonstruktion von Heroismus
4.3 Geschichtsbild und Geschichtsfatalismus
4.3.1 Georg Büchner
4.3.2 Heiner Müller
5. Schlussgedanke
Die vorliegende Arbeit untersucht die ständige Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen sowie dem Umsturz bestehender Ordnungen im Werk von Georg Büchner und Heiner Müller. Dabei wird analysiert, ob ihre jeweilige schriftstellerische Konsequenz in einer fatalistischen Grundhaltung endete oder ob sie trotz politischer Ernüchterung an einem revolutionären Programm festhielten.
Danton’s Tod als politisches Lehrstück?
Ob Danton’s Tod als politisches Lehrstück gesehen werden sollte, beantwortet Büchner zunächst selbst, wenn er sagt: „Der Dichter ist kein Lehrer der Moral“. Dieser könne nur Gegenstände abbilden und wieder auferstehen lassen. Die Lektion ergebe sich für jeden einzelnen unterschiedlich. Diese Aussage kann aber, wie im Folgenden noch erörtert werden soll, nur bedingt angenommen werden.
Um eine Entscheidung darüber zu fällen, ob Büchner mit Danton’s Tod eine politische Absicht verfolgt, ist zunächst zu untersuchen, welche eigenen Anschauungen Büchner die einzelnen politischen Gruppierungen im Stück selbst vertreten lässt.
1 Einleitung: Darstellung der Ausgangslage und der Forschungsfrage bezüglich der politischen Haltung von Georg Büchner und Heiner Müller.
2 Georg Büchner: Biographische und historische Einordnung von Büchner sowie eine detaillierte Analyse seiner Dramen Danton’s Tod und Woyzeck.
3 Heiner Müller: Betrachtung der kulturpolitischen Rahmenbedingungen der DDR und Analyse der Werke Der Lohndrücker und Der Auftrag.
4 Parallelen zwischen Müller und Büchner: Herausarbeitung von Gemeinsamkeiten in Bezug auf Gewalt, Heroismus und das Geschichtsbild beider Autoren.
5 Schlussgedanke: Fazit über die literarische Auseinandersetzung beider Autoren mit der Geschichte und der Resignation.
Georg Büchner, Heiner Müller, Danton’s Tod, Woyzeck, Der Lohndrücker, Der Auftrag, Französische Revolution, DDR, Sozialistischer Realismus, Revolution, Geschichtsfatalismus, Klassensystem, Determinismus, politisches Theater, Heroismusdekonstruktion.
Die Arbeit analysiert die literarische Auseinandersetzung von Georg Büchner und Heiner Müller mit den Themen Politik, Revolution und Geschichtsbild.
Im Zentrum stehen die politische Radikalität, das Verhältnis des Individuums zu gesellschaftlichen Umbrüchen und die Frage nach dem Scheitern von Revolutionen.
Die Untersuchung versucht zu klären, ob die Auseinandersetzung mit den politischen Systemen bei beiden Autoren zwangsläufig in einer fatalistischen Grundhaltung endete.
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturwissenschaft, die biographische Kontexte mit detaillierten Werkanalysen der Dramen verknüpft.
Der Hauptteil behandelt Büchners Dramen Danton’s Tod und Woyzeck sowie Müllers Der Lohndrücker und Der Auftrag unter Berücksichtigung ihrer Entstehungszeit.
Die wichtigsten Begriffe umfassen Revolution, Geschichtsfatalismus, Sozialistischer Realismus und politische Sozialkritik.
Carl Schmitt dient als Vordenker für Müller, insbesondere durch seine Theorie von Freund und Feind, die Müllers Verständnis von radikalen politischen Konflikten prägt.
Die "weiße" Revolution wird als intellektuell-theoretische Bewegung von oben beschrieben, während die "schwarze" Revolution als körperbetonter und existentieller Kampf von unten definiert wird.
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