Examensarbeit, 2008
78 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Das Geschlecht als soziales Konstrukt
1.1 Das Geschlecht und sein biologischer Körper
1.2 Die gesellschaftliche Produktion des Geschlechterunterschieds
1.2.1 Das Geschlecht als biologisch gestützte Strukturkategorie der Gesellschaft
1.2.2 Die interaktive Produktion des Geschlechts
1.3 Das Geschlecht als sozialisationstheoretisch relevante Klassifikation?
1.4 Schlussbemerkung
2. Das Geschlecht als Zuschreibungskategorie im Schulsystem
2.1 Die Verteilung der Geschlechter im Schulsystem
2.2 Die Konstruktion des Geschlechts in Schulbüchern
2.3 Die Schulleistungen und Interessen der Geschlechter
2.4 Die Erzeugung geschlechtertypischen Wissens in schulischen Interaktionsprozessen
2.5 Schlussbemerkung
3. Das Programm einer geschlechtersensiblen Schule
3.1 Konzeption geschlechtersensibler Richtlinien
3.2 Konkretisierung pädagogischer Praxis in der geschlechtersensiblen Schule
3.3 Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Geschlecht als soziales Konstrukt und dessen Wirkmächtigkeit innerhalb des Schulsystems, mit dem Ziel, den normierenden Einfluss biologischer Zuschreibungen auf die Identitätsbildung aufzuzeigen und Ansätze für eine geschlechtersensible pädagogische Praxis zu formulieren.
1.2.2 Die interaktive Produktion des Geschlechts
In der Interaktion bringt sich jeder Akteur als Körper ein, erkennt, interpretiert andere über deren Körperlichkeit, was einen körperlosen Zustand des Subjekts soziologisch unhaltbar macht. In seiner Körperlichkeit ist es nicht nur Rezipient äußerer Einflüsse, sondern besitzt eigene Ressourcen zur Gestaltung der sozialen Wirklichkeit. Es ist nicht nur Kopf, Sitz der Vernunft, ebenso auch agierender Leib. Dabei ist die klassische Trennung in Körper und Geist, der sogenannte cartesianische Dualismus zugunsten eines integrativen, ganzheitlichen Modells aufzulösen.
Produzent von Gesellschaft (H.i.O.) ist der menschliche Körper dergestalt, dass soziales Zusammenleben und soziale Ordnung entscheidend von der Körperlichkeit sozial handelnder Individuen beeinflusst sind: Insofern soziale Wirklichkeit aus sozialem Handeln resultiert und soziales Handeln immer körperliches Handeln ist, tragen körperliche Handlungen zur Konstruktion sozialer Wirklichkeit bei.
Der Körper ist ein Objekt – ein Material, das für jedermann sichtbar ist. Da Körper und Geschlecht in der zeitlich-räumlichen Kontinuität ihrer Darstellung zusammenfallen, wird er schließlich als Geschlechtskörper, d.h. entweder männlich oder weiblich aktiv wahrgenommen. Es verbinden sich objektive Bedeutung als materieller Körper und Zeichenhaftigkeit. Einerseits drückt der Körper die plastische Präsenz des Subjekts im Raum aus, zeigt andererseits aber auch bestimmte und damit individuell konstitutive Merkmale einer Person an.
1. Das Geschlecht als soziales Konstrukt: Dieses Kapitel erläutert die theoretische Basis des Geschlechts als soziale Konstruktion, die sowohl historisch als auch durch interaktive Prozesse stetig neu produziert wird.
2. Das Geschlecht als Zuschreibungskategorie im Schulsystem: Hier wird die empirische Relevanz von Geschlechterzuschreibungen im Schulalltag analysiert, insbesondere hinsichtlich der Lehrkräfteverteilung, Schulbuchinhalten und Leistungsunterschieden.
3. Das Programm einer geschlechtersensiblen Schule: Das Schlusskapitel diskutiert konzeptionelle Ansätze und praktische Handlungsstrategien für eine pädagogische Praxis, die bestehende Geschlechterhierarchien hinterfragt und Chancengleichheit fördert.
Geschlecht, soziales Konstrukt, Doing Gender, Undoing Gender, Sozialisation, Schule, Geschlechterzuschreibung, Identitätsbildung, Geschlechterstereotype, Interaktion, Koedukation, Geschlechtersensibilität, Pädagogik, Machtverhältnisse, Körperlichkeit
Die Arbeit befasst sich mit der Dekonstruktion des Geschlechts als biologisch determinierte Größe und untersucht, wie dieses stattdessen im sozialen und schulischen Miteinander als Konstrukt erzeugt wird.
Im Zentrum stehen die sozialisationstheoretische Verankerung von Geschlecht, die institutionelle Wirkung von Schule auf Geschlechterbilder und die Möglichkeiten einer geschlechtersensiblen Schulentwicklung.
Ziel ist es, den normierenden „heimlichen Lehrplan“ der Geschlechterrollen aufzudecken und Wege aufzuzeigen, wie Schule als Ort der aktiven Reflexion und Öffnung von Geschlechterkategorien fungieren kann.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf soziologischen, psychologischen und erziehungswissenschaftlichen Diskursen zur Geschlechterforschung und Sozialisation basiert.
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der „Geschlechterproduktion“ durch Akteure in der Schule, untersucht Leistungs- und Interessenunterschiede und reflektiert die Wirksamkeit pädagogischer Interventionskonzepte.
Zu den zentralen Begriffen zählen Doing Gender, soziale Konstruktion, Geschlechtersensibilität, Identitätsbildung und der Einfluss von Schulsystemen auf die Verfestigung von Geschlechterstereotypen.
Die Arbeit stellt fest, dass die Geschlechterverteilung in den neuen Bundesländern durch eine andere historische Sozialisation weniger stark segregiert ist als in den alten Bundesländern, insbesondere was die Besetzung von Führungspositionen betrifft.
Obwohl kurzfristige positive Effekte auf das Selbstkonzept von Mädchen existieren können, warnt die Arbeit davor, dass die Trennung der Geschlechter den „institutionellen Genderismus“ festigt, anstatt die zugrundeliegenden Stereotype aufzubrechen.
Die Arbeit plädiert für ein Biografiekonzept, das das Individuum nicht nur als Produkt gesellschaftlicher Verhältnisse sieht, sondern als handelndes Subjekt, das im biografischen Prozess Identitäten konstruiert, variiert und transformiert.
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