Diplomarbeit, 2005
104 Seiten, Note: 1,3
1 IDENTITÄTSBILDUNG
1.1 Wer ist Jude?
1.2 Jüdische Sozialisation
1.2.1 Religiöse Grundlagen des Judentums
1.2.1.1 Die Heiligen Bücher
1.2.1.2 Gottesdienst und Gebet
1.2.2 Jüdisches Leben und jüdischer Ritus im Alltag
1.2.3 Der jüdische Kalender
1.2.4 Feste und Feiertage
1.2.4.1 Der Schabbat
1.2.4.2 Die ernsten Feste
1.2.4.3 Die freudigen Feste
1.2.4.4 Die freudigen Gedenktage
1.2.4.5 Die traurigen Gedenktage
1.3 Jüdische Identitätsbildung
1.3.1 Jüdische Identität in der Geschichte
1.3.1.1 Das Mittelalter
1.3.1.2 Das Zeitalter der Emanzipation bis zum Zweiten Weltkrieg
1.3.1.3 Die Zeit der Naziherrschaft 1939 – 1945
1.3.1.4 Die Zeit nach 1945
1.3.2 Jüdische Identität heute
1.3.2.1 Jüdisches Leben in Deutschland
1.3.2.2 Jüdische Identität in Israel
1.4 Deutsche Identitätsbildung
1.4.1 Jüdische Stereotype und Vorurteile
1.4.2 Die Auswirkungen der Shoah auf die Identitätsbildung in der Bundesrepublik Deutschland
1.4.3 Deutsche Identität heute
2 DER DIALOG
2.1 Bedeutung und Ziele eines Dialogs
2.2 Die Geschichte des deutsch- jüdischen Dialogs
2.2.1 Was geschah nach der Shoah?
2.2.2 Erste Schritte einer Annäherung
2.2.3 Erste Begegnungen
2.2.4 Diplomatische Beziehungen
2.3 Der Dialog heute
2.3.1 Politischer Dialog
2.3.2 Der Dialog in Wissenschaft und Wirtschaft
2.3.3 Der interreligiöse Dialog
2.3.4 Der interkulturelle Dialog
2.3.5 Der persönliche Dialog
2.4 Besonderheiten des deutsch - jüdischen Dialogs
2.4.1 Der Dialog innerhalb Deutschlands
2.4.2 Der Dialog mit Israel
2.4.3 Respekt, Beachtung, Rücksichtnahme
3 HANDLUNGSFELDER DER SOZIALPÄDAGOGIK
3.1 Politische Bildung als Teil der Sozialpädagogik - Ziele und Zielgruppe
3.1.1 Inhalte der Politischen Bildung im deutsch-jüdischen Verhältnis
3.2 Auswertung des Fragebogens
3.3 Deutsche und israelische Jugendliche – eine Bestandsaufnahme
3.4 Resultierende Aufgaben und Ziele für die Sozialpädagogik
3.4.1 Fortbildung für Pädagogen
3.4.2 Heranführung an die jüdische Kultur und Religion
3.4.3 Aufklärung
3.4.4 Sprachlosigkeit überwinden
3.4.5 Die Shoah auf die Gegenwart und die Zukunft beziehen
3.4.6 Übernahme der historischen Verantwortung
3.4.7 Prävention und Intervention von Antisemitismus und Rechtsradikalismus
3.4.8 Förderung eines Dialogs
3.5 Methoden
3.5.1 Projekte historischen Lernens
3.5.2 Kennenlernen durch gemeinsames Feiern von Festen
3.5.3 Projekt „Chat Forum“
3.5.4 Das Projekt „Interreligiöses Jugendcamp“
3.5.5 Förderung des Jugendaustausches
3.5.6 Förderung der Freiwilligenarbeit
Die Diplomarbeit zielt darauf ab, das komplexe Verhältnis zwischen Deutschen, Juden und Israelis zu analysieren und daraus konkrete Aufgaben sowie Handlungsmöglichkeiten für die politische Bildung im Kontext der Sozialpädagogik abzuleiten. Dabei steht der Dialog als zentrales Mittel zur Überwindung historischer Belastungen und zur Förderung des Verständnisses zwischen den Generationen und Kulturen im Vordergrund.
1.3.1.3 Die Zeit der Naziherrschaft 1939 – 1945
Der Antisemitismus des Nationalsozialismus wirkte identitätsverstärkend, da der Weg zur Assimilation verstellt wurde. Der Holocaust demonstrierte das Versagen der Eingliederung und Assimilation, denn auch völlig assimilierte Juden und sogar Christen in der zweiten Generation wurden als Nichtarier klassifiziert und zusammen mit religiösen Juden, Zionisten, Marxisten, bürgerlichen und proletarischen Juden ihrer Bürger- und Menschenrechte beraubt.
Mit dem Begin des Nationalsozialismus 1933 propagierte Hitler einen rassistischen Antisemitismus. Antijüdische Maßnahmen wurden umgehend eingeleitet und ständig verschärft. 1935 wurden die „Nürnberger Gesetze“ beschlossen und in Kraft gesetzt. Sie waren der entscheidende Schritt zur gesetzlichen Deklassierung von Juden und anderer Minderheiten. Die spätere massive Verfolgung bis hin zur „Endlösung“ gründete sich auf diese „pseudowissenschaftliche“ rassistische Gesetzgebung. 1938 wurden bereits alle, von den Nationalsozialisten als Juden bestimmten, namentlich gekennzeichnet. Sie mussten den neuen Zusatznamen „Sara“ bzw. „Israel“ annehmen, der in keinem Dokumenten fehlen durfte. Ab 1941 wurden alle Juden verpflichtet, als Kennzeichnung einen gelben Stern zu tragen. Die Nationalsozialisten verfolgten und terrorisierten die jüdische Bevölkerung durch gesetzliche Verordnungen und Willkürmaßnahmen. In der „Wannseekonferenz“ am 20.01.1942 wurden die Deportation und die Ausrottung des gesamten europäischen Judentums beschlossen. Zwischen 1941 und 1945 fand der Völkermord an den Juden statt.
Die jüdischen Reaktionen zum Beginn des Nationalsozialismus waren gespalten und in einigen Kreisen sogar übertrieben optimistisch, da man sowohl an Deutschland, als auch an eine Verbesserung der Lebensbedingungen glaubte. Die große Mehrheit blieb somit, trotz der aufkommenden Bedrängnisse und Bedrohungen, weiterhin nationaldeutsch gesinnt. Die in den letzten 150 Jahren gewachsene Identifikation der Juden mit Deutschland ließ die Einsicht auf eine reale Gefahr nicht zu. Sie waren zu tief mit dem Deutschtum verwurzelt, um akzeptieren zu können, dass sie nicht mehr gewollt waren.
1 IDENTITÄTSBILDUNG: Untersucht die theoretischen Grundlagen individueller und kollektiver Identität sowie den historischen Wandel der jüdischen und deutschen Identitätsbildung inklusive der Auswirkungen der Shoah.
2 DER DIALOG: Analysiert die historische Entwicklung, die Ziele und die gegenwärtigen Ebenen des deutsch-jüdischen Dialogs zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
3 HANDLUNGSFELDER DER SOZIALPÄDAGOGIK: Erläutert die Aufgaben der politischen Bildung zur Förderung der Erinnerungsarbeit und stellt Methoden sowie Projektergebnisse für den Abbau von Vorurteilen bei Jugendlichen dar.
Judentum, Shoah, Identitätsbildung, Antisemitismus, Erinnerungskultur, Historische Verantwortung, Deutsch-jüdischer Dialog, Politische Bildung, Sozialpädagogik, Vorurteile, Assimilation, Israel, Jugendaustausch, Holocaustverdrossenheit, Versöhnung
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der historischen und gegenwärtigen Beziehungen zwischen Deutschen und Juden bzw. Israel. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Frage, wie die jüdische Identitätsbildung durch Geschichte und Gegenwart beeinflusst wird und welche Konsequenzen sich daraus für die deutsche Gesellschaft ergeben.
Zentrale Themen sind die theoretische Identitätsbildung, die Geschichte des Antisemitismus, der Einfluss der Shoah auf nachfolgende Generationen, die Bedeutung des deutsch-israelischen Dialogs sowie die Rolle der sozialen Arbeit und politischen Bildung in der heutigen Gesellschaft.
Das Ziel ist es, auf Basis einer geschichtlichen und inhaltlichen Herleitung Handlungsfelder für die politische Bildung und Sozialpädagogik aufzuzeigen, um gegen Antisemitismus und Vergessen vorzugehen und einen konstruktiven Dialog zu fördern.
Neben einer umfassenden theoretischen Aufarbeitung der historischen Zusammenhänge führt die Autorin eine empirische Stichprobe in Form eines Fragebogens in einer Schulklasse durch, um Kenntnisstände und Einstellungen Jugendlicher zu den behandelten Themen zu eruieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Identitätsbildung, eine detaillierte Analyse der Dialogformen (politisch, interreligiös, interkulturell) und die Ableitung pädagogischer Handlungsfelder wie Fortbildung, Aufklärung und verschiedene Austauschprojekte.
Wesentliche Begriffe sind Judentum, Shoah, Historische Verantwortung, deutsch-jüdischer Dialog, Politische Bildung, Identität und Antisemitismusprävention.
Die Umfrage zeigte ein hohes Defizit an persönlichem Wissen über Juden und Judentum sowie eine weit verbreitete Gleichgültigkeit. Gleichzeitig offenbarte sie jedoch ein latent vorhandenes Interesse an der Thematik und den Wunsch nach besseren, unverkrampften Informationsmöglichkeiten.
Die Autorin betont, dass die vierte Generation zwar nicht die Schuld an der Shoah trägt, aber die Pflicht des Erinnerns und der historischen Verantwortung wahrnehmen muss, um eine Wiederholung solcher Verbrechen zu verhindern.
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