Examensarbeit, 2007
105 Seiten, Note: sehr gut
1. More than an Anomaly?
Der Irakkrieg der USA und die Zukunft der Liberalen Theorie internationaler Politik
2. Societal Preferences and Foreign Policy:
Die Liberale Theorie als Analysewerkzeug
2.1: Von Kants Theorem zum neuen Liberalismus
2.2: Außenpolitik als gesellschaftlicher Präferenzbildungsprozess
3. The road to war:
Die Deutungsdominanz der Exekutive (11. September 2001 - 19. März 2003)
3.1 Die Bush-Administration:
Der Krieg gegen den Internationalen Terrorismus, die Bush-Doktrin und die Zuspitzung auf den Irak
3.2 Die Öffentlichkeit:
Verwundbarkeitsgefühl, neuer Internationalismus und Irakkrieg
3.3 Der Kongress:
Schulterschluss und Autorisierung des Irakkrieges
4. Mission completed?
Der Pyrrhussieg der Bush-Administration (20. März 2003 - 1. Juni 2003)
4.1 Die Bush-Administration:
Der schöne Schein des Sieges im Irak
4.2 Der Kongress:
Unterordnung unter den Kriegspräsidenten
4.3 Die Öffentlichkeit:
‘Rallying around the flag’ und neuer Internationalismus
5. Fiasco Unfolding:
Die Bush-Administration in der Defensive (Juni 2003 - Dezember 2005)
5.1 Die Öffentlichkeit:
Rationalität, Kostensensitivität und abnehmende Unterstützung
5.2 Der Kongress:
Parteipolitische Polarisierung und Rückkehr zum Mitspracheanspruch
5.3 Die Administration:
Festhalten an der Bush-Doktrin trotz innergesellschaftlicher Kritik
6. The need for more research:
Der Irak-Krieg im Lichte der Liberalen Theorie und der außenpolitischen Präferenzbildungsprozesse in den USA
7. Chronik der Golfkriege
Die Arbeit untersucht das Zustandekommen des Irakkrieges (2001-2005) unter Anwendung der Liberalen Theorie internationaler Beziehungen, um zu ergründen, warum eine Demokratie trotz einer kriegsaversen Öffentlichkeit in einen Krieg ziehen konnte und ob dies als Anomalie oder Bestätigung der liberalen Thesen zu werten ist.
3.1. Die Bush-Administration: Der Krieg gegen den Internationalen Terrorismus, die Bush-Doktrin und die Zuspitzung auf den Irak
Die Terroranschläge des 11. September auf gleich mehrere nationale Symbole trafen die USA völlig unvorbereitet und wirkten wie ein Schock für die gesamte Nation. Die USA fühlten sich als eine ‚Weltmacht vor neuer Bedrohung’.
Nichtsdestotrotz reagierte die Administration schnell, in erstaunlicher Klarheit und setzte binnen Kürze (9 Tage) die zukünftige Marschroute der letzten verbliebenen Supermacht fest, eine Marschroute, der die USA im Prinzip bis heute folgen. Dabei gelang es der Bushregierung eine Neuausrichtung der amerikanischen Außenpolitik in ihrem Sinne durchzusetzen. Angestrebt war aus ihrer Sicht eine globale Führungsrolle unter Verwendung neuer Taktiken. Dieses Ziel und die diesbezüglichen Strategien sind zwar - wie sich zeigen wird - nicht ganz neu aber dennoch in ihrer Durchsetzungsintensität bemerkenswert. So konnte bereits früh der Irak auf die ‚To-Do-Liste’ gesetzt werden.
Grundtendenzen einer hegemonial ausgerichteten, teils liberalen, teils imperialen Weltpolitik der USA zeigten sich bereits ab 1941 und werden von einer Art Doppelziel dominiert. Sich dessen bewusst zu sein, hilft die Außenpolitik unter George W. Bush besser zu verstehen. Zum einen ist „…der Wille, weltweit Macht und Einfluss auszuüben…“ angelegt, zum anderen wird ein Versprechen von Freiheit und Globalität offeriert.
1. More than an Anomaly?: Einleitung in die Problematik des Irakkrieges und Einbettung in die theoretische Diskussion der Internationalen Beziehungen.
2. Societal Preferences and Foreign Policy: Theoretische Fundierung durch den Liberalismus und Vorstellung des analytischen Modells.
3. The road to war: Analyse der Entscheidungsfindung in der Administration, der Öffentlichkeit und dem Kongress zwischen 2001 und 2003.
4. Mission completed?: Betrachtung des Kriegsverlaufs und der kurzzeitigen Stärkung der Administration sowie der Unterordnung des Kongresses.
5. Fiasco Unfolding: Untersuchung der defensiven Phase der Bush-Administration zwischen 2003 und 2005 sowie des wachsenden Widerstands.
6. The need for more research: Zusammenfassende Einordnung der Ergebnisse im Lichte der Liberalen Theorie und Ausblick auf Forschungsbedarf.
7. Chronik der Golfkriege: Tabellarische Übersicht historischer Eckpunkte der US-Irak-Beziehungen.
Irakkrieg, Liberale Theorie, Bush-Administration, Außenpolitik, Präferenzbildung, Demokratie, Sicherheitsdilemma, Neokonservatismus, Kongress, Öffentlichkeit, Manipulation, Bedrohungswahrnehmung, Souveränität, Intervention, Machtbalance.
Die Arbeit analysiert die Ursachen des Irakkrieges aus der Perspektive der Liberalen Theorie und untersucht, wie die US-Administration in einer Demokratie trotz einer rationalen, kriegsaversen Öffentlichkeit den Krieg durchsetzen konnte.
Die Themenfelder umfassen die US-Außenpolitik unter George W. Bush, die Rolle von Entscheidungsprozessen in Demokratien, die Beeinflussbarkeit der Öffentlichkeit durch Information und die Machtverschiebung zwischen Regierung und Parlament.
Das Ziel ist es zu verifizieren, ob der Irakkrieg eine Widerlegung des Neoliberalismus darstellt oder ob dessen Zustandekommen durch die theoretisch erklärbare Verzerrung von Präferenzbildungsprozessen innerhalb eines defekten demokratischen Systems als Anomalie verstanden werden kann.
Die Arbeit verwendet die Liberale Theorie internationaler Beziehungen, erweitert durch systemtheoretische Ansätze und Manipulationsargumente, um eine akteursbezogene, "bottom-up"-orientierte Analyse durchzuführen.
Der Hauptteil analysiert chronologisch das Vorgehen der Bush-Administration, die Reaktion des Kongresses und der Öffentlichkeit vor, während und nach dem Krieg sowie die Machtdynamiken zwischen diesen Akteuren.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem "Rally around the flag", "Bush-Doktrin", "Neokonservatismus", "Präferenzbildung", "Informationskontrolle" und "imperiale Präsidentschaft".
Die Arbeit betont die Bedeutung der "Framing-Power" und des "medialen Agenda Settings" durch die Administration, die durch patriotische Berichterstattung eine kritische Information der Bevölkerung unterdrückten.
Der Kongress wird anfangs als untergeordnet gegenüber dem "Kriegspräsidenten" dargestellt, gewinnt jedoch im Zeitverlauf – besonders ab 2004/2005 – durch parteipolitische Polarisierung und Skandale an Eigenständigkeit und Kontrollmacht zurück.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Irakkrieg das Ergebnis manipulierter Präferenzbildungsprozesse war und dass die Rückkehr zu einer informierten Öffentlichkeit zwangsläufig zu einem außenpolitischen Kurswechsel führen musste.
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