Masterarbeit, 2022
165 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Methodik und Konzeption
3. Musikvideos als Diskursbeiträge - theoretische Grundlagen
3.1 Das Musikvideo als Genre
3.2 Kultursemiotik
3.2.1 Kontext und kulturelles Wissen
3.2.2 Diskurs
3.2.3 Semiosphäre
3.2.4 kultureller Speicher
3.2.5 Operationalisierung der Methode
3.3 Die Band RAMMSTEIN
4. „Deutschland“ – Eine Nation auf der Suche nach ihrer Geschichte und Identität
4.1 Die deutsche Geschichte als ein Tableau aus Exzess und Gewalt
4.2 Das Selbstverständnis der deutschen Identität
5. „Radio“ – Medienreflektion, Feminismus und Emanzipation
5.1 Emanzipation als Medienreflektion
5.2 Die feministische Emanzipationsbewegung im historischen Verlauf und der Gegenwart
6. „Ausländer“ – Selbst- und Fremdwahrnehmung im Kontext von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Kolonialismus
6.1 Begegnungen mit dem Fremden
6.2 Die deutsche Gesellschaft zwischen Offenheit, Geschlossenheit und (historischer) Verantwortung
7. Das Musikvideo als soziomentales Brennglas? – Zusammenführung der Ergebnisse
8. Resumée und Ausblick
Die Arbeit untersucht in einer kultursemiotischen Analyse die Musikvideos der Band RAMMSTEIN aus dem Jahr 2019 (zu den Songs "Deutschland", "Radio" und "Ausländer") im Hinblick auf deren Rolle als "soziomentales Brennglas". Ziel ist es zu analysieren, wie diese Clips gesellschaftlich relevante, kontroverse Diskursthemen der Entstehungszeit verarbeiten und welche mentalitätsgeschichtlichen Erkenntnisse über die deutsche Gesellschaft um 2019 daraus gewonnen werden können.
1. Einleitung
Im Jahr 2019 gelang der deutschen Band RAMMSTEIN ein herausragender PR-Coup: es wurden Ausschnitte aus dem neuen Musikvideo zum Song „Deutschland“ veröffentlicht, welche Mitglieder der Band in KZ-Häftlings-Uniformen zeigen. Dies war der Auftakt der Kampagne zur Bewerbung ihres neuen unbetitelten Albums und es war das erste von insgesamt drei Musikvideos. Nach den ersten Ausschnitten aus „Deutschland“ hallte sofort die kalkulierte Empörung durch die Feuilletons und wichtige Diskursteilnehmer, wie beispielsweise der Zentralrat der Juden, meldeten sich zu Wort. Sie verurteilten den Auszug aus dem Videoclip aufs Schärfste und warfen der Band Antisemitismus vor. Wenige Tage später folgte die Veröffentlichung des Musikvideos in ganzer Länge, welches sich als außerordentlich aufwendig herausstellte. Mit einer Länge von über neun Minuten, einer Rahmung, wie sie sonst bei Kinofilmen zu finden ist, aber auch mit seiner detaillierten Ausstattung, häufigen Schnitten sowie einer hohen semiotischen Dichte, reizt der Clip zu „Deutschland“ die Grenzen seines Genres aus.
Inhaltlich handelt es sich bei diesem Musikvideo um einen Parforceritt durch die deutsche Geschichte. Es werden bedeutende historische Ereignisse dargestellt, in welchen die Bandmitglieder als Akteure fungieren. Zudem tritt eine schwarze Frau auf, welche die Germania verkörpert. Unter anderem kommen die Schlacht im Teutoburger Wald, die Kreuzzüge sowie die Herrschaft des Klerus im Mittelalter zur Darstellung. Aus der jüngeren Vergangenheit werden die sogenannten Goldenen Zwanziger, das Luftunglück des Zeppelins Hindenburg, der Start einer V2-Rakete, aber auch die Verbrechen des Nationalsozialismus inszeniert.
1. Einleitung: Stellt das Forschungsinteresse dar, die kontrovers diskutierten RAMMSTEIN-Musikvideos von 2019 als "soziomentale Brenngläser" zu untersuchen.
2. Methodik und Konzeption: Definiert den kultursemiotischen Analyserahmen sowie die Verwendung von Diskurs- und Semiosphären-Modellen zur Untersuchung der Primärtexte.
