Masterarbeit, 2008
48 Seiten, Note: 2,0
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1. Einleitung
2. Methodisches Vorgehen
3. Betrachtung des Textes
3.1 Kind- und Jugendgemäßheit in thematischer Hinsicht
3.2 Kind- und Jugendgemäßheit in inhaltlicher Hinsicht
3.3 Kind- und Jugendgemäßheit in sprachlicher Hinsicht
3.4 Kind- und Jugendgemäßheit auf paratextueller Ebene
3.5 Kind- und Jugendgemäßheit in formaler und gattungsmäßiger Hinsicht
3.6 Kind- und Jugendgemäßheit in normativer Hinsicht
4. Textanalyse
4.1 Kind- und Jugendgemäßheit in thematischer Hinsicht
4.2 Kind- und Jugendgemäßheit in inhaltlicher Hinsicht
4.3 Kind- und Jugendgemäßheit in sprachlicher Hinsicht
4.4 Kind- und Jugendgemäßheit auf paratextueller Ebene
4.5 Kind- und Jugendgemäßheit in formaler und gattungsmäßiger Hinsicht
4.5.1. Erzählsituation
4.5.2 Handlungsstruktur
4.5.3. Zeitstruktur
4.6 Kind- und Jugendgemäßheit in normativer Hinsicht
5. Zwischenfazit
6. Betrachtung der Lerngruppe
6.1. Voraussetzungen
6.1.1. Konzepte der kindlichen Entwicklung
7. Konsequenzen
7.1 Einflüsse der Stufentheorie und der Entwicklungspsychologie auf die Kinder- und Jugendliteratur
7.2 Thema Holocaust in den Bildungsstandards verschiedener Schularten
7.3 Textgeeignetheit und Textattraktivität für die Planung von Unterricht
8. Fazit
Diese Arbeit untersucht die Eignung von John Boynes „Der Junge im gestreiften Pyjama“ für die von Verlagen empfohlene Altersgruppe ab zwölf Jahren. Dabei wird kritisch analysiert, ob der Text hinsichtlich seiner Thematik, Sprache und formalen Struktur kind- bzw. jugendgemäß ist oder ob das komplexe Thema Holocaust ein höheres Alter sowie begleitende schulische Aufarbeitung voraussetzt.
4.1 Kind- und Jugendgemäßheit in thematischer Hinsicht
Thema der Erzählung ist, meines Erachtens, die Kindheit zur Zeit des Holocausts. Die Sicht auf den Bezug zum Holocaust bleibt jedoch dem erwachsenen bzw. jugendlichen Leser vorbehalten. Dem kindlichen Leser wird an keiner Stelle explizit verständlich und deutlich gemacht, um welche Rahmenbedingungen es sich eigentlich handelt. Der Leser wird, wie Bruno, auch im Dunkeln und Ungewissen gelassen, was sich neben dieser Freundschaft zwischen Bruno und Schmuel tatsächlich abspielt. Bruno wird als Junge dargestellt, der keine Ahnung hat, was sich in seinem Land zu dem Zeitpunkt des Wohnortwechsels ereignet. Er weiß noch nicht einmal, was sein Vater, der immer eine phantastische Uniform trägt, eigentlich von Beruf ist. Den erwachsenen Lesern ist es möglich, zwischen den Zeilen zu lesen, aber den kindlichen Lesern bleiben, genau wie Bruno, alle Vorgänge rätselhaft und unverständlich. Diese Darstellung zeigt, dass das Thema als fern vom präsumtiven Leser und seiner Lebenswelt eingestuft werden kann.
Das Thema Holocaust beeinflusst und interessiert Kinder als präsumtive Leser eher nicht, da sie persönlich von den Vorgängen und Auswirkungen dieser Zeit vermutlich noch nichts gehört haben. Es ist also unzweifelhaft die Auffassung des Autors, dass sich die kindlichen Leser mit diesem Thema auseinandersetzen sollen. Hier könnte Boyne in die Kritik geraten, da er als Ire einen ganz anderen Blick und eine andere Verbindung zu dem Thema Holocaust hat als zum Beispiel ein deutscher Staatsbürger. Das Thema Holocaust ist ein für Deutschland schwieriges und trauriges Thema, gerade deshalb bedarf es bei Kindern einer besonderen Aufbereitung dieser Zeit und einer Auseinandersetzung mit dem Thema. Da Boyne nie genau sagt, um welche Zeit es sich handelt und er durch Bruno den Leser unwissend lässt, bleibt dieses Verständnis und die Auseinandersetzung nur den Lesern vorbehalten, die über ein gewisses Hintergrundwissen verfügen und mit den von Boyne gewählten Wörtern, wie „Furor“ für Führer und „Aus-Wisch“ für Auschwitz, etwas anfangen können.
