Magisterarbeit, 2006
84 Seiten, Note: 1,7
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1 Einleitung
2 Gründung und Organisationsstruktur
2.1 „Eine auch politisch scharfe Waffe“ – Löwensteins politische Überlegungen und die Gründung der AmGuild
2.2 Organisationsstrukturen
3 Selbstverständnis
3.1 Nur eine Hilfsorganisation? – Das Selbstverständnis der AmGuild
3.2 Das Selbstverständnis der Exilakademie
3.2.1 Die „Deutsche Akademie mit einem amerikanischen Mantel“ – Das Problem der nationalen Zuschreibung
3.2.2 „Seeking to preserve German Cultural Freedom“ – Bewahrung durch Repräsentation
3.2.3 Bewahrung durch Aktion
4 Praxis
4.1 Geldprobleme – „For, unfortunately, money is and will remain the nervus rerum“
4.1.1 Konzepte und Strategie des Fundraising
4.1.2 Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising-Praxis
4.2 Stipendienvergabe
4.3 Der literarische Wettbewerb
5 Auflösung von AmGuild und Exilakademie
6 Zwischenüberlegung
7 Akkomodation als Strategie des Exils
8 Fazit
Die Arbeit untersucht die Geschichte der American Guild for German Cultural Freedom und der ihr angeschlossenen Exilakademie, um das Spannungsfeld zwischen deren öffentlichem Selbstverständnis als unpolitische Kulturorganisation und der tatsächlichen, strategisch-politischen Intention ihres Gründers Hubertus Prinz zu Löwenstein sowie der praktischen Organisationsarbeit zu analysieren.
3.1 Nur eine Hilfsorganisation? – Das Selbstverständnis der AmGuild
Volkmar Zühlsdorff hat die AmGuild rückblickend als „amerikanische Hilfsorganisation für die Exilakademie“ bezeichnet. Diese Einschätzung ist partiell auch von der Forschung übernommen worden, obwohl sie nicht unproblematisch ist.
Zwar ist die Charakterisierung der AmGuild als „amerikanisch“ - abgesehen von ihrer nominellen Selbstbeschreibung - aufgrund ihres juristischen Status letztendlich nicht bestreitbar. Doch muss hinzugefügt werden, dass sich auf der zweiten, eben der operativen Ebene ihres Organigramms, nicht wenige Entscheidungsträger finden, die deutsche Exilierte waren, wie etwa Löwenstein und Zühlsdorff, aber auch die Direktoren Leopold Lichtwitz, Hans Staudinger, Leopold Stokowski, Eduard Heimann und später Erika Mann.
Darüber hinaus waren auch von den 22 Mitgliedern des Gründungsausschusses der AmGuild neun kurz zuvor aus dem Deutschen Reich emigriert. Weitere sechs Mitglieder waren nachweislich deutscher Abstammung, sind also dem deutschamerikanischen Milieu zuzuordnen. Nur sieben der 22 ersten Amtsträger der AmGuild waren amerikanische Staatsbürger ohne deutschen Einwanderungshintergrund.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Forschungsstand und stellt die Hypothese auf, dass die geringe wissenschaftliche Aufmerksamkeit für die AmGuild auf deren Sonderstellung und eine mögliche funktionelle Diskrepanz zwischen Repräsentation und Praxis zurückzuführen ist.
2 Gründung und Organisationsstruktur: Dieses Kapitel analysiert die Entstehung der Organisation unter Hubertus Prinz zu Löwenstein und legt dar, wie persönliche politische Ambitionen zur Gründung führten, die als Vorstufe einer Exilregierung konzipiert war.
3 Selbstverständnis: Hier wird das Selbstverständnis der AmGuild und der Exilakademie untersucht, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen offizieller Überparteilichkeit und dem Ziel einer geistigen sowie politischen Repräsentation liegt.
4 Praxis: Dieser Hauptteil widmet sich der konkreten Umsetzung der Organisationsarbeit, insbesondere den Fundraising-Schwierigkeiten, der Stipendienvergabe an Exilanten und dem gescheiterten literarischen Wettbewerb.
5 Auflösung von AmGuild und Exilakademie: Das Kapitel zeichnet den Prozess des Scheiterns nach, der durch interne Machtkämpfe, politische Differenzen zwischen Löwenstein und der Familie Mann sowie zunehmende finanzielle Engpässe geprägt war.
6 Zwischenüberlegung: Eine methodische Reflexion über den Erfolg der Organisation, die zu dem Ergebnis kommt, dass die AmGuild trotz ihrer Ineffizienz in Teilbereichen einen nachweisbaren Einfluss auf das Überleben exilierter Künstler hatte.
7 Akkomodation als Strategie des Exils: Abschließend wird die Arbeit als Ausdruck einer strategischen Akkomodation Löwensteins an die USA interpretiert, wobei der Akkomodationsbegriff genutzt wird, um die Verknüpfung von Exil und Emigration neu zu bewerten.
8 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die politische Instrumentalisierung durch Löwenstein die karitative Arbeit der Organisation nicht entwertet, aber die forschungsgeschichtliche Vernachlässigung durch eine rhetorische "Camouflage" mitverursacht hat.
American Guild for German Cultural Freedom, Exilakademie, Hubertus Prinz zu Löwenstein, deutsches Exil, Exilforschung, Stipendienvergabe, Fundraising, politische Repräsentation, Nationalsozialismus, Intellektuelle im Exil, Thomas Mann, Organisationsgeschichte, Akkomodation, Hilfsorganisation, Widerstand.
Die Arbeit analysiert die Geschichte und die organisatorische Praxis der "American Guild for German Cultural Freedom" und der ihr angegliederten "Deutschen Akademie im Exil" in den Jahren 1935 bis 1941.
Die Untersuchung konzentriert sich auf das Selbstverständnis der Akteure, die Organisationsstruktur, die Fundraising-Praktiken, die Vergabe von Stipendien und das Scheitern des literarischen Wettbewerbs der Organisation.
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem offiziellen, repräsentativen Selbstverständnis als überparteiliche Hilfsorganisation und den eigentlich intendierten politischen Zielen des Gründers Hubertus Prinz zu Löwenstein aufzudecken.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Aktenanalyse der im Deutschen Exilarchiv in Frankfurt am Main gelagerten Sach- und Personalakten der Organisation sowie die Auswertung von Autorennachlässen und zeitgenössischen Dokumenten.
Der Hauptteil analysiert detailliert, wie finanzielle Mittel beschafft wurden, welche Rolle der "European Council" spielte und warum die Organisation trotz prominentester Unterstützung mit finanziellen und strukturellen Problemen kämpfte.
Wichtige Begriffe sind unter anderem AmGuild, Exilakademie, Löwenstein, "Anderes Deutschland", Fundraising, Stipendien und Akkomodation.
Weil der Gründer Hubertus Prinz zu Löwenstein die Organisation aus eigener Kraft aufbaute und die "Brauchbarkeit" von Netzwerken geschickt nutzte, um sowohl den Exilanten materiell zu helfen als auch seine eigenen politischen Ambitionen zu verfolgen.
Thomas Mann war eines der aktivsten Mitglieder, das durch seine prominente Stellung die Öffentlichkeitsarbeit und die Spendeneinwerbung maßgeblich unterstützte, jedoch in scharfen Konflikt mit Löwensteins politischer Instrumentalisierung geriet.
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