Bachelorarbeit, 2020
102 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Einführung in die Gender Studies
2.1 Die Anfänge: Frauenbewegung und Feminismus
2.2 Simone de Beauvoirs Das andere Geschlecht
2.3 sex/gender-Unterscheidung und der Postfeminismus
2.4 Judith Butlers Gender Trouble
2.4.1 Die heterosexuelle Matrix
2.4.2 Diskurse und performative Akte
2.4.3 Geschlecht als Imitation ohne Original
2.5 Queer und Men’s Studies
3. „Kommt erst mein Prinz zu mir…“ – Schneewittchen, eine passive Prinzessin, die auf ihren Retter wartet
4. „Du bist ein Mortzkerl! Mehr oder weniger…“ – Fa Mulan, eine Kriegerin in einer Männer-dominierten Welt
5. „Ich lass los, lass jetzt los“ – Das neue Konzept der Weiblichkeit und Männlichkeit in Die Eiskönigin
6. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Darstellung von Geschlechterrollen in ausgewählten Disney-Filmen vor dem Hintergrund der Gender Studies, um zu analysieren, wie sich weibliche und männliche Rollenbilder von klassischen zu zeitgenössischen Produktionen verändert haben.
1. Einleitung
Disney ist überall: Seien es Kinderspielzeuge, Kostüme, Video- und Brettspiele oder natürlich die weltberühmten Zeichentrickfilme. Schneewittchen und ihren Prinzen als Puppe, Mickey Mouse als Stofftier oder ein rosa Dornröschen-Kostüm – Alles Produkte, die aus den Disney-Filmen nachgebildet wurden, damit sich die Kinder ihren Helden ganz nah fühlen oder sogar so aussehen können wie sie. Kaum ein Kind, noch ein Erwachsener, kann sich der Walt Disney Company entziehen. Der kommerzielle Erfolg Disneys zeigt deutlich die Macht und den Einfluss, den die Company auf das gesellschaftliche Leben besitzt. Wie viele andere kleine Mädchen habe auch ich mir früher immer vorgestellt, eine wunderschöne Prinzessin zu sein, die von ihrer wahren Liebe, einem gutaussehenden, heldenhaften Prinzen, aus einer verzwickten Lage gerettet wird.
Doch eines Tages, als ich älter wurde und angefangen habe, gewisse Dinge zu hinterfragen, mussten auch meine geliebten Disney-Filme dran glauben. Erst dann wurde mir so richtig bewusst, dass Disney mehr tut, als bloß seine Zuschauerschaft zu unterhalten. Und da ich mich außerdem besonders für das Themengebiet der Geschlechterforschung interessiere, stellte ich mir diesbezüglich folgende Fragen: Welche Werte vermitteln die Filme in Bezug auf die Geschlechter? Welche geschlechtlichen Rollenbilder, -Erwartungen und -Aufgaben werden dargestellt und vor allem wie? Gibt es – insbesondere bei den Prinzessinnen-Filmen – ein ganz bestimmtes Muster, welches Disney auf die Protagonisten anwendet wird? Disney veröffentlichte seinen ersten abendfüllenden Film im Jahre 1937 und bis heute kommen regelmäßig Disney-Produktionen in die Kinos. Doch hat sich Disney im Laufe der Zeit den gesellschaftlichen Entwicklungen in Bezug auf die Gender Studies angepasst?
Warum das so wichtig ist, kann man sich durch eine genauere Betrachtung der wesentlichen Zielgruppe herleiten: Diese stellen nämlich vor allem Kinder dar. „For children, Disney is a wish-landscape that combines fantasy, fun, and the opportunity to enter into a more colorful and imaginary world.“ Wie auch ich damals erfreuen sich bis heute Millionen von Kindern an den Filmen, nehmen sich die Protagonisten zum Vorbild und die vermittelten Werte sowie Normen brennen sich in ihre Köpfe ein. Kinder identifizieren und vergleichen sich mit den Charakteren und ahmen ihre Aktionen teilweise nach. Die Zeichentrickfilme helfen ihnen dabei, zwischen Gut und Böse, zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden und auf Grundlage dessen moralische Entscheidungen zu treffen. Deshalb kommt Disney damit eine riesige Verantwortung zu, die gesellschaftlichen Werte und Normen zu vermitteln, damit Kinder zu gesellschaftsfähigen, sozialen Menschen heranwachsen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwart von Disney-Produkten und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Vermittlung von Geschlechterrollen an Kinder.
2. Einführung in die Gender Studies: Dieses Kapitel gibt einen grundlegenden Überblick über die Entwicklung der Frauenbewegung, das Werk von Simone de Beauvoir sowie die zentralen Theorien von Judith Butler.
3. „Kommt erst mein Prinz zu mir…“ – Schneewittchen, eine passive Prinzessin, die auf ihren Retter wartet: Das Kapitel analysiert die traditionellen, passiven Rollenbilder im ersten abendfüllenden Disney-Film von 1937.
4. „Du bist ein Mortzkerl! Mehr oder weniger…“ – Fa Mulan, eine Kriegerin in einer Männer-dominierten Welt: Die Untersuchung konzentriert sich auf Identitätsfragen und Rollentausch in Mulan als Reaktion auf feministische Diskurse.
5. „Ich lass los, lass jetzt los“ – Das neue Konzept der Weiblichkeit und Männlichkeit in Die Eiskönigin: Das Schlusskapitel der Filmanalyse betrachtet moderne Ansätze der Selbstbestimmung und Geschwisterliebe in "Die Eiskönigin".
6. Fazit: Das Fazit fasst die Entwicklung Disneys von klassisch-patriarchalen Strukturen hin zu moderneren, postfeministischen Ansätzen zusammen.
Gender Studies, Feminismus, Disney, Geschlechterrollen, Judith Butler, Simone de Beauvoir, Schneewittchen, Mulan, Die Eiskönigin, Heterosexualität, Performativität, Männlichkeit, Weiblichkeit, Identitätskonstruktion, Postfeminismus
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Geschlechterrollen in drei ausgewählten Disney-Filmen ("Schneewittchen", "Mulan" und "Die Eiskönigin") im Vergleich mit den Theorien der Gender Studies.
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen der Geschlechterforschung, die Analyse filmischer Gestaltungsmittel zur Rollendarstellung sowie die gesellschaftliche Bedeutung der vermittelten Werte.
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit Disney gesellschaftliche Entwicklungen in Bezug auf Gender Studies reflektiert und ob sich die Darstellung von Männlichkeit und Weiblichkeit über die Jahrzehnte hinweg verändert hat.
Es handelt sich um eine text- und filmanalytische Untersuchung, die auf Basis feministischer Fachliteratur und der Diskurstheorie (insbesondere von Judith Butler) durchgeführt wird.
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Analyse der Filme unter Einbeziehung von Liedtexten und filmischen Gestaltungsmitteln wie Kameraeinstellungen, um die Entwicklung vom passiven zum aktiven Frauenbild aufzuzeigen.
Die wichtigsten Begriffe sind Gender Studies, Geschlechterrollen, Feminismus, Heteronormatvität und die Dekonstruktion von Geschlecht als soziales Konstrukt.
Mulan durchbricht durch ihr Handeln (den Rollentausch in der Armee) viele klassische Rollenklischees, bleibt jedoch innerhalb ihres kulturellen Kontextes stark patriarchalisch geprägten Anforderungen unterworfen.
Der Film wird als postfeministisches Beispiel gewertet, da er den Fokus von der romantischen Liebe (dem passiven Warten auf einen Prinzen) hin zur selbstlosen Geschwisterliebe und weiblicher Selbstfindung verschiebt.
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