Magisterarbeit, 2009
205 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung - Linguistik und Soziologie
1.1 Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes und Begriffsfindung
1.2 Historie
1.3 Methodisches Vorgehen
2 Linguistische Analyse in Tradition der pragmatischen Stilanalyse
2.1 Korpora
2.2 Spreadshirt.de – (Abb. 1 – 360)
2.3 Emp.de – (Abb. 361 – 513)
2.4 Frontrecords.com – (Abb. 520 – 580)
2.5 Annotation und linguistische Kategorien
2.6 Schwierigkeiten der Annotation
2.7 Allgemeine Ergebnisse zur linguistischen Bestimmung von Kleidungstexten
2.7.1 Morphosyntax
2.7.1.1 Die Wortanzahl in Kleidungstexten
2.7.1.2 Wortartenverteilung
2.7.1.3 Wortartenverteilung interkorporal
2.7.2 Syntax
2.7.2.1 Englischsprachigkeit
2.7.2.2 Bildkategorien im Häufigkeitsvergleich
2.7.3 Gemeinsamkeiten zwischen den Korpora
3 Theoretisches Modell des Kleidungstextes
3.1 Forschungstradition
3.2 Grundlagen zur Beschreibung des Kleidungstextes
3.2.1 Struktur und Handeln
3.2.2 Regeln und Regelmäßigkeiten
3.2.3 Rechtfertigung von den traditionellen Textfunktionen abzusehen
3.2.4 Die Theorie der Geltungsansprüche nach Jürgen Habermas
3.2.5 Intermedialität
3.2.5.1 Sprachliche Zeichen
3.2.5.2 Kleidung
3.2.5.3 Körper
4 Informationsmanagement
4.1 Regelmäßigkeiten - unbewusste psychische Dispositionen
4.1.1 Stroop-Effekt
4.1.2 Wortüberlegenheitseffekt
4.1.3 Phonemische Restauration
4.1.4 Prinzip der unmittelbaren Interpretation
4.1.5 Spotlight-Metapher
4.1.6 Fundamentaler Attributionsfehler
4.2 Regelmäßigkeiten – Ressourcenverteilungen
4.2.1 Allgegenwart und mediale Ungebundenheit sprachlicher Zeichen
4.2.1.1 Drucktechniken
4.3 Regeln
4.3.1 Vagheit der Sprache
4.3.2 Regelgeleitete Sprachkompetenz
4.3.3 Kreative Sprachkompetenz
4.3.4 Spiele
4.3.4.1 Sprachspiele
4.3.4.2 Spielraum auf Kleidungsstücken
4.3.4.2.1 Form und Funktion
4.3.4.2.2 Unterdeterminiertheit
4.3.5 Neugiermotivationstheorie
4.3.6 Rollen
4.3.7 Kleidungstext – ein Kommunikationsmedium
5 Identitätsmanagement
5.1 Genese moderner Identität
5.2 Identitätsbildung als offener Prozess
5.2.1 Unsicherheit
5.3 Identität als kommunikativer Prozess
5.3.1 Der narrative Charakter der Identität
5.3.2 Der Körper als Medium der Selbstnarration
5.3.3 Kleide dich, dass ich dich sehe
5.3.4 Rede, dass ich dich sehe
5.4 Warum und wie mit Kleidungstexten Identitätsmanagement betrieben wird
5.4.1 Offenheit & Differenziertheit
5.4.2 Reflexivität und Individuiertheit
5.4.3 Entschleunigung der Zeicheninflation
5.4.4 Ein zweiseitiger Prozess
5.4.5 Der Wettkampf um die individuellste Identität
5.4.5.1 Die Hyperbel
5.4.5.2 Ironie, Selbst- und Fremdbeleidigung
5.4.5.3 Polysemie
5.4.5.4 Intertextualität
5.4.5.5 Vulgarismen
5.4.5.6 Semantische Stilmittel
5.4.5.7 Graphostilistische Mittel
5.4.5.8 Ellipsen und Zäsuren
5.4.6 Themen
5.4.7 Die spezifische Kommunikationssituation von Kleidungstexten
5.4.7.1 Die Situation - Ein Ort zu Sagen ohne zu Sagen
5.4.7.1.2 Verstecken – Gesicht wahren
5.4.7.2 Kleidungstexte begünstigen die Idealisierung des Selbst
5.4.7.3 Definitionsmacht des Rezipienten - Kommunikation trotz Distanz
5.4.7.4 Superiorität der Anfangssituation
5.4.7.5 Taktgefühl des Publikums
