Diplomarbeit, 1998
45 Seiten, Note: 1,00
1. Einleitung
1.1 Gegenstand und Struktur der Arbeit
1.2 Zum Begriff der Kultur und des Kulturkreises
2. Darstellung der wesentlichen Aspekte der “Kultur-Knall Theorie” Huntingtons
2.1 Kurzdarstellung der huntingtonschen Konzeption
2.2 Zum Wesen der Kulturkreise und der Funktion von Kernstaaten
2.3 Der Westen
2.4 Empfehlungen an die Politik
3. “Die blutigen Grenzen des Islam”- Huntingtons Islamwahrnehmung
3.1 Konflikt- und Gewaltbereitschaft des Islam
3.2 Die antiwestliche Tendenz des Islam
3.3 Die “sinisch-islamische Connection”
3.4 Das Fehlen eines islamischen Kernstaats
3.5 Die “Bevölkerungsexplosion” der islamischen Staaten
4. Denkstrukturen: Identität und der Feind
4.1 Huntingtons Grundannahme
4.2 Geistige Verwandschaften
4.2.1 Carl Schmitt
4.2.2 Oswald Spengler
4.3 Zwischenresümee: Zur Bedeutung der geschilderten Ansätze für die huntingtonsche Theorie
5. Funktion und Wirkung des Huntington Paradigmas
5.1 Zur Funktion der Theorie Huntingtons hinsichtlich der außenpolitischen Interessen der USA
5.2 Hegemonieanspruch des “Post-cold-war-Paradigma”
5.3 Rezeption der huntingtonschen Theorie in der Öffentlichkeit
6. Zusammenfassung und kritische Schlußbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des "Clash of Civilizations" von Samuel Huntington mit dem Ziel, die zugrunde liegende Feindbildproduktion gegenüber dem Islam zu dekonstruieren und in den Kontext machtpolitischer Interessen der USA einzuordnen.
3.1. Konflikt- und Gewaltbereitschaft des Islam
Es würde den Rahmen der Arbeit sprengen, alle von Huntington angeführten Gründe und “Beweise” einer ausführlichen Analyse zu unterziehen. Eine Diskussion von Huntingtons Islam-wahrnehmung nach dem Schema Behauptung – Gegenbehauptung entspricht auch nicht der Zielsetzung. Es soll nur demonstriert werden, wie das Fundament der huntingtonschen Thesen beschaffen ist.
Die historische Konfliktbereitschaft
Huntington versucht, eine historische Konfliktbereitschaft “sofern eine solche existiert” wie folgt zu erklären: “Militarismus, ‚Unverträglichkeit‘, und physische Nähe zu nichtmuslimischen Gruppen sind dauerhafte Züge des Islam und könnten eine historische Konfliktbereitschaft von Muslimen erklären, sofern eine solche existiert.”
Da es Unsinn wäre etwas erklären zu wollen, dessen Existenz man bezweifelt, kann man wohl annehmen, daß Huntington eine solche historische Konfliktbereitschaft seitens des Islam annimmt. Betrachten wir die genannten Gründe etwas näher.
Der erste genannte Grund, der Militarismus, wird von Huntington durch drei Aspekte wie folgt belegt: Erstens erkläre Payne, “der gewalttätige Ursprung ist in den Grundstein des Islam eingemeißelt.” Und weiter: “Muhammad selbst lebt in der Erinnerung der Gläubigen als unermüdlicher Kämpfer und geschickter Feldherr weiter.” Zweitens würden die Lehren des Islam den Krieg gegen Ungläubige gebieten, “so heißt es.” Drittens enthielten Koran und andere Formulierungen muslimischer Glaubenssätze nur wenige Gewaltverbote, die Idee der Gewaltfreiheit sei dem Islam fremd.
