Wissenschaftliche Studie, 2009
214 Seiten
1. Interpretation des Original-Helmbrecht
1.1 Kurze Prosa-Nacherzählung
1.2 Die Handschriften und neue Erkenntnisse zu ihrer Historie und der Herkunft des Dichters
1.3 Wernher der Gartenaere und neue Erkenntnisse zu seinem Beruf
1.4 Die Bedeutung des Original-Helmbrecht
1.4.1 Literaturhistorische Bedeutung
1.4.2 Die künstlerische Form
1.4.3 Inhalt und Intention
1.4.4 Die Rechtsfälle
1.5 Die Bedeutung der ma. Bundhaube
1.6 Helmbrechts bestickte Bundhaube
1.7. Der Warkus
1.8 Die Haartracht
2. Der neue Helmbrecht
2.1 Neuer Inhalt und neue Intention
2.2 Die neue Form
2.3 Neue Landschaft und Schauplätze
2.4 Die neue Kleidung des jungen Helmbrecht
3. Die Kleidung im HMA
3.1 Der Rock
3.2 Das Wams
3.3 Der Mantel
3.4 Hosen und Schuhe
3.5 Die Kopfbedeckung
3.6 Sonstige Kleidung
4. Deutschland im HMA (um 1000 – 1250)
4.1 Das Staatswesen
4.1.1 Die Regierenden
4.1.1.1 Die Ritterschaft
4.1.1.2 Die Geistlichkeit (Klerus)
4.1.1.2.1 Weltgeistlichkeit
4.1.1.2.2 Ordensgeistlichkeit
4.1.2 Das Volk
4.1.2.1 Die Bauernschaft
4.1.2.1.1 Ernährungsweise
4.1.2.1.2 Dörfliche Siedlungsform
4.1.2.1.3 Ländliche Produktivitätssteigerung
4.1.2.1.4 Bäuerliche Aufstiegschancen
4.1.2.2 Die Bürgerschaft (Stadtrecht)
4.2 Das Rechtswesen
4.2.1 Landesrecht und Gerichtswesen in Österreich
4.2.2 Fehde und Landfriede
4.2.3 Vogteiwesen
4.2.4 Die Rechtsfälle im Drehbuch
4.3 Das Heerwesen
4.3.1 Die Burg
4.3.2 Die Schutzkleidung
4.3.3 Die Waffen
4.3.4 Das Pferd
4.3.5 Ritterwettkämpfe und feudale Jagd
4.4 Die Bildung im HMA
4.4.1 Die mhd. Sprache
4.4.2 Die mhd. Schriftlichkeit
4.4.3 Das Wort "deutsch"
4.4.4 Die religiöse Bildung
4.4.5 Die weltliche Bildung
4.5 Die ritterlich-höfische Kunst
4.5.1 Die Eneide Heinrichs von Veldeke
4.5.2 Das Rolandslied
4.5.3 Dietrichsage und Rabenschlacht
4.5.4 Musik und Tanz
4.5.5 Musikinstrumente
4.5.6 Buch- und Schreibwesen
4.6 Einige Liedermacher des HMA
4.6.1 König Richard Löwenherz
4.6.2 Walther von der Vogelweide
4.6.3 Wolfram von Eschenbach
4.6.4 Gottfried von Straßburg
4.6.5 Ulrich von Winterstetten
4.6.6 Neidhart von Reuenthal
4.7 Relevante politische Personen der Zeit
4.7.1 König Konrad IV. von Hohenstaufen
4.7.2 Herzog Friedrich der Streitbare von Österreich
4.7.3 Die Herren von Kuenring
4.7.4 Erzbischöfe von Salzburg
4.7.5 Die Wittelsbacher
4.7.6 Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen
5. Über Literatur und Text
5.1 Allgemeine Einteilung der Literatur
5.2 Einteilung der künstlerischen Literatur
5.3 Zur Fiktionalität der künstlerischen Literatur
5.4 Mögliches und Notwendiges
5.5 Geschichten als Stoffe der künstlerischen Literatur
5.6 Zur Dramaturgie filmischer Literatur
5.6.1 Das Exposee
5.6.2 Das Treatment (Szenarium)
5.6.3 Das Autor-Drehbuch (Dialogszenarium)
5.6.4 Über Kamera- und Schauspielerhinweise
Ziel dieser Arbeit ist die mediävistische Analyse der mhd. Versnovelle "Helmbrecht" von Wernher der Gartenaere sowie deren Transformation in ein filmisches Unterhaltungsstück ("Der Reiter mit der Coiffe"), um das Werk für ein modernes Publikum attraktiver zu gestalten.