6 Beziehungsmanagement
6.1 Identität und Gesellschaft, Ab- folgt Angrenzung
6.1.1 Ab- und Angrenzung mit Kleidung durch Nachahmung
6.2 Beziehungen unterschiedlicher Qualität
6.3 Die vernetzte Welt - Zugehörigkeit nicht Verbundenheit
6.3.1 Kollektive Schemata - Großgruppen
6.4 Kleingruppen und Vereine
6.5 Fans
6.6 Szenen
6.6.1 Rechtsextreme Kleidungstexte
6.7 Welche sprachlichen Vorkommnisse dem Beziehungsmanagement dienen
6.7.1 Verteilung der Personalpronomen
6.7.2 Indexikalität
6.7.3 Intertextualität
6.7.3.1 Verteilung der Intertextualitätsmodi
7 Zusammenfassung
8 Tabellen
8.1 Morphosyntaktische Aspekte im interkorporalen Vergleich
8.2 Typographische Stilmittel im interkorporalen Vergleich
8.3 Semantische Stilmittel im interkorporalen Vergleich
8.4 Kreuztabellen
9 Literaturverzeichnis
9.1 Beitrag in …
9.2 Internetdokument
9.3 Monographie
9.4 Sammelwerk
9.5 Zeitschriftenaufsatz
9.6 Zeitungsartikel
10 Anhang
Die Magisterarbeit untersucht die kommunikative Funktion sprachlicher Zeichen auf Kleidungsstücken, die der Verfasser als "Kleidungstext" (KT) definiert. Das Hauptziel besteht darin, das Potenzial dieser hybriden Medienform innerhalb moderner gesellschaftlicher Kontexte zu analysieren und zu verstehen, wie handelnde Subjekte mittels Kleidungstexten Identitäts- und Beziehungsmanagement betreiben.
4.1.1 Stroop-Effekt
Der Stroop-Effekt ist eine Automatisierung, die durch Übung entsteht. „Mit steigender Übung wird eine Aufgabe zunehmend automatisiert und erfordert dadurch bei ihrer Ausführung immer weniger zentrale Kognition.“ (ebd., 122) Das Agieren mit Sprache, also auch das Lesen, ist einer jener Prozesse, die der Mensch stark automatisiert hat. „Automatische Prozesse zeichnen sich nicht nur dadurch aus, dass sie wenig oder keine zentrale Kognition erfordern, es scheint darüber hinaus auch so zu sein, dass die Ausführung nur schwer verhindert werden kann. Ein gutes Beispiel ist die Worterkennung bei geübten Lesern. Es ist praktisch unmöglich, ein bekanntes Wort zu sehen und es nicht zu lesen.“ (ebd., 122–123) Dies demonstrierte J. Ridley Stroop (1935), indem er Probanden die Aufgabe stellte, die Druckfarbe unter anderem auch von Farbadjektiven zu nennen. Bei den Farbadjektiven kam es oft zu Verzögerungen und Fehlern. Für die Probanden schien es schwieriger anzugeben, dass die Farbe des Wortes blau rot sei: „das dargebotene Farbwort setzt sich gegen die zu benennende Druckfarbe durch“ (ebd., 122–123). „Das Lesen ist ein derart automatisierter Prozess, dass es den Probanden oft unmöglich ist, das Lesen eines Wortes zu unterdrücken, obwohl sie instruiert wurden, nicht das Wort zu lesen, sondern die Farbe zu nennen.“ (ebd., 122–123) Wenn Menschen ein Wort wahrnehmen, haben sie es also in der Regel schon längst gelesen. Dies verleiht dem KT einen aufdringlichen Charakter, da durch die öffentliche Darstellung sprachlicher Zeichen auf relativ großen Flächen menschlicher Körper die Passanten im Falle der Wahrnehmung gar nicht umhin kommen, die jeweilige Botschaft aufzunehmen. Die Werbeindustrie setzt stark auf diesen Effekt, was daran zu erkennen ist, dass dort, wo Menschen stehen, immer Werbetexte zu finden sind.
