Wissenschaftliche Studie, 2009
172 Seiten
1. Einleitung
2. Film-Exposee „Der Reiter mit der Coiffe“ (1)
3. Treatment „Der Reiter mit der Coiffe“ (2)
4. Autor-Drehbuch „Der Reiter mit der Coiffe“ (3)
Das Ziel der Arbeit ist die filmische Adaption der mittelhochdeutschen Versnovelle „Helmbrecht“ als zeitgemäße Geschichte, welche die Entwicklung des Protagonisten durch die Einführung neuer Motivationen, Schauplätze und eines positiven Ausgangs als Gesellschafts-Abenteuer neu interpretiert.
(1) Das Haubengeschenk
Es ist ein Sonntag im Frühjahr 1247. Auf dem Helmbrechthof, einem Bauerngehöft im oberösterreichischen Innviertel, schenkt die ehemalige Nonne Margarete dem jungen Bauernsohn Helmbrecht eine weiße, leinene und mit Seide bestickte ungepolsterte Bundhaube (Haarhaube bzw. Coiffe), wie sie damals von Lese- und Schreibkundigen und gebildeten Persönlichkeiten an den Feudalhöfen getragen wurde, in der Regel aber unbestickt. Die Bilder auf seiner Haube stellen Helden aus Heldenliedern (Chancons de geste) dar: den sterbenden Roland nach dem „Rolandslied“ und Äneas auf der Flucht zu Schiffe nach Italien nach der „Eneide“, dazu einen tanzenden Ritter, der zwei Frauen an der Hand führt. Die Haube ist von Margarete genäht und bestickt worden. Sie bedankt sich mit dem Geschenk für die Hilfe, die sie seitens der Mutter und Schwester Helmbrechts erfahren hatte, als sie nach ihrer Flucht aus dem Kloster in großer Not war, schenkt sie ihm aber auch aus Bewunderung und als Anerkennung für seine Lernleistung, denn er hat bei ihr das Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt und Rittergeschichten gehört, eine damals für Bauern ungewöhnliche Ausbildung, die mancher Adlige nicht hatte.
Der Helmbrechthof ist ein Bauernhof als Einzelgehöft in Gilgenberg bei Mattighofen im österreichischen Innviertel (Oberösterreich). Diese Gegend gehörte damals noch zu Bayern. Margarete war vor ihrer Flucht Nonne in einem Kloster der Umgebung. Sie ist etwa 45 Jahre alt, gutaussehend, trägt noch Nonnentracht, jedoch unvollständig, d.h. ohne die dazugehörige Kopfbedeckung. Für Helmbrecht ist sie eine Art Mentor. Sie verdient sich als Lehrerin und mit Schneiderarbeit ihr tägliches Brot.
1. Einleitung: Definiert die filmliterarischen Formen (Exposee, Treatment, Drehbuch), deren 3-Akte-Struktur und begründet die filmische Adaption des „Helmbrecht“ als zeitgemäßes Unterhaltungsstück.
2. Film-Exposee „Der Reiter mit der Coiffe“ (1): Erzählt die Geschichte vom jungen Bauernsohn Helmbrecht, der durch das Geschenk einer höfischen Haube und den Wunsch nach sozialem Aufstieg sein Elternhaus verlässt, in der Adelsgesellschaft scheitert und sich schließlich bewähren muss.
3. Treatment „Der Reiter mit der Coiffe“ (2): Detaillierte szenische Gliederung der Handlung, die den Prozess von Helmbrechts Anstellung bei Freiherrn von Waldstetten, seine Konflikte mit dem Neider Hohenburg und seine persönliche Entwicklung schildert.
4. Autor-Drehbuch „Der Reiter mit der Coiffe“ (3): Ausarbeitung der Dialoge und Handlungssequenzen, die den Protagonisten vom einfältigen Bauernsohn zum geläuterten, sympathischen Helden entwickeln.
Helmbrecht, Mittelalter, Coiffe, Filmliteratur, Adaption, Wernher der Gartenaere, Sozialer Aufstieg, Rittertum, Waldstetten, Kuenringer, Gesellschafts-Abenteuer, Historische Novelle, Drehbuchschreiben, Filmmusik, Standesgesellschaft.
Die Arbeit adaptiert die mittelhochdeutsche Versnovelle „Helmbrecht“ als zeitgemäßes Filmprojekt, wobei der Protagonist als sympathischer Held statt als negativer Narr gezeichnet wird.
Im Zentrum stehen die Ständegesellschaft des Mittelalters, der Wunsch nach sozialem Aufstieg, die Bedeutung höfischer Mode als Statussymbol und der Kontrast zwischen bäuerlicher Tradition und adeligem Leben.
Das Ziel ist die Erstellung eines vollständigen Drehbuches, das durch neue Motivationen und einen veränderten Ausgang eine Identifikation des modernen Zuschauers mit dem Protagonisten ermöglicht.
Es handelt sich um eine literatur- und filmwissenschaftliche Aufarbeitung, die das historische Kulturgut „Helmbrecht“ durch die Strukturierung in Exposee, Treatment und Drehbuch in ein modernes filmisches Format überführt.
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Ausarbeitung der Geschichte (Exposee), die szenische Aufbereitung (Treatment) und das ausformulierte Drehbuch, ergänzt durch historische Hintergründe zur Kleidung und Gesellschaft.
Die Coiffe dient als „Handlungskatalysator“; sie ist das auslösende Moment für Helmbrechts Aufbruch und fungiert im weiteren Verlauf als Erkennungszeichen und ästhetisches Element für die Entwicklung der Handlung.
Der Autor möchte den Protagonisten „entkriminalisieren“, damit das Publikum Sympathie für ihn empfinden kann, was einen Wandel vom Lehrstück zum Unterhaltungsstück bewirkt.
Die politische Instabilität der Zeit (Streit mit der Kirche, Machtkämpfe des Adels) bildet den Rahmen, in dem sich Helmbrecht bewähren muss, um in der adligen Gesellschaft Fuß zu fassen.
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