Examensarbeit, 2023
49 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen: Geschlechterforschung
2.1 Binäre Zweigeschlechtlichkeit als Alltagstheorie
2.2 Geschlecht außerhalb der binären Matrix
2.3 Die sex/gender Unterscheidung
2.3.1 West und Zimmermanns Prozess des ‚doing gender‘
2.3.2 Butlers Konzept der ‚heterosexuellen Matrix‘
2.4 Die heteronormative Geschlechterordnung
2.4.1 Heteronormativitätskritik
3 Theoretischer Rahmen: Schule und Geschlecht
3.1 ‚Ohne Auftrag‘: Der heimliche Lehrplan
3.2 Der heimliche Lehrplan der heteronormativen Ordnung
3.2.1 Mechanismen und Faktoren des heimlichen Lehrplans
3.3 ‚Mit Auftrag‘: Zur rechtlichen Lage
3.4 Mögliche Folgen (Geschlechter)reflektierender Bildungsarbeit
4 Heteronormativität in der Schule
4.1 Die Rolle der Schule
4.2 Die Rolle der Lehrkraft
4.2.1 Drei Typologien sozialer Deutungsmuster von Lehrkräften
4.3 Die Rolle der Schüler*innen
4.4 Die Rolle der Lehrmittel und Unterrichtsinhalte
4.5 Die Rolle der Gesellschaft
5 Fazit und Ausblick
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, aufzuzeigen, inwiefern Heteronormativität und die gesellschaftliche Norm der Zweigeschlechtlichkeit in Schulen durch den sogenannten "heimlichen Lehrplan" vermittelt und reproduziert werden, um die Auswirkungen auf die psycho-soziale Entwicklung von LSBTIQ*-Personen im schulischen Umfeld zu beleuchten.
3.1 ‚Ohne Auftrag‘: Der heimliche Lehrplan
Im Gegensatz zum offiziellen Lehrplan, der Angaben über Bildungs- und Erziehungsziele des Unterrichts enthält, bezeichnet der heimliche Lehrplan nichtbeabsichtigte Folgen der Schule, die sich meist unbemerkt auf Schüler*innen auswirken (Valtin 1996, 3). Bereits 1925 hat der Pädagoge Siegfried Bernfeld darauf aufmerksam gemacht, dass Schule neben den bekannten Lerninhalten über bestimmte Organisationsformen, Strukturen und Regeln Schüler*innen erzieht und für Verhaltenskonformität sorgt (Siebert 1996, 252). Erstmals explizit benannt wurde der heimliche Lehrplan 1968 im Englischen von Philip Jackson. Er bezeichnete mit dem ‚hidden curriculum‘ einen „Grundkurs der sozialen Regeln, Regelungen und Routinen“ (Jackson 1975, 36). Zinnecker schließlich etablierte 1975 den Begriff des ‚heimlichen Lehrplans‘ im deutschsprachigen Raum. Implizit lässt sich die Idee des heimlichen Lehrplans auch in verschiedenen weiteren Werken wiederfinden, ohne dass er dort als solcher benannt wird. So stellt auch der Soziologe Robert Dreeben fest, dass die schulische Ausbildung dazu beitrage, dass Schüler*innen gewisse soziale Normen lernen und akzeptieren müssen (Dreeben 1980, 89). Er ist der Annahme, dass Schule mehr vermittle, als die reine fachliche Qualifikation und stellt einen Unterschied heraus zwischen offiziell pädagogisch vermittelten Lehrinhalten und solchen, die nicht pädagogisch vermittelt werden können und vielmehr inoffiziell im sozialen Umgang miteinander vermittelt würden (Dreeben 1980, 44, 62f.).
Döring greift die Bezeichnung des heimlichen Lehrplans auf, indem er von „zwei Arten von schulischen Lehr-/Lernzielen und Lehr-/Lerninhalten“ (Döring 1992, 305, H.i.O.) spricht. Der von ihm als heimlich-informell bezeichnete Lehrplan beinhalte die Bereiche des sozialen Lernens, soziale Verhaltensweisen sowie sozial-emotionale Wert- und Normenvorstellungen (Döring 1992, 306). Unterschieden wird zwischen drei Ebenen, auf denen sich der heimliche Lehrplan vollziehe.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Forschungsinteresse ein, die Vermittlung von Heteronormativität durch einen "heimlichen Lehrplan" in Schulen zu untersuchen.
2 Theoretischer Rahmen: Geschlechterforschung: Dieses Kapitel klärt grundlegende Konzepte wie "doing gender", die "heterosexuelle Matrix" und Heteronormativität als theoretisches Fundament.
3 Theoretischer Rahmen: Schule und Geschlecht: Es wird das Konzept des "heimlichen Lehrplans" theoretisch erarbeitet und mit der rechtlichen Lage sowie geschlechtersensibler Bildungsarbeit verknüpft.
4 Heteronormativität in der Schule: Das Hauptkapitel analysiert die Rolle von Schule, Lehrkräften, Schülerschaft, Lehrmitteln und Gesellschaft bei der Reproduktion heteronormativer Strukturen.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert Möglichkeiten zur Überwindung heteronormativer Geschlechtervorstellungen in der Bildungspraxis.
Heteronormativität, heimlicher Lehrplan, Geschlechterforschung, Schule, doing gender, LSBTIQ*, Zweigeschlechtlichkeit, Geschlechterrollen, Diskriminierung, Bildungsauftrag, Gender Studies, Queer Studies, soziale Konstruktion, schulische Sozialisation, Identitätsbildung.
Die Arbeit untersucht das Phänomen, dass Schulen trotz offizieller Bildungspläne zur Gleichstellung heteronormative Geschlechtervorstellungen vermitteln.
Zu den Schwerpunkten gehören Geschlechterforschung, Schultheorie, die Rolle von Lehrkräften und Lehrmitteln sowie die gesellschaftliche Bedeutung von Heteronormativität.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie und warum Schulen als Institutionen zur Reproduktion der gesellschaftlichen Norm der Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität beitragen.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung verschiedener Studien zum Thema schulische Sozialisation und Geschlechterbilder basiert.
Der Hauptteil analysiert fünf Faktoren: die Institution Schule, Lehrkräfte, Schüler*innen, Lehrmittel und den Einfluss der Gesellschaft auf die Vermittlung von Heteronormativität.
Zentrale Begriffe sind Heteronormativität, heimlicher Lehrplan, doing gender, LSBTIQ* und die konstruktivistische Geschlechterforschung.
Die Arbeit differenziert Lehrkräfte in drei Typologien: Dethematisierung, Fragmentierung und Responsibilisierung, basierend darauf, wie sie mit sexueller Vielfalt im Unterricht umgehen.
Die Autorin argumentiert, dass eine bloße Sichtbarmachung in Lehrmitteln noch keine erfolgreiche Inklusion bedeutet, solange die heteronormative Grundstruktur und die Bewertung von Vielfalt als "Abweichung" bestehen bleiben.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

