Diplomarbeit, 2009
119 Seiten, Note: 1,3
1. Einführung
1.1. Zielsetzung und Fragestellungen
1.2. Methoden und Material
2. Landschaft und kulturelles Erbe
2.1. Vom Begriff der Landschaft
2.2. Kulturlandschaft und Transformationen
2.2.1. UNESCO Cultural landscapes
2.2.2. Cultural landscape studies
2.2.3. Future landscapes
2.3. Projektionen auf Landschaften
2.3.1. Spirituelle Landschaften
2.3.2. Politische Landschaften
2.4. Vom Begriff des kulturellen Erbes
2.4.1. Materielles Kulturerbe
2.4.2. Immaterielles Kulturerbe
2.5. Spirituelle Landschaften als Kulturerbe
3. Die Kulturlandschaften Rügen, Hiddensee und Vilm
3.1. Lage und naturräumliche Gliederung im Ostseeraum
3.1.1. Die naturräumliche Gliederung der Inseln
3.1.2. Naturraumtypen und aktuelle Landnutzungen
3.2. Insellandschaften
3.2.1. Das materielle Kulturerbe der Inseln
3.2.1.1. Funktionsgruppe Siedlung
3.2.1.2. Funktionsgruppe Gewerbe
3.2.1.3. Funktionsgruppe Verkehr
3.2.1.4. Funktionsgruppe Kultur und Erholung
3.2.1.5. Funktionsgruppe Kult und Religion
3.2.2. Räumliche Verteilung kulturhistorischer Landschaftselemente
3.2.3. Dichte kulturhistorischer Landschaftselemente
3.2.4. Das immaterielle Kulturerbe der Inseln
3.2.5. Landschaftsstruktur
4. Spirituelle Landschaften auf Rügen, Hiddensee und Vilm
4.1. Hauptareale künstlerischer Aktivität
4.2. Qualifizierung spiritueller Landschaften
4.2.1. Ahemerobe Sukzession
4.2.2. Abiotische Dynamik
4.2.3. Animistische Projektionen
4.3. Landschaftsprozesse und Ressourcen
5. Zusammenfassung
Ziel der Arbeit ist es, die räumlichen Qualitäten der Inseln Rügen, Hiddensee und Vilm herauszuarbeiten, die für Bewohner und Gäste eine spirituelle, geistig erbauliche Identität stiften. Dabei wird erforscht, welche landschaftlichen Eigenarten für künstlerische Prozesse relevant sind und wie diese in den landschaftsplanerischen Diskurs integriert werden können.
2.3.1. Spirituelle Landschaften
Die Konstituierung einer Kulturlandschaft erfolgt auf der kognitiven, ästhetischen und emotionalen Bewusstwerdung über einen physischen Raum. Die geistige Auseinandersetzung mit einer Landschaft schafft eine Vorstellung über diese im Kopf: „Damit ist die spirituelle Landschaft gemeint. Sie ist ein gedankliches Abbild unserer Umweltwahrnehmung. Sie ist das Bild, das wir gemacht haben, indem wir uns als Wesen in Bezug zur umgebenden realen Landschaft wahrgenommen haben. Die spirituelle Landschaft zeigt uns auch, wie wir diese reale Landschaft „erobern“ und in Besitz nehmen wollen. Unter welchem Aspekt wir dieses Handeln, das urbar machen von Landschaft sehen. Eine spirituelle Landschaft besitzt nämlich immer Ordnungssysteme und Strukturen, je nach Entwicklungsstand (dieser Begriff soll hier wertfrei gelesen werden!) des Menschen. Einmal ist die Struktur schamanistisch geprägt, einmal ist sie aufklärerisch geprägt. Das hat Einfluss darauf, wie wir unserer Natur- und Kulturlandschaft begegnen und diese gestalten“ (WOHOFSKY 2008: 10-11).
