Bachelorarbeit, 2019
42 Seiten, Note: 1
1. Das Einleit (.) äh die Einleitung
1.1. Fragestellung und Aufbau der Arbeit
1.2. Korpora und Transkription
2. Definition und Abgrenzung des Phänomens
2.1. Die Phasen einer Reparatur
2.2. Selbst- und Fremdreparaturen
2.3. Selbstreparaturtypen
3. Die Analyse
3.1. Selbstreparaturoperationen
3.2. Abbruch
3.2.1. Das kleine bisschen zwischen Reparandum und Abbruchpunkt
3.2.2. Abbruch der ursprünglichen Äußerung – aber wo?
3.3. Retraktion
3.3.1. Die Distanz zwischen Reparandum und Retraktionspunkt
3.3.2. A bit of the talk
4. Resümee
Diese Bachelorarbeit untersucht die syntaktische Struktur und Organisation von redezuginternen selbstreparierten Korrekturen in deutschen Alltagsgesprächen. Ziel ist es zu analysieren, an welcher Stelle ein Sprecher eine Äußerung abbricht und zu welcher syntaktischen Position er zurückkehrt, um die Reparatur durchzuführen, wobei ein Korpus aus spontaneously gesprochenen Dialektgesprächen als empirische Basis dient.
2.1. Die Phasen einer Reparatur
Wie bereits erwähnt, fassen Schegloff et al. (1997) eine Reparatur als einen Vorgang auf, bei dem der Sprecher einen Teil seines Redezuges dergestalt verändert, dass eine Orientierung an einem Fehler oder Problem (im weitesten Sinne) angenommen werden kann. Eine weitere Definition von Fox und Jasperson (1995, S. 80) lautet wie folgt: „We define repair here, as any instance in which an emerging utterance is stopped in some way, and is then aborted, recast, or redone.” Eine sehr allgemeine Beschreibung des Phänomens, die allerdings nur deutlich macht, dass es sich um einen Vorgang handelt, bei dem eine Äußerung zunächst gestoppt und dann abgebrochen wird, bevor sie neu zusammengestellt oder neu verfasst wird. Anders als in der geschriebenen Sprache, bei der es auch zu Störungen und Reparaturen kommt, die im Normalfall aber nicht sichtbar sind, hinterlassen Reparaturen in kommunikativen Interaktionen somit „sprachliche Spuren“ (Gülich & Kotschi 1996, S. 38), die allen Gesprächsteilnehmern zugänglich sind. Ein zentraler Aspekt wird daher in der Definition ausgelassen: Von wem wird die Äußerung abgebrochen und von wem wird diese repariert? Es lassen sich nämlich speziell in spontanen Alltagsgesprächen unterschiedliche Szenarien beobachten: Das Gesagte beinhaltet zwar einen Fehler, aber weder vom Produzenten noch vom Rezipienten bemerkt oder aber von beiden Gesprächsteilnehmern bewusst ignoriert, weil es für den erfolgreichen Fortgang der Konversation ohnehin nicht relevant ist. Wird der Fehler vom Sprecher produziert, kann dieser die Äußerung selber abbrechen und die Reparatur durchführen. Oder aber der Rezipient erkennt, dass das Gesagte fehlerhaft ist, bricht die Äußerung seines Gesprächsteilnehmers ab und repariert diese. Bevor die verschiedenen Szenarien in Kapitel 2.2. etwas näher dargestellt werden, sollen im Folgenden zunächst die drei zentralen Phasen der Reparaturorganisation laut Schegloff et al. (1977) erläutert werden, da diese die Grundlage für das Verständnis der weiteren Kapitel bilden: Das Reparandum, also die Problemquelle selbst, gefolgt von Reparaturinitiierung und Reparaturdurchführung.
1. Das Einleit (.) äh die Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema der Selbstreparaturen ein, erläutert die Bedeutung für die Konversationsanalyse und stellt die Forschungsfragen sowie die methodische Basis vor.
2. Definition und Abgrenzung des Phänomens: Hier werden die theoretischen Grundlagen gelegt, indem Reparaturphasen, die Unterscheidung zwischen Selbst- und Fremdreparaturen sowie verschiedene Typen von Reparaturen definiert werden.
3. Die Analyse: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil der Arbeit, in dem die Reparaturopationen sowie die strukturelle Position von Abbruch und Retraktion anhand des Datenkorpus detailliert ausgewertet werden.
4. Resümee: Das Abschlusskapitel fasst die zentralen Ergebnisse der Analyse zusammen und reflektiert die Bedeutung der Erhaltung syntaktischer Identität bei Selbstreparaturprozessen.
Selbstreparatur, Konversationsanalyse, Reparaturorganisation, Redezug, Syntax, Abbruchpunkt, Retraktion, Reparandum, Reparaturinitiierung, Gesprächslinguistik, Alltagsgespräche, syntaktische Struktur, Wiederholung, Substitution, Sprachinteraktion.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Erforschung redezuginterner Selbstreparaturen in der gesprochenen deutschen Sprache, insbesondere unter dem Aspekt der syntaktischen Struktur.
Die zentralen Felder umfassen die Organisation von Reparaturabläufen, die Rolle von Abbruchpunkten in Sätzen und die Bedingungen, unter denen Sprecher bei der Reparatur in der syntaktischen Struktur zurückspringen (Retraktion).
Es soll geklärt werden, an welcher Stelle im Satz ein Sprecher eine Äußerung abbricht, um eine Reparatur einzuleiten, und zu welchem Punkt in der syntaktischen Abfolge er anschließend zurückkehrt.
Die Untersuchung basiert auf einer gesprächsanalytischen Methode. Es wurde ein Korpus aus spontanen Alltagsgesprächen aus Ulrichsberg (Oberösterreich) ausgewertet, wobei 885 Selbstreparaturen transkribiert und nach verschiedenen Operationstypen kategorisiert wurden.
Der Hauptteil analysiert die konkreten Selbstreparaturoperationen (Wiederholung, Substitution, Insertion, Tilgung) sowie die quantitativen Tendenzen bei der Platzierung von Abbruchpunkten und der Distanz von Retraktionspunkten.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Selbstreparatur, Konversationsanalyse, Reparaturorganisation, Syntax, Reparandum, Abbruchpunkt und Retraktion charakterisiert.
Für den Sprecher ist die Beibehaltung der syntaktischen Kategorie und der ursprünglichen Satzstruktur essentiell, um den geringsten "Produktionsaufwand" zu haben und die Verständlichkeit für den Gesprächspartner zu gewährleisten.
Die Retraktion dient dazu, den Sprecher an einen Punkt vor dem eigentlichen Fehler (dem Reparandum) zurückzuführen, um dort neu anzusetzen, was laut der Arbeit in über 50 % der Fälle ohne Distanz (direkt) erfolgt.
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