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Altersempfehlung des Fischer-Verlags und stellt die Forschungsfrage nach der kind- bzw. jugendgemäßen Eignung von „Der Junge im gestreiften Pyjama“ unter Einbeziehung theoretischer Hintergründe.
2. Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel erläutert den analytischen Ansatz der Arbeit, die sich auf Hans-Heino Ewers stützt, um durch ein Prüfraster die Kind- und Jugendgemäßheit anhand von Textverständlichkeit und Textattraktivität zu bewerten.
3. Betrachtung des Textes: Hier werden theoretische Kategorien zur Analyse von Kinder- und Jugendliteratur definiert, darunter thematische, inhaltliche, sprachliche, paratextuelle, formale und normative Kriterien.
4. Textanalyse: Das Herzstück der Arbeit wendet das zuvor erstellte Prüfraster detailliert auf John Boynes Werk an, wobei insbesondere die Perspektive des Protagonisten Bruno und deren Auswirkungen auf das Verständnis des Holocaust untersucht werden.
5. Zwischenfazit: Auf Basis der Textanalyse wird festgehalten, dass die Altersempfehlung ab zwölf Jahren aufgrund der thematischen Komplexität und der notwendigen geschichtlichen Vorkenntnisse kritisch hinterfragt werden muss.
6. Betrachtung der Lerngruppe: Dieses Kapitel verknüpft die Textanalyse mit entwicklungspsychologischen Modellen (Piaget, Kohlberg) und Entwicklungsaufgaben nach Hurrelmann, um die Voraussetzungen der Leserschaft zu klären.
7. Konsequenzen: Hier werden die didaktischen Folgen abgeleitet, wobei die Eignung des Buches im Kontext der Bildungsstandards und des Deutschunterrichts kritisch diskutiert wird.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass das Buch für den Unterricht in der 9./10. Klasse geeignet ist, jedoch eine begleitende Aufarbeitung durch Lehrkräfte zwingend erfordert.
Holocaust, Jugendliteratur, Kindgemäßheit, Jugendgemäßheit, John Boyne, Der Junge im gestreiften Pyjama, Textanalyse, Rezeption, Literaturdidaktik, Entwicklungspsychologie, Geschichtsbewusstsein, Lesekompetenz, Fabel, Unterrichtsplanung, Schullektüre
Die Arbeit untersucht kritisch, ob der Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne inhaltlich und sprachlich für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren geeignet ist, wie es der Verlag empfiehlt.
Im Zentrum stehen die Kind- und Jugendgemäßheit in der Literatur, die didaktische Vermittlung des Holocaust, die Erzählperspektive sowie die entwicklungspsychologischen Voraussetzungen junger Leser.
Die Autorin geht der Frage nach, ob eine zwölfjährige Leserschaft ohne historisches Vorwissen in der Lage ist, den Text in seiner Tiefe und den Kontext des Holocaust korrekt zu erfassen.
Es wird ein Prüfraster auf Basis der Kriterien von Hans-Heino Ewers zur „Literatur für Kinder und Jugendliche“ erstellt, mit dem der Text systematisch auf Verständlichkeit und Attraktivität untersucht wird.
Neben einer detaillierten Textanalyse hinsichtlich Erzählweise, Zeitstruktur und Sprache erfolgt eine Analyse der Zielgruppe anhand von Stufentheorien zur kognitiven und moralischen Entwicklung (Piaget, Kohlberg).
Wichtige Begriffe sind Holocaust, Jugendgemäßheit, Literaturdidaktik, Textanalyse, Lesepsychologie und Schullektüre.
Die Autorin argumentiert, dass der Roman aufgrund der naiven Erzählperspektive von Bruno wichtige historische Kontexte verschleiert, die für eine zwölfjährige Leserschaft ohne begleitenden Unterricht kaum erschließbar sind.
Das Buch wird als wertvoll für den Deutsch- und Geschichtsunterricht angesehen, jedoch explizit erst für Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klasse, da das Thema eine parallele historische Aufarbeitung erfordert.
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