Masterarbeit, 2009
177 Seiten, Note: 1,3
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1. Einleitung
2. Die Gestaltung der Parteibeziehungen im ZK-Apparat der SED
2.1. Für die Parteiaußenbeziehungen zuständige Personen und Gremien im zentralen Parteiapparat
2.2. Die Abteilung Internationale Verbindungen des ZK und ihre Mitarbeiter
3. Die SED und die Entwicklung der Programmatik des PCE in den 70er Jahren
3.1. Distanzierung des PCE von der KPdSU
3.2. Der spanische Weg zum Sozialismus
3.2.1. Der PCE verzichtet auf orthodoxe Elemente
3.2.2. Interne Abgrenzung der SED
3.2.3. Unterminierung der Begründung der SED-Herrschaft
3.3. Die kommunistische Weltbewegung und die Stellung zur KPdSU
3.3.1. „Einheit in Vielfalt“ versus „Einheit und Geschlossenheit“: Divergierende Konzeptionen der kommunistischen Weltbewegung
3.3.2. Kritik an den sozialistischen Ländern
3.4. Einzelne programmatische und politische Streitfragen
4. Abkühlung und Verstimmungen: die Entwicklung der Beziehungen von 1971-1973
4.1. Die Spaltung des PCE 1969/1970 und das Verhalten der SED
4.1.1. Vom Prager Frühling zur Spaltung des PCE 1969/1970
4.1.2. Die Reaktion der SED und die Auswirkungen auf die gemeinsamen Beziehungen
4.2. Die Kontroverse um die Herstellung diplomatischer Beziehungen zwischen der DDR und Spanien
4.2.1. Die Aufnahme von Beziehungen im Kontext der spanischen und ostdeutschen Außenpolitik
4.2.2. Polemik und Einsicht in den Dialog
5. Entgegenkommen bei prinzipieller Unversöhnlichkeit: 1973-1978
5.1. „Fest und brüderlich verbunden“: der Besuch einer PCE-Delegation in Ost-Berlin Ende 1974
5.1.1. Die Krise des Franquismus und die Pläne zu einer europäischen KP-Konferenz
5.1.2. Harmonie und Konzessionen: der Verlauf der Beratungen und ihre Ergebnisse
5.2. Außer Spesen nichts gewesen? Die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen und ihre Wirkung auf den PCE
5.3. Die SED als Partei des Ausgleichs angesichts der Unterstützung der marxistischen Opposition in der DDR durch den PCE
5.3.1. Der PCE sympathisiert mit der marxistischen Opposition in der DDR
5.3.2. Die SED als Partei des Ausgleichs
5.4. Die SED liebäugelt mit oppositionellen Tendenzen im PCE
5.4.1. Zunehmende Spannungen im PCE
5.4.2. Die SED modifiziert ihre Strategie
6. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die außenpolitischen Parteibeziehungen zwischen der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und der Kommunistischen Partei Spaniens (PCE) im Zeitraum von 1971 bis 1978. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Beziehungen vor dem Hintergrund der ideologischen Distanzierung des PCE von der KPdSU sowie dem Wandlungsprozess Spaniens von einer Diktatur zur Demokratie entwickelten.
Die Gestaltung der Parteibeziehungen im ZK-Apparat der SED
Traditionell unterteilt die politikwissenschaftliche Forschung den außenpolitischen Entscheidungsprozess in drei Phasen. Am Anfang stehen das Sammeln und die Auswahl relevanter Informationen und das Formulieren von Handlungsalternativen. Anschließend folgt die Festlegung der Aktion aus mindestens zwei Handlungsalternativen. Zum Schluss erfolