Magisterarbeit, 2009
70 Seiten, Note: 3
1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit
2. Titeldeutung und Unkenmetaphorik
3. Erzählsituation
4. Die Deutsche Frage bei Günter Grass
4.1 Deutsche Schuld
4.2 Wiedervereinigung Deutschlands
4.3 Literatur im Dienste der Aufklärung der Menschen
5. Verlorene Heimat – Danzig/Gdańsk
5.1 Historischer Hintergrund
5.2 Heimatverlust bei Grass
6. Zur Frage der Vertreibungen
7. Deutsch-Polnischer Versöhnungsfriedhof
7.1 Gedankliche Vorgabe des Versöhnungsfriedhofs
7.2 Entstehungsgeschichte
7.3 Bedeutungsgehalt des völkerversöhnenden Friedhofes
7.4 Die Realisierung der völkerversöhnenden Idee
7.5 Litauische Komponente
7.5.1 Historischer Hintergrund
7.5.2 Die litauische Komponente des Projekts
7.6 Das Scheitern
7.6.1 Kapitalistische Marktwirtschaft als Folge der deutschen Wiedervereinigung
7.6.1.1 Politische und gesellschaftliche Situation in Polen um die Wende 1989/90
7.6.1.2 Die Deutsche Einheit in den Augen von Günter Grass
7.6.1.3 Die verheerende Macht des Kapitalismus in Unkenrufe
7.6.2 [Un]aufhebbarkeit der geschichtlichen Tatsachen
7.7 Revanchismus
8. Eine alternative Zukunft
9. Deutsch-polnische Annäherung und ihre Folgen
9.1 Die Liebesgeschichte der Protagonisten – persönliche Annäherung auf dem Weg zur Versöhnung
9.2 Stereotype Charakterkonstellation
9.3 Annäherung auf der offiziellen Ebene
Die vorliegende Arbeit untersucht den literarischen Versöhnungsversuch in Günter Grass' Erzählung "Unkenrufe" durch die Gründung einer deutsch-polnischen Friedhofsgesellschaft. Dabei wird analysiert, inwiefern die humane Idee der Völkerversöhnung durch historische Vorbelastungen und ökonomische Mechanismen scheitert, wobei die Liebesgeschichte der Protagonisten als privater Annäherungsprozess im Kontrast zu offiziellen Entwicklungen steht.
Die Deutsche Frage bei Günter Grass
Ich habe auch nie an diese neue deutsche Wortschöpfung der fünfziger Jahre von der 'Bewältigung der Vergangenheit' geglaubt. Ich glaube, daß das nicht zu bewältigen ist. Es muß im Gespräch bleiben, es gehört zu unserer Geschichte. Wenn man es positiv deuten will, gehört Auschwitz zu unserer Identität. Es ist aus unserem nach wie vor ja sehr unsicheren Bemühen, uns als Deutsche zu definieren, nicht wegzudenken.
Der Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung Grass’ mit der sog. ‚deutschen Frage‘ sind die Verbrechen aus der Zeit des Nationalismus. Daher bilden die Themen wie Totalität, Auschwitz – „bleibendes Brandmal unserer Geschichte“ –, die Problematik des Vergessens, der Verantwortung und die der deutschen Schuld den Kern seiner literarischen Tätigkeit. Nach vielen Jahren in dem Glauben, dass die Vergangenheit durchs Sprechen und Schreiben bewältigt werden könnte, kommt Grass zur Überzeugung:
Das wird nicht aufhören, gegenwärtig zu bleiben; unsere Schande wird sich weder verdrängen noch bewältigen lassen; die zwingende Gegenständlichkeit dieser Fotos – die Schuhe, die Brillen, Haare, die Leichen – verweigert sich der Abstraktion, Auschwitz wird, obgleich umdrängt von erklärenden Wörtern, nie zu begreifen sein.
Der Schriftsteller sieht sich selbst als einen Mitverantwortlichen, leidet darunter und empfindet es als persönliche Last, was man sehr deutlich seinen Werken und seinem politischen Engagement ablesen kann.
1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit: Einführung in das Thema der deutsch-polnischen Annäherung und Ziel der Untersuchung des Scheiterns der Friedhofs-Idee.
2. Titeldeutung und Unkenmetaphorik: Analyse der symbolischen Bedeutung der Unke als Unheilsbote und Element der Zeitverwirrung.
3. Erzählsituation: Untersuchung der Erzählstruktur, die den Leser am Rekonstruktionsprozess der Geschichte teilhaben lässt.
4. Die Deutsche Frage bei Günter Grass: Erörterung von Schuld, Wiedervereinigung und der Verantwortung des Autors in seinem Werk.
5. Verlorene Heimat – Danzig/Gdańsk: Darstellung des Heimatverlusts als zentralen Antrieb für die Friedhofsgesellschaft.
6. Zur Frage der Vertreibungen: Historischer Kontext der Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg.
7. Deutsch-Polnischer Versöhnungsfriedhof: Analyse der Entstehung, des Scheiterns und der Kommerzialisierung des Versöhnungsprojekts.
8. Eine alternative Zukunft: Untersuchung der Nebenhandlung um das Rikscha-Unternehmen als Symbol für einen zukunftsorientierten, multikulturellen Weg.
9. Deutsch-polnische Annäherung und ihre Folgen: Zusammenführende Betrachtung der persönlichen und offiziellen Ebenen der Versöhnung.
Günter Grass, Unkenrufe, Versöhnungsfriedhof, deutsch-polnische Beziehungen, Vertreibung, Danzig, deutsche Schuld, Vergangenheitsbewältigung, Heimatverlust, Kapitalismus, Wiedervereinigung, Völkerversöhnung, Stereotype, Erinnerungskultur, Fiktion.
Die Arbeit analysiert Günter Grass' Erzählung "Unkenrufe" und den darin beschriebenen gescheiterten Versuch, durch eine Friedhofsgesellschaft ein Zeichen der deutsch-polnischen Versöhnung zu setzen.
Die zentralen Themen sind die historische Schuld, der Verlust der Heimat durch Vertreibung, die Schwierigkeiten der Versöhnung sowie die zerstörerische Kraft des Kapitalismus.
Das Ziel ist es, die Gründe für das Scheitern des Friedhofsprojekts darzulegen und aufzuzeigen, wie Grass die Verflechtung von Geschichte, Wirtschaft und individuellem Schicksal literarisch verarbeitet.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text unter Berücksichtigung historischer Hintergründe und fachspezifischer Interpretationen untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Erzählstruktur, der Bedeutung von Metaphern wie der Unke, den historischen Hintergrund von Danzig und die detaillierte Darstellung des Scheiterns des Friedhofsprojekts.
Begriffe wie Versöhnungsfriedhof, Schuld, Vertreibung, Danzig und das ironische Spiel mit Stereotypen sind maßgeblich für die Arbeit.
Sie dient als notwendiger Gegenentwurf zum Totenkult des Friedhofs und repräsentiert eine zukunftsorientierte, multikulturelle Perspektive.
Das Ende, ein tödlicher Autounfall, markiert das endgültige Scheitern der Versöhnungsutopie, die in der Realität der Geschichte nicht bestehen kann.
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