1.1 Kurze Prosa-Nacherzählung
Um eine gewisse Vorstellung zu verschaffen, wie sich der Helmbrecht im Original liest, ohne das ganze Werk lesen zu müssen, möchte ich im Folgenden eine verkürzte Prosa-Nacherzählung vorlegen, die unwesentliche Stellen herauslässt. Der Dichter schreibt in seiner kleinen Verserzählung wie folgt:
Einer sagt, was er gesehen hat, ein anderer sagt, was ihm geschehen ist, der dritte spricht von Zuneigung und der vierte von Gewinn, der fünfte von großem Gut und der sechste von hohem Geist. Hier will ich sagen, was mir geschah, was ich mit meinen eigenen Augen gesehen habe.
Ich sah einen Bauern Sohn, dessen blondes Haar ihm lockig um die Schultern floss. Die Flut der Haare umschloss der Bursche mit einer reich geschmückten Haube. Deren Schmuck bestand aus Sittichen und Tauben, die mit Seide darauf genäht waren. Er war der Sohn des Meiers Helmbrecht, eines Bauern, und er trug denselben Namen wie sein Vater. Man nannte sie beide Helmbrecht.
Die Haube war auf ihrem Mittelband vom Nacken über den Scheitel bis zum Schopf mit Vögeln bestickt. Es schien, als kämen sie geradewegs vom Spessart auf den Bauernschädel geflogen. Auf der rechten Seite der Haube sah man die Eroberung von Troja, weil Paris dem König von Sparta das Weib entführte, und die Flucht von Äneas in schnellen Schiffen aufs Meer. O weh, dass je ein Bauer durfte eine solche Haube tragen!
1. Interpretation des Original-Helmbrecht: Analyse des Werks, seiner Handschriften, der Person des Dichters Wernher der Gartenaere sowie Erläuterungen zu zentralen Motiven wie der Haube, dem Warkus und der Haartracht.
2. Der neue Helmbrecht: Darlegung der Absicht, den "Helmbrecht" als filmische Literaturadaption für ein modernes Publikum neu zu gestalten.
3. Die Kleidung im HMA: Detaillierte Darstellung der mittelalterlichen Kleidungskultur (Rock, Wams, Mantel, Schuhe, Kopfbedeckung) und deren soziologischer Bedeutung.
4. Deutschland im HMA (um 1000 – 1250): Umfangreiche mediävistische Abhandlung über Staatswesen, Rechtswesen, Heerwesen, Bildung und Kunst im Hochmittelalter.
5. Über Literatur und Text: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Literaturbegriff, Fiktionalität und der Dramaturgie filmischer Literatur.
Helmbrecht, Wernher der Gartenaere, Hochmittelalter, Literaturadaption, Bundhaube, Coiffe, Warkus, Rittertum, Ständegesellschaft, Drehbuch, Mediävistik, Filmtheorie, Fiktionalität, Rezeption, Volkskultur
Die Arbeit befasst sich mit der mhd. Versnovelle "Helmbrecht" und deren filmischer Adaption unter dem Titel "Der Reiter mit der Coiffe", wobei der Schwerpunkt auf der Übertragung des Lehrstoffs in ein modernes Unterhaltungsformat liegt.
Die zentralen Themen sind die Analyse mittelalterlicher Sozialstrukturen, Kleidung, Rechtsverhältnisse sowie die theoretische Fundierung des literarischen Adaptionsprozesses.
Das primäre Ziel ist die Erhöhung des Unterhaltungswertes des antiquierten Lehrstücks durch eine filmgerechte Umgestaltung, ohne den historischen Kontext und die Grundideen des Originals zu verlieren.
Es handelt sich um eine mediävistische Abhandlung, die literaturhistorische Analysen mit kulturgeschichtlichen Recherchen verbindet, um eine Basis für eine filmische Rekreation zu schaffen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Interpretation des Originals, eine fundierte historische Darstellung des HMA (Staat, Recht, Heerwesen, Bildung) und eine theoretische Reflexion über Literatur und Dramaturgie.
Zu den Schlüsselwörtern gehören Helmbrecht, Mittelalter, Literaturadaption, Bundhaube, Drehbuch, Mediävistik und Filmtheorie.
Die Arbeit definiert die Bundhaube (Coiffe) als ein Symbol für die Laienbildung und den Gelehrtenstand im Mittelalter, das sowohl einen praktischen (Hygiene) als auch einen amtlichen/sozialen Status besaß.
Der Autor argumentiert, dass die Kombination aus mittelalterlichem Lehrcharakter ("erhobener Zeigefinger"), Lückenhaftigkeit in der Handlung und der grausamen Bestrafung des Protagonisten beim modernen Publikum kaum Identifikationspotential bietet.
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