Diplomarbeit, 2009
83 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Migration als politisches und soziales Phänomen
2.1 Migration in der Bundesrepublik Deutschland: ein Blick in die Geschichte der deutschen Nachkriegszeit
2.1.1 Ausländische Arbeitskräfte
2.1.2 Aussiedler
2.1.3 Flüchtlinge und Asylbewerber
2.2 Ursachen von Migration
2.3 Zusammenfassung
3. Migration und ihre Auswirkung auf das psychische Befinden der Migranten
3.1 Phasen von Migrationsprozessen
3.2 Psychische und psychosoziale Folgen der Migration
3.3 Zusammenfassung
4. Interkulturelle Beratung von Migranten – konzeptionelle Grundlagen und methodische Ansätze
4.1 Zum Begriff des „Interkulturellen“
4.2 Systemtherapeutische Ansätze in der interkulturellen Beratung
4.2.1 Strukturelle Familientherapie
4.2.2 Lösungsorientierte Kurzzeittherapie
4.2.3 Narrative Therapie
4.2.4 Das Reflektierende Team als Methode der Systemtherapie
4.3 Bedeutung der Sprache in der Beratung
4.4 Interkulturelle Kompetenz des Beraters
4.5 Netzwerkarbeit
4.5.1 Fallbezogene Netzwerkarbeit
4.5.2 Programmatische Netzwerkarbeit
4.6 Interkulturelle Teamarbeit
4.7 Zusammenfassung
5. Arbeitsbereiche der interkulturellen Beratung
5.1 Beratung und Therapie von Suchtstörungen bei Migranten
5.2 Beratung und Therapie von Flüchtlingen
5.3 Erziehungsberatung mit Migranten
5.4. Zusammenfassung
6. Schlusswort
Diese Arbeit zielt darauf ab, die wesentlichen psychosozialen Aspekte und Belastungssituationen bei der Beratung von Migranten zu untersuchen und aufzuzeigen, wie interkulturelle Beratungsansätze zur Bewältigung dieser Schwierigkeiten beitragen können.
2.1.1 Ausländische Arbeitskräfte
"Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen."
Max Frisch
Eine der zentralen Bestimmungsfaktoren der heutigen Migrationsrealität stellt die Anwerbung der Arbeitskräfte aus den südeuropäischen Ländern in der wirtschaftlichen Aufbau- und Wachstumsphase unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg dar. Am 20. Dezember 1955 schloss die Bundesrepublik mit Italien ein erstes Anwerbeabkommen zur Rekrutierung von Arbeitskräften ab. Weitere solcher Abkommen folgten unter anderem mit Spanien (1960), Griechenland (1960), Türkei (1961) und Jugoslawien (1968) (vgl. Han, S. 23).
Die Gründe für die Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften in Westdeutschland waren: anhaltender Boom der deutschen Exportwirtschaft; die Anzahl der offenen Stellen 1960 war höher als die Zahl der Arbeitslosen; Bildungsexpansion und verlängerte Bildungszeiten; sinkendes Rentenalter; Babyboom und verringerte Erwerbsbeteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt (vgl. Münz u.a. S. 44).
Gesucht und ins Land geholt wurden Personen, für die es auch Arbeit gab, überwiegend schlecht bezahlte und unattraktive Arbeit, für die sich deutsche Bürger nicht interessierten. Die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnisse für die ausländischen Arbeitnehmer wurden zunächst nur für ein Jahr ausgestellt. Nach einem Jahr mussten die Arbeiter das Land verlassen, als Ersatz kamen immer wieder neue ausländische Arbeitssuchende nach Deutschland. In den ersten Jahren der Gastarbeitermigration wurde das Rotationsmodell von der deutschen Wirtschaft und Öffentlichkeit und auch von den Gastarbeitern und ihren Herkunftsländern akzeptiert. In dieser Zeit kamen bis zum Anwerbestopp 1973 insgesamt 2,6 Mio. Erwerbstätige nach Deutschland. Die größten Gruppen unter den Beschäftigten waren zum damaligen Zeitpunkt 605.000 Türken, 535.000 Jugoslawen, gefolgt von 450.000 Italienern, 250.000 Griechen und 190.000 Spaniern (vgl. Länderprofil S. 2).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Migration ein, erläutert Gründe für Migrationsbewegungen und stellt die besondere Relevanz der Beratung von Migranten in der Bundesrepublik Deutschland dar.