1 Einleitung - Linguistik und Soziologie: Diese Einleitung führt in das Phänomen der "Kleidungstexte" ein und positioniert sie als bisher unerforschtes, aber gesellschaftlich relevantes Kommunikationsphänomen an der Schnittstelle von Linguistik und Soziologie.
2 Linguistische Analyse in Tradition der pragmatischen Stilanalyse: Das Kapitel stellt die empirische Untersuchung von drei verschiedenen Korpora vor, um allgemeine linguistische Merkmale von Kleidungstexten durch Häufigkeitsanalysen zu bestimmen.
3 Theoretisches Modell des Kleidungstextes: Hier wird ein theoretischer Rahmen entwickelt, der Kleidungstexte als komplexes intermediales Phänomen betrachtet, das auf menschlichem Handeln, Symbolen und Geltungsansprüchen basiert.
4 Informationsmanagement: Dieses Kapitel untersucht, wie Kleidungstexte als Strategie in der Informationsgesellschaft dienen, um trotz Informationsüberflutung zentrale Botschaften effizient zu rahmen und zu übermitteln.
5 Identitätsmanagement: Der Fokus liegt hier auf der Rolle von Kleidungstexten als Werkzeuge zur Selbstinszenierung und zur Konstruktion einer modernen, reflexiven Identität in einem offenen Prozess.
6 Beziehungsmanagement: Dieses Kapitel analysiert, wie durch Kleidungstexte Gruppenzugehörigkeit signalisiert und soziales Kapital in vernetzten Strukturen oder Szenen mobilisiert wird.
Kleidungstext, Linguistische Pragmatik, Intermedialität, Identitätsmanagement, Beziehungsmanagement, Informationsmanagement, Symbolischer Interaktionismus, Soziolinguistik, Epistemische Neugier, Geltungsansprüche, Symbolisches Kapital, Textsorte, Diskurs, Sprache und Kleidung, Zeichentheorie.
Die Arbeit untersucht das kommunikative Potenzial sprachlicher Zeichen, die auf Kleidungsstücken angebracht sind – vom Verfasser als "Kleidungstexte" bezeichnet – und analysiert deren Funktion als modernes Kommunikationsmedium.
Die zentralen Felder umfassen das Informationsmanagement, die Identitätsbildung sowie die Gestaltung von Beziehungen innerhalb einer vernetzten Gesellschaft.
Ziel ist es, die bisher unerforschte soziologische und linguistische Rolle von Kleidungstexten offenzulegen und zu erklären, warum und wie handelnde Menschen diese zur bewussten Kommunikation einsetzen.
Die Untersuchung ist explorativ und kombiniert eine linguistische Korpusanalyse (Stilanalyse) mit handlungstheoretischen Ansätzen, insbesondere dem symbolischen Interaktionismus und Jürgen Habermas' Theorie der Geltungsansprüche.
Der Hauptteil gliedert sich in eine linguistische Bestandsaufnahme der Stilmittel, die Konstruktion eines theoretischen Modells und eine detaillierte Untersuchung der drei Anwendungsbereiche Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement.
Wichtige Begriffe sind Kleidungstext, Identitätsmanagement, Intermedialität, Geltungsansprüche, soziale Identität und symbolisches Kapital.
Der Körper fungiert als notwendiges Trägermedium, das eine spezifische "parasprachliche Information" liefert und den Kontext des Textes durch die physische Präsenz und Haltung des Trägers maßgeblich modifiziert.
Da in der flüchtigen Öffentlichkeit kaum Aushandlungsprozesse stattfinden, liegt die Interpretationsmacht weitgehend beim Rezipienten, der den Kleidungstext auf Basis seiner eigenen Wahrnehmung und des "Thomas-Theorems" als real definiert.
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