Bachelorarbeit, 2022
50 Seiten, Note: 2,8
1) Einleitung und Fragestellung
2) Darlegung der wissenschaftlichen Methodik
i) Diskursanalytisch
ii) Strukturalistisch
iii) Institutionenanalytisch
3) Forschungsstand
4) Zur Diskursanalyse
5) Eine Analyse des zu untersuchenden Diskurses
i) Gesamtdiskurs
ii) Diskursstrang
iii) Diskursfragmente
iv) Diskursebenen
v) Diskursposition
6) Zum Strukturalismus
7) Eine geschlechterorientierte Strukturanalyse des Textes Clavigo
i) Der Titel des Werkes
ii) Die Gliederung und Benennung des Figureninventars
iii) Die Figurenauftrittshäufigkeitstabelle: Wie oft treten Figuren (sprechende) auf?
iv) Die Ortbenennungen
8) Zur Institutionenanalyse
9) Eine Institutionen- und Machtanalyse
i) Die Institutionenanalyse nach Foucault unter Einbezug von Machtmechanismen
(1) System, Ziele, Modalitäten und Rationalisierung
(2) Die Form der Institutionalisierung
ii) Die Institutionenanalyse nach Hearns unter Einbezug von Machtmechanismen
(1) Hierarchische Heterosexualität
(2) Vaterschaft
(3) Die Professionen
(4) Der Staat
10) Fazit
11) Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das Trauerspiel „Clavigo“ von Johann Wolfgang Goethe, um zu analysieren, ob und in welcher Weise durch den männlichen Autor eine hegemoniale, heterosexuelle Sichtweise in das Textgefüge sowie die Charakterisierung der Figuren induziert wird.
Hierarchische Heterosexualität
Zuerst soll auf Hearns’ genannte hierarchische Heterosexualität eingegangen werden; in Goethes Clavigo lässt sich diese beobachten. Es ist keine einzige homosexuelle Beziehung oder eine homoerotische Szene im gesamten Clavigo zu finden. Eine eher gewagte These könnte dennoch lauten, dass Clavigo und Carlos in einem homoerotischen Verhältnis zueinander stünden, doch würde dies Carlos’ Aussage, er könne „nie ohne Weiber leben“, außer Acht lassen. Ebenso ist Clavigo auf das weibliche Geschlecht ausgerichtet, genauer: er begehrt Marie von Beaumarchais. Eine vielleicht zu bezweifelnde Stelle, die eine Möglichkeit aufzeigen würde, Clavigo als homosexuell anzusehen, wäre die folgende:
CLAVIGO Es waren gute Zeiten Carlos, Carlos, die nun vorbei sind. Ich gestehe dir gern, ich schrieb damals mit offenem Herzen, und wahr ist’s, sie hatte viel Anteil an dem Beifall, den das Publikum mir gleich anfangs gewährte. Aber in der Länge, Carlos man wird der Weiber gar bald satt, und warst du nicht der erste, meinen Entschluß Beifall zu geben, als ich mir vornahm, sie zu verlassen.
CARLOS Du wärst versauert. Sie sind gar zu einförmig. Nur, dünkt mich, wär’s wieder Zeit, daß du dich nach einem neuen Plan umsähest, es ist doch auch nichts, wenn man so ganz auf’m Sand ist.
Hier ließe sich einzig Clavigos Aussage, dass man der „Weiber gar bald satt“ würde, als eine solche interpretieren, die andeuten könnte, dass Clavigo selbst seine Ausrichtung ggü. Frauen als heterosexueller Mann geändert und sich nun homosexuell ausrichtet. Doch kann auch jene These im Kontext des Dialogs mit Carlos im 1. Akt widerlegt werden, da es nicht um Clavigo und die anderen Männer geht, denen er sich nun anstatt der Frauen zuwendet, sondern um die Arbeit bzw. die Karriere Clavigos vs. die (Ehe-)Frau bzw. das Leben mit einer Frau und einer Familiengründung.
1) Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in die machtkritische Perspektive ein und stellt die leitende These auf, dass der männliche Autor eine unreflektierte Sichtweise in das Werk induziert.