2. Migration als politisches und soziales Phänomen: Dieses Kapitel betrachtet die historischen Migrationsströme in Deutschland, unterteilt in ausländische Arbeitskräfte, Aussiedler sowie Flüchtlinge und Asylbewerber, und analysiert deren Ursachen.
3. Migration und ihre Auswirkung auf das psychische Befinden der Migranten: Hier werden die Phasen von Migrationsprozessen nach Sluzki sowie die psychischen und psychosozialen Folgen, die mit einer Migration einhergehen können, detailliert beschrieben.
4. Interkulturelle Beratung von Migranten – konzeptionelle Grundlagen und methodische Ansätze: Das Kapitel diskutiert den Begriff des Interkulturellen, stellt systemtherapeutische Ansätze vor und erörtert die Bedeutung von Sprache, Netzwerkarbeit und Teamarbeit für eine gelungene interkulturelle Beratung.
5. Arbeitsbereiche der interkulturellen Beratung: Hier werden spezifische Anwendungsgebiete wie die Suchtberatung, die Beratung von Flüchtlingen und die Erziehungsberatung mit ihren jeweiligen besonderen Herausforderungen und Lösungsansätzen analysiert.
6. Schlusswort: Das Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Diplomarbeit zusammen und zieht ein Fazit über den Stand sowie den zukünftigen Bedarf der interkulturellen Beratungsarbeit.
Migration, Interkulturelle Beratung, Psychosoziale Folgen, Integrationspolitik, Systemtherapie, Netzwerkarbeit, Sprachbarrieren, Suchthilfe, Flüchtlingsberatung, Erziehungsberatung, Kulturschock, Interkulturelle Kompetenz, Traumatherapie, Sozialarbeit, Migrationsprozess.
Die Arbeit behandelt die psychosoziale Beratung von Migranten in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der vielfältigen Belastungen, die mit dem Migrationsprozess verbunden sind.
Die zentralen Themen sind die historische Einordnung der Migration in Deutschland, die psychischen Folgen von Migrationsprozessen sowie die methodischen Ansätze und Strukturen einer effektiven interkulturellen Beratung.
Das Ziel ist es, die wichtigsten Aspekte der psychosozialen Beratung von Migranten in schwierigen Lebenssituationen darzustellen und aufzuzeigen, wie durch professionelle Beratung und interkulturelle Ansätze die Integration und psychische Stabilität gefördert werden können.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse. Sie stützt sich auf sozialwissenschaftliche Theorien, wie das Phasenmodell der Migration nach Sluzki, sowie auf systemtherapeutische Ansätze und Konzepte der Netzwerkarbeit.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition interkultureller Beratung, systemtherapeutischen Methoden, der Bedeutung der Sprache, interkultureller Kompetenz des Beraters sowie spezifischen Arbeitsfeldern wie der Suchtberatung, Flüchtlingsarbeit und Erziehungsberatung.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Interkulturelle Beratung, Migrationsprozess, systemtherapeutische Ansätze, Netzwerkarbeit, Sprachvermittlung und psychosoziale Belastungen.
Die Arbeit empfiehlt den Einsatz geschulter Dolmetscher oder muttersprachlicher Fachkräfte, da ungeschulte Übersetzer oder Angehörige die Beratungsqualität mindern und die familiäre Hierarchie negativ beeinflussen können.
Netzwerkarbeit ist essenziell, um die Komplexität der Problemlagen zu bewältigen. Sie verbindet persönliche soziale Netze mit institutionellen Angeboten, um eine ganzheitliche Unterstützung zu ermöglichen.
Diese Methode erlaubt es, durch einen Perspektivwechsel und die Einbeziehung mehrerer Sichtweisen, neue Lösungsansätze zu entwickeln, wobei interkulturell erfahrene Mitglieder die kulturellen Aspekte des Prozesses berücksichtigen können.
Herausforderungen sind unter anderem Informationsdefizite über Hilfsangebote, die Sicht auf Erziehung als reine Privatangelegenheit, Vorurteile gegenüber Beratungseinrichtungen sowie Konflikte zwischen kollektivistischen und individualistischen Wertvorstellungen.
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