Examensarbeit, 2018
76 Seiten, Note: 1,00
Einleitung
1. Geschichtsvermittlung via historisches Fest: Chancen und Risiken
1.1 Das historische Fest: Definition und wesentliche Bestandteile
1.2 Das historische Fest und seine Vermittlung von Geschichte
1.3 Der Einfluss historischer Feste auf das Geschichtsbewusstsein
1.4 Das historische Fest im Wandel der Zeit
2. Die Person Wallenstein
2.1 Wallenstein im Kontext des Dreißigjährigen Krieges
2.2 Die zwiespältige Erinnerung an Wallenstein
2.3 Wallensteins Einzug und Aufenthalt in Memmingen
3. Die Entwicklung der Wallensteinveranstaltungen bis zur Gegenwart
3.1 Die Entstehung und Entwicklung bis 1945
3.2 Die Neugestaltung des Großen Fischertags 1980
3.3 Die Beweggründe und die Debatte um das Wallenstein‐Motiv
3.4 Die Vorbereitungen der Memminger Bevölkerung auf „ihren Wallenstein‐Sommer“
3.5 Die weitere Entwicklung bis heute
4. Der Programmablauf des „Wallenstein‐Sommers“ und seine historische
4.1 Die Gruppen
4.2 Der Einzug Wallensteins
4.3 Der historische Kirchgang
4.4 Die „Beschau der Weberwar“
4.5 Das Theater
4.6 Lagerleben und Lagerspiele
5. Ergebnisse
5.1 Der „Wallenstein‐Sommer“ als „feierlicher“ Event?
5.2 „Imitatio historiae“ oder „Luxurierung“?
5.3 Die Geschichtsvermittlung beim „Wallenstein‐Sommer“
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit der „Wallenstein-Sommer“ in Memmingen als „historisches Fest“ im Sinne einer „imitatio historiae“ betrachtet werden kann oder ob die Veranstaltung eher Züge einer „Luxurierung“ und oberflächlichen Unterhaltung trägt. Dabei wird die Vermittlung von Geschichte und deren Einfluss auf das Geschichtsbewusstsein von Mitwirkenden und Zuschauern analysiert, mit dem Ziel zu klären, wie die ambivalente historische Figur Wallenstein in einem modernen städtischen Rahmen dargestellt wird, ohne in unkritische Geschichtsverfälschung zu verfallen.
2.3 Wallensteins Einzug und Aufenthalt in Memmingen
Auf die bevorstehende Ankunft Wallensteins hatten sich die Reichsstädter gebührend vorbereitet, da freilich auch ihnen die Kunde von seinen verheerenden Ausbeutungen zu Ohren gekommen sind, die zu einer Zeit, in der horrende Kriegssteuern erhoben wurden und auch ohne Krieg schon eine akute Mangelwirtschaft geherrscht hatte, als unerträgliche Zusatzbelastung empfunden worden sein müssen. Den Memmingern erging es zu der Zeit noch vergleichsweise gut: Sie hatten genug zum Leben, da das Erntejahr relativ ertragreich und die Lebensmittelpreise dementsprechend stabil und erschwinglich waren. Mut hätte ihnen eigentlich auch Wallensteins Übermittlung machen müssen, in der er versichert hatte, dass sein Heer sich diszipliniert aufführen, er keine besonderen Ansprüche erheben, alles bar bezahlen werde und er für sich und sein Gefolge lediglich faire Preise verlange. Dennoch veröffentlichte der Memminger Rat eine Art Verhaltenskatalog für die städtische Bevölkerung, in dem „väterlich und ernstlich daran erinnert [wurde], dass jedermann gegenüber Personen hohen und niederen Standes sowie gegenüber den Offizieren, die zum fürstlichen Hofstaat gehören, aber auch den Reitern und Soldaten mit aller gebührenden Ehrerbietung entgegenzutreten“ hatte. Dieser „Ehrerbietung“ sollte en détail mit einer allgemeinen Ausgangssperre bei Nacht sowie insbesondere während Wallensteins Einzug mit der Einhaltung der öffentlichen Ordnung und der Reinhaltung der Häuser und Gassen entsprochen werden, um jeder Konfrontation vor allem mit Wallensteins Soldaten aus dem Weg zu gehen. Ein entsprechender Appell richtete sich insbesondere an Handwerker und Händler: Mit Nachdruck wurden sie ermahnt, mit Wallensteins Gefolge keine unlauteren Geschäfte zu treiben.