2) Darlegung der wissenschaftlichen Methodik: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Diskursanalyse, des Strukturalismus und der Institutionenanalyse detailliert erläutert.
3) Forschungsstand: Das Kapitel fasst den bisherigen Forschungsstand zusammen und verortet die Arbeit in einem methodischen Kontext.
4) Zur Diskursanalyse: Es werden die zentralen Kategorien der Diskursanalyse nach Margarete Jäger dargelegt und deren Bedeutung für die Untersuchung des vorliegenden Dramas aufgezeigt.
5) Eine Analyse des zu untersuchenden Diskurses: Dieses Kapitel wendet die Methode der Diskursanalyse konkret auf das Drama Clavigo an, indem Gesamtdiskurs, Diskursstränge und -fragmente untersucht werden.
6) Zum Strukturalismus: Die strukturalistische Methode wird als Instrumentarium eingeführt, um die Dramenstruktur offenzulegen.
7) Eine geschlechterorientierte Strukturanalyse des Textes Clavigo: Unter Verwendung einer Figurenauftrittshäufigkeitstabelle erfolgt eine Analyse, die Geschlechterdominanzen im Werk verdeutlicht.
8) Zur Institutionenanalyse: Die theoretischen Ansätze nach Foucault und Hearns dienen als Grundlage für die institutionenkritische Analyse.
9) Eine Institutionen- und Machtanalyse: In diesem Hauptteil wird die Analyse der Institutionen (Familie, Professionen, Staat) unter machtmechanischen Gesichtspunkten vertieft.
10) Fazit: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse und bestätigt die Ausgangsthese hinsichtlich einer hegemonial-männlichen Struktur des Werkes.
11) Ausblick: Abschließend wird das Potenzial einer weiterführenden literarischen Minderheitenforschung diskutiert.
Clavigo, Johann Wolfgang Goethe, Macht, Institution, Männlichkeit, Diskursanalyse, Strukturalismus, Geschlechterforschung, Patriarchat, Hegemonie, Literaturanalyse, Machtmechanismen, Figureninventar, Sozialgeschichte, Repräsentation.
Die Arbeit untersucht das Drama „Clavigo“ von Goethe auf geschlechter- und machtkritische Dynamiken hin, um die impliziten Einflüsse des männlichen Autors auf das Textgefüge zu dekonstruieren.
Die Untersuchung kombiniert drei Ansätze: die Diskursanalyse (nach Foucault/Jäger), den Strukturalismus (nach Lévi-Strauss) und die Institutionenanalyse (nach Hearns/Foucault).
Im Zentrum stehen die Konzepte von „Macht“, „Institution“ sowie „hegemonialer Männlichkeit“ und deren Auswirkung auf die Rollenverteilung und Sprechanteile der weiblichen gegenüber den männlichen Figuren im Drama.
Ziel ist es herauszufinden, ob und inwieweit das Werk Strukturmerkmale aufweist, die eine männliche Dominanz innerhalb einer patriarchalen Gesellschaft widerspiegeln.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Diskurs- sowie eine strukturalistische Analyse und führt eine umfassende Untersuchung der Institutionen (Familie, Professionen, Staat) durch.
Die Figurenauftrittshäufigkeitstabelle (FAHT) belegt quantitativ eine klare Dominanz männlicher Figuren, die zudem exklusiv mit definierten Handlungsorten in Verbindung gebracht werden, während weibliche Figuren strukturell den männlichen Akteuren untergeordnet sind.
Angelehnt an Connell wird eine Rollenkonfiguration analysiert, in der die Dominanz der Männer die soziale Ordnung stützt und die Unterordnung der Frauen als Teil der strukturellen „Normalität“ etabliert.
Der Titel, der allein den Namen einer männlichen Figur trägt, fungiert laut Analyse als erster „Paratext“, der bereits eine männliche Zentrierung vornimmt und die Rezeption des Stückes entsprechend einfärbt.
Die Ehe wird als patriarchale Institution untersucht, bei der das weibliche Geschlecht oft als „Ware“ oder „Objekt“ agiert, das den männlichen Intentionen und politisch-gesellschaftlichen Zielen geopfert werden kann.
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