Halten wir fest: Der Militarismus des Islam wird (a) mit einem Zitat (in dem wiederum eher ein Statement als ein Argument oder ein Beweis auftaucht), (b) mit dem, was es von den Lehren des Islam heißt, (wo es das heißt, bleibt Huntington uns schuldig) und mit (c) einer nicht belegten Behauptung, den Koran und andere muslimische Glaubenssätze betreffend, begründet.
Die Beweiskraft dieser drei Elemente der Begründung des islamischen Militarismus muß daher bezweifelt werden.
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsabsicht, Huntington als Produzent von Feindbildern zur Legitimierung US-amerikanischer Interessen darzustellen.
2. Darstellung der wesentlichen Aspekte der “Kultur-Knall Theorie” Huntingtons: Skizzierung der zentralen Thesen, insbesondere der Einteilung der Welt in Kulturkreise und der Rolle der Kernstaaten.
3. “Die blutigen Grenzen des Islam”- Huntingtons Islamwahrnehmung: Kritische Untersuchung der Zuschreibung von Gewaltbereitschaft und Anti-Westlichkeit gegenüber dem Islam durch Huntington.
4. Denkstrukturen: Identität und der Feind: Herleitung von Huntingtons Denken durch Bezüge zu den Theorien von Carl Schmitt und Oswald Spengler.
5. Funktion und Wirkung des Huntington Paradigmas: Einordnung der Theorie in die außenpolitische Strategie der USA nach dem Kalten Krieg.
6. Zusammenfassung und kritische Schlußbetrachtung: Fazit über die Rolle der Theorie als Mittel zur Legitimierung politischer Machtansprüche durch die Konstruktion von Feindbildern.
Samuel Huntington, Clash of Civilizations, Islam, Feindbildproduktion, US-Außenpolitik, Kulturkreise, Identität, Carl Schmitt, Oswald Spengler, Geopolitik, Gewaltbereitschaft, Kulturmorphologie, Hegemonie, Modernisierung, Machtpolitik.
Die Arbeit untersucht das Konzept von Samuel Huntingtons "Kampf der Kulturen" und analysiert die Art und Weise, wie Huntington den Islam als Feindbild konstruiert.
Die zentralen Themen sind die Feindbildproduktion, die Legitimation von US-Interessen, die Rolle der Religion in der Weltpolitik sowie der Einfluss historischer Denker auf moderne geopolitische Konzepte.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Huntingtons Theorie weniger eine neutrale Analyse der Weltlage darstellt, sondern vielmehr ein Instrument zur Legitimation US-amerikanischer Hegemonialpolitik nach dem Kalten Krieg ist.
Die Autorin verwendet eine ideologiekritische und textanalytische Herangehensweise, um Huntingtons Argumentationsstruktur, Quellenwahl und Schlussfolgerungen zu hinterfragen.
Der Hauptteil analysiert Huntingtons Thesen zur Islamwahrnehmung, die theoretischen Wurzeln bei Schmitt und Spengler sowie die Funktion des Paradigmas für die außenpolitischen Interessen der Vereinigten Staaten.
Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern gehören: Feindbild, Islam, Geopolitik, Huntington, US-Hegemonie, Kulturkreis und Identitätspolitik.
Die Arbeit nutzt Schmitts Freund-Feind-Theorie und Spenglers kulturmorphologische Ansätze, um aufzuzeigen, dass Huntingtons Gedanken nicht originär neu sind, sondern auf existierende, skeptische Denkmuster gegenüber der Moderne und dem "Anderen" zurückgreifen.
Die Arbeit kritisiert Huntingtons Quellennutzung als selektiv, einseitig und teilweise manipulativ, da Zitate oft aus dem Kontext gerissen oder Behauptungen nicht durch empirische Belege gestützt werden.
Die USA werden von der Autorin als der eigentliche Kern des "Westens" identifiziert, wobei Huntingtons Strategieempfehlungen dazu dienen, die US-Interessen global zu sichern und das Aufkommen potenzieller rivalisierender Großmächte zu verhindern.
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