Magisterarbeit, 2003
105 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Motivische Vielfalt: Der Doppelgänger als künstlicher Mensch
2.1 Achim von Arnim: „Isabella von Ägypten, Kaiser Karl des Fünften erste Jugendliebe“
2.1.1 Allgemeines zu Dichter und Werk
2.1.2 Einflüsse zur Entstehung der Erzählung
2.1.3 Das Doppelgängermotiv und seine Realisation
2.1.4 Künstliche Zeugungen
2.1.5 Bella und Golem-Bella: Das Doppelgängermotiv kombiniert mit anderen Motiven
2.1.6 Spiegelungen/Verdopplungen
2.1.7 Künstliche Menschen als Sprachschöpfungen
2.2 „Melück Maria Blainville, die Hausprophetin aus Arabien“
2.2.1 Allgemein
2.2.2 Die Zueignung – der Weg zur Entstehung des Doppelgängers
3. E.T.A. Hoffmann: Die Abgründe des Doppelgängermotivs – menschliche Doppelgänger und unheimliche Automate
3.1 „Die Elixiere des Teufels“
3.1.1 Allgemein
3.1.2 Einflüsse
3.1.3 Die Liebeskonzeption
3.1.4 Zum Aufbau und wichtigen Elementen des Romans
3.1.5 Die verbrüderten Doppelgänger
3.1.6 Weitere wichtige Motive
3.2 „Die Doppeltgänger“
3.2.1 Entstehung
3.2.2 Die Geschichte der Doppeltgänger
3.3 „Die Automate“
3.3.1 Allgemein
3.3.2 Das Automatenmotiv
3.4 Im Zwiespalt der „Duplizität“: „Der Sandmann“
3.4.1 Allgemein
3.4.2 Wissenschaftliche und kulturelle Prozesse der Zeit
3.4.3 Struktur und Motive des „Sandmanns“
3.4.4 Die Ich-Problematik am Beispiel Nathanaels
3.4.5 Das Automatenmotiv
3.4.6 Das Doppelgängermotiv
4. Clemens Brentano: Die Auflösung des Schreckens in der ironischen Potenzierung: „Die mehreren Wehmüller und ungarischen Nationalgesichter“
4.1 Allgemein
4.2 Zur Forschung
4.3 Motivik und Aufbau
4.4 Zum Text und zum Doppelgänger Wehmüller
4.5 Die Eigenheiten des Doppelgängermotivs
5. Der fehlende Doppelgänger: Adelbert von Chamisso: „Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte“
5.1 Allgemein
5.2 Einflüsse
5.3 Entstehungszeit
5.4 Bisherige Deutungen
5.5 Aufbau
5.6 Interpretation
6. Synopsis
7. Bibliographie
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht das literarische Phänomen des Doppelgängers sowie des künstlichen Menschen in der Epoche der Romantik. Ziel ist es, anhand ausgewählter Werke von Achim von Arnim, E.T.A. Hoffmann, Clemens Brentano und Adelbert von Chamisso die Vielfalt der Motivgestaltung aufzuzeigen und zu beweisen, dass in der romantischen Literatur keine stereotype Verwendung dieser Motive vorherrschte.
2.1.5 Bella und Golem-Bella: Das Doppelgängermotiv kombiniert mit anderen Motiven
Was uns bei diesem Doppelgängerpaar auffällt, ist die Tatsache, dass ein künstlich geschaffener Mensch zum Doppelgänger eines echten Menschen wird. Außer bei Arnim, der ähnliches auch in der „Melück“ macht, kommt das bei keinem anderen Autor in dieser Untersuchung vor. Künstliche Menschen bleiben in der Regel individualisiert, sie können zwar, wie im „Sandmann“, den Menschen täuschen und sich als Menschen ausgeben, doch sie versuchen niemals, eine konkrete, lebende Person zu ersetzen, sprich zu jemandes Doppelgänger zu werden. Diese Schwierigkeit liegt in der Realisation der Sprachgabe und Gedanken, was Arnim erkannte und durch phantastische Utensilien zu überbrücken suchte.
Wenn man so will, ging Arnim, dessen Erzählungen die ältesten innerhalb der Untersuchung sind, am weitesten, denn dem künstlichen Menschen werden die Macht der Täuschung und die Ersatzfähigkeit zugesprochen. Ja, sogar der vollständige Ersatz einer lebenden Person ist möglich und denkbar. Aber trotz allem will sich bei Arnim nie ein rechter Schrecken einstellen. In dieser Hinsicht ist Hoffmann ihm überlegen, allerdings glaube ich nicht, dass es Arnims Anliegen war, das Motiv in der Art einzusetzen, wie Hoffmann es später tat. Dafür sind ihre dichterischen Ziele und Praktiken zu verschieden.
Ein wichtiger Unterschied zu Hoffmann ist der psychologische Gehalt der Erzählung, der bei Arnim sehr gering ist. Der Doppelgänger, der eigentlich nur als Ablenkung gedacht war, stiftet Verwirrung, mehr aber auch nicht. Selbst als Bella ihrer Doppelgängerin gegenübersteht, kommt es zu keinerlei bedeutendem psychischen Kollaps. Der Golem wird mit negativen Attributen behaftet, was ganz klar an der antisemitischen Tendenz Arnims lag. Er wird zur bösen Schwester Bellas, die nur „Hochmut, Wollust und Geiz“ (S. 75) kennt. Damit werden diese schlechten Eigenschaften direkt mit den Juden verknüpft. Diese Thematik hat einen großen Raum im Werk bekommen, und die Entscheidung für das Geld oder für die Liebe ist ein zentraler Punkt.
1. Einleitung: Die Arbeit legt dar, dass Jean Pauls Definition den Ausgangspunkt bildet, um die vielfältige Ausprägung des Doppelgängermotivs und des künstlichen Menschen in der Romantik zu untersuchen.
2. Motivische Vielfalt: Der Doppelgänger als künstlicher Mensch: Achim von Arnim nutzt das Doppelgängermotiv in einer Verknüpfung mit künstlichen Geschöpfen und kabbalistischen Einflüssen, wobei der Doppelgänger primär als Täuschungsfigur dient.
3. E.T.A. Hoffmann: Die Abgründe des Doppelgängermotivs – menschliche Doppelgänger und unheimliche Automaten: Hoffmann vertieft das Motiv psychologisch, indem er Doppelgänger und Automaten als Auslöser für existenzielle Identitätskrisen und psychische Störungen einsetzt.
4. Clemens Brentano: Die Auflösung des Schreckens in der ironischen Potenzierung: „Die mehreren Wehmüller und ungarischen Nationalgesichter“: Brentano parodiert das Motiv und entkleidet es seines metaphysischen Schreckens, indem er Verwechslungen durch rationale, geschäftliche Motive erklärt.
5. Der fehlende Doppelgänger: Adelbert von Chamisso: „Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte“: Das Fehlen des Schattens wird hier als invertierte Form des Doppelgängermotivs gedeutet, welches eine tiefgreifende Identitätskrise und Selbstfindung des Helden nach sich zieht.
6. Synopsis: Das Kapitel fasst zusammen, dass während Hoffmann das Motiv psychologisch ernst nimmt, Arnim und Brentano es stärker funktional oder parodistisch verwenden, wobei Chamisso durch die Abstraktion des Schattens einen Sonderfall darstellt.
Doppelgänger, Romantik, künstlicher Mensch, Golem, Automat, Ich-Problematik, Identität, Spiegelung, Motivik, Literaturgeschichte, E.T.A. Hoffmann, Achim von Arnim, Schauerliteratur, Psychologie, Motivschichtung
Die Arbeit untersucht das Doppelgängermotiv und das Motiv des künstlichen Menschen in der romantischen Dichtung. Dabei wird analysiert, wie diese literarischen Mittel von verschiedenen Autoren genutzt wurden, um Identitätsfragen und psychologische Prozesse darzustellen.
Zu den zentralen Themen gehören die psychologische Identitätsspaltung (Ich-Problematik), die Verwechslungskomik, die Rolle des künstlichen Menschen (Golem, Automat) und die Einbindung von okkulten bzw. naturphilosophischen Einflüssen in die Literatur.
Das Ziel ist der Nachweis, dass es in der Romantik keine einheitliche oder stereotype Anwendung des Doppelgängermotivs gab. Die Autoren nutzten den Spielraum des Motivs in sehr unterschiedliche Richtungen, von psychologischem Ernst bis hin zu ironischer Parodie.
Der Autor wendet einen Methodenpluralismus an, der vor allem funktionale und deskriptive Ansätze kombiniert. Die literarischen Texte werden interpretiert, miteinander verglichen und in den Kontext der jeweiligen Epoche gestellt.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen der Werke von Achim von Arnim, E.T.A. Hoffmann, Clemens Brentano und Adelbert von Chamisso. Jedes Kapitel widmet sich den spezifischen Ausprägungen des Doppelgängermotivs bei dem jeweiligen Autor.
Charakterisierende Begriffe sind unter anderem Doppelgängerei, Romantik, Identitätssuche, Automatenbau, Spiegelung und die literarische Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche im frühen 19. Jahrhundert.
Während der Doppelgänger bei Arnim oft ein künstliches Wesen ist und zur Täuschung dient, ohne tiefgreifende psychische Krisen beim Original auszulösen, ist er bei Hoffmann eng mit menschlichen Ängsten, Wahnsinn und einer komplexen psychologischen Spaltung des Individuums verknüpft.
Der Schatten fungiert als eine Form der invertierten Doppelgängerei. Sein Verlust symbolisiert eine Entfremdung von der Gesellschaft und fungiert als Motor für eine fundamentale Suche nach Identität und den eigenen Werten in einer materialistischen Welt.
Hoffmann sieht in der „Duplizität“ ein fundamentales Strukturprinzip der menschlichen Existenz, das sich in seinen Erzählungen durch multiperspektivisches Erzählen und die Aufspaltung des Ichs in verschiedene Figuren manifestiert.
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