3. Musikvideos als Diskursbeiträge - theoretische Grundlagen: Erläutert das Musikvideo als multimediales Genre und stellt theoretische Konzepte (Kultursemiotik, Bild, Diskurstheorie) zur Analyse bereit.
4. „Deutschland“ – Eine Nation auf der Suche nach ihrer Geschichte und Identität: Analysiert das Video "Deutschland" hinsichtlich seines Umgangs mit deutscher Historie, Gewalt und kollektiver Identität.
5. „Radio“ – Medienreflektion, Feminismus und Emanzipation: Untersucht das Video "Radio" als Kommentar zu feministischen Emanzipationsbewegungen und der Rolle der Medien.
6. „Ausländer“ – Selbst- und Fremdwahrnehmung im Kontext von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Kolonialismus: Analysiert "Ausländer" im Hinblick auf koloniale Kontinuitäten, den Rassismus-Diskurs und Fremdwahrnehmungen.
7. Das Musikvideo als soziomentales Brennglas? – Zusammenführung der Ergebnisse: Synthetisiert die Analysen und validiert die These der brennglasartigen Wirkung der Videos auf gesellschaftliche Themen.
8. Resumée und Ausblick: Führt die Ergebnisse abschließend zusammen und ordnet die Rolle von RAMMSTEIN als "provozierende, aber nicht primär politisch positionierte Band" ein.
RAMMSTEIN, Musikvideo, Kultursemiotik, soziomentales Brennglas, deutsche Identität, Erinnerungskultur, Feminismus, Emanzipation, Rassismus, Kolonialismus, Diskursanalyse, Ästhetik, Kunst als Speicher, Deutschland, Radio, Ausländer.
Die Masterarbeit analysiert drei Musikvideos von RAMMSTEIN aus dem Jahr 2019 kultursemiotisch. Sie untersucht, wie sich die Band in diesen Clips mit kontroversen gesellschaftlichen Diskursen wie deutscher Geschichte, Feminismus, Rassismus und Kolonialismus auseinandersetzt.
Die zentralen Themen sind die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit, die Rolle der Frau und feministische Emanzipationsbewegungen sowie der Umgang mit dem "Fremden", Rassismus und die koloniale Erblast Deutschlands.
Das primäre Ziel ist es, die These zu belegen, dass die Musikvideos wie "Brenngläser" auf gesellschaftlich relevante Themen wirken und damit einen Einblick in die Soziomentalität Deutschlands um das Jahr 2019 geben.
Die Arbeit nutzt einen kultursemiotischen Zugang. Sie stützt sich dabei auf Theorien zur Bedeutungskonstitution im Musikvideo, das Modell der Semiosphäre nach Jurij Lotman sowie Diskursanalyse-Modelle (insbesondere das 4-Ebenen-Modell nach Martin Siefkes).
Der Hauptteil gliedert sich in drei Kapitel, in denen jeweils eines der Musikvideos („Deutschland“, „Radio“, „Ausländer“) detailliert analysiert und in den entsprechenden gesellschaftspolitischen Kontext seiner Entstehungszeit eingebettet wird.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Kultursemiotik, Diskurstheorie, Erinnerungskultur, Identitätskonstruktion, Intermedialität und die gesellschaftliche "Brennglasfunktion" populärkultureller Produkte.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass RAMMSTEIN zwar eindeutig provokative politische Elemente in ihrer Ästhetik nutzen (z.B. faschistoide Anleihen), sich jedoch selbst nicht als explizit politische Akteure verstehen. Sie nutzen diese Provokationen als künstlerische Stilmittel, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und innerhalb ihres "Gesamtkunstwerks" zu unterhalten.
Der Begriff beschreibt, wie das Video collagenartig durch viele Epochen der deutschen Geschichte springt, historische Ereignisse (wie Nationalsozialismus, DDR, Kreuzzüge) miteinander parallelisiert und so ein komplexes Tableau aus Gewalt als deutsche Konstante entwirft.
Die "Germania" fungiert als nationale Personifikation. Die Arbeit zeigt auf, dass ihre Darstellung als schwarze Frau eine "bewusste Irritation" darstellt, die mit dem Paradigma des "weißen" Deutschlands bricht und den Diskurs darüber eröffnet, wer heute zur deutschen Identität gehört.
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