Nun könnte angenommen werden, dass Menschen sich immer ein Bild über eine Landschaft machen, egal wo sie sind und aus welchem Lebensmilieu sie kommen und deshalb per se alle Landschaften spirituell sind. Auf der Suche nach den spirituellen Landschaften der Insel Rügen wird der Begriff abweichend von dieser allgemeinen Schlussfolgerung aber in einem engeren, hier eigens definierten Sinne gebraucht:
Die spirituelle Landschaft ist und/oder war für mindestens eine Kulturepoche ein physischer Raum (Thirdspace, Kulturlandschaft) und aufgrund seiner Eigenart (Sense of place/ genius loci) für mehrere Menschen inspirierende und dauerhafte Quelle für eine geistige Tätigkeit (input der Landschaftswahrnehmung), die eine auf die Landschaft bezogene und/oder nur in ihr praktizierbare Handlung evoziert (output der Landschaftswahrnehmung), welche nicht auf eine materielle Wertschöpfung, sondern eine geistige Wertschätzung der Landschaft abzielt. Das Ergebnis dieser Landschaftsreflektion kann sich sowohl in Ritualen, Traditionen und Bräuchen niederschlagen (immateriell), als auch in Werken der Kunst und Literatur, sowie in Architektur und Bauten (materiell), die nachweislich und vorrangig als Austragungsort von Spiritualität und damit verknüpfter Handlungen im Bezug auf die sie umgebende Landschaft dienen/ dienten.
1. Einführung: Definition der spirituellen Landschaft als mentale Ressource und Vorstellung der Forschungsziele im Untersuchungsgebiet Ostseeinseln.
2. Landschaft und kulturelles Erbe: Theoretische Herleitung des Kulturerbe-Begriffs und dessen Verknüpfung mit Wahrnehmungsprozessen der Kulturlandschaft.
3. Die Kulturlandschaften Rügen, Hiddensee und Vilm: Räumliche Charakterisierung des Untersuchungsgebiets mittels GIS-Analysen von kulturhistorischen Landschaftselementen und Ökotonen.
4. Spirituelle Landschaften auf Rügen, Hiddensee und Vilm: Kunsthistorische Analyse der Landschaftsmalerei zur Identifikation spiritueller Areale und deren Qualifizierung durch landschaftsökologische Prozesse.
5. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur spirituellen Bedeutung der Landschaft und Empfehlungen für den landschaftsplanerischen Schutz.
Spirituelle Landschaft, Kulturlandschaft, Kulturelles Erbe, Rügen, Hiddensee, Vilm, Landschaftsmalerei, Genius Loci, Landschaftsplanung, Geografisches Informationssystem, Ökotone, Landschaftswahrnehmung, Denkmalpflege, Naturraum, Sinnstiftung.
Die Arbeit untersucht das Konzept der spirituellen Landschaft als Teil des kulturellen Erbes auf den Inseln Rügen, Hiddensee und Vilm.
Im Zentrum stehen die Landschaftsplanung, die Kunstgeschichte der Landschaftsmalerei, kulturgeografische Ansätze zur Wahrnehmung von Raum sowie der Schutz des kulturellen und natürlichen Erbes.
Das Ziel ist ein landschaftsplanerischer Beitrag, der räumliche Identitätsmerkmale aufzeigt, welche für Bewohner und Gäste geistig erbaulich wirken und in Planungsprozesse einfließen können.
Die Arbeit kombiniert theoretische Konzepte (UNESCO-Kategorien, Cultural Landscape Studies) mit empirischen Analysen, insbesondere durch die Verschneidung von Kartierungsdaten aus GIS und kunsthistorischen Analysen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Landschaftsbegriffs, die naturräumliche Analyse der Inseln sowie die kunsthistorische Herleitung spiritueller Areale mittels Kartierung von Malmotiven.
Wichtige Begriffe sind Spirituelle Landschaft, Kulturlandschaft, Rügen, Hiddensee, Vilm, Landschaftsmalerei und Genius Loci.
Die Malerei dient als Nachweis für die kontinuierliche spirituelle Wertschätzung bestimmter Landschaftsausschnitte über einen Zeitraum von etwa 200 Jahren.
Die Arbeit erweitert den Fokus des Naturschutzes um die immaterielle Dimension der "geistigen Wertschöpfung" durch den Menschen, statt sich nur auf biologische oder ökonomische Produktivität zu beschränken.
Sie dienen als konkrete Fallstudien, da sie einerseits eine ausgeprägte Tradition in der Landschaftsmalerei aufweisen und andererseits durch ihre naturräumliche Vielfalt ein breites Spektrum an "kulturlandschaftlichen" Szenarien bieten.
Vilm wird aufgrund seines außergewöhnlichen, durch Prozessschutz ungestörten Gesamteindrucks als eine der bedeutendsten spirituellen Landschaften der Region herausgestellt.
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