Einleitung: Einführung in die Thematik der traditionellen Festkultur in Bayern und die spezifische Problemstellung des „Wallenstein-Sommers“ im Hinblick auf Geschichtsvermittlung und historische Genauigkeit.
1. Geschichtsvermittlung via historisches Fest: Chancen und Risiken: Theoretische Grundlegung des Begriffs „historisches Fest“ sowie Analyse der Risiken von „Luxurierung“ und Verzerrung des Geschichtsbewusstseins.
2. Die Person Wallenstein: Historischer Abriss über den Lebens- und Karriereweg Wallensteins vom Aufstieg bis zur Entmachtung und seine widersprüchliche Wahrnehmung in Geschichtsschreibung und Forschung.
3. Die Entwicklung der Wallensteinveranstaltungen bis zur Gegenwart: Historische Darstellung der Entstehung des Festes aus dem Fischertag, die Neugestaltung 1980 und die damit verbundenen gesellschaftlichen Kontroversen.
4. Der Programmablauf des „Wallenstein‐Sommers“ und seine historische Grundlage: Detaillierte Prüfung der verschiedenen Programmpunkte und Gruppen auf ihre historische Authentizität hin und Analyse des Spannungsfeldes zur Inszenierung.
5. Ergebnisse: Synthese der vorangegangenen Kapitel zur Beantwortung der Frage, ob der „Wallenstein-Sommer“ als authentisches historisches Fest oder als bloße Unterhaltungsinszenierung zu werten ist.
Wallenstein, Memmingen, Geschichtsbewusstsein, Historisches Fest, Geschichtsvermittlung, Dreißigjähriger Krieg, Identifikation, imitatio historiae, Stadtgeschichte, Festkultur, Erinnerungskultur, Volksstücke, Historizität, Stadtfest, Fischertagsverein.
Die Arbeit untersucht, wie das historische Ereignis des Wallenstein-Aufenthalts 1630 in Memmingen durch den heutigen „Wallenstein-Sommer“ inszeniert wird und welche Auswirkungen dies auf die geschichtliche Wahrnehmung der Akteure und Zuschauer hat.
Im Zentrum stehen die Methodik der Geschichtsvermittlung bei historischen Festen, die Biographie Wallensteins, die Tradition der Memminger Festspiele sowie der kritische Umgang mit dem Begriff „historische Authentizität“.
Die zentrale Frage ist, ob der „Wallenstein-Sommer“ tatsächlich als „historisches Fest“ gelten kann oder ob Merkmale einer „Luxurierung“ – also einer romantisierenden, unkritischen und unterhaltungsorientierten Darstellung – überwiegen.
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, historische Primärquellen (Chroniken, Ratsprotokolle) sowie auf eine evaluierende Untersuchung der Festspiel-Strukturen und der darin vermittelten Geschichtsbilder.
Der Hauptteil analysiert die historischen Gruppen, den Programmablauf, die Rolle der Akteure und die methodische Umsetzung der Inszenierung vor dem Hintergrund der Erkenntnisse aus der Geschichtsdidaktik.
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Wallenstein, Memmingen, Geschichtsbewusstsein, imitatio historiae, Historizität und Erinnerungskultur charakterisiert.
Der Autor unterscheidet bewusst intendierte Lernziele der Veranstalter (wie historische Rekonstruktion) von funktionalen, oft unbewussten Wirkungsprozessen, die bei den Zuschauern teilweise verzerrte oder rein emotionale Geschichtsbilder erzeugen können.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der „Wallenstein-Sommer“ eine hohe Historizität anstrebt und erreicht, wobei Teilaspekte, wie bestimmte Unterhaltungsformen, als notwendiges, wenn auch kritisch zu hinterfragendes Zugeständnis an die wirtschaftliche Rentabilität gewertet werden.
Der Autor schlägt vor, die Ambivalenz der Figur Wallenstein stärker durch QR-Codes oder Vorträge zu verdeutlichen und unhistorische Fiktionen noch klarer als solche zu kennzeichnen, um das kritische Geschichtsbewusstsein zu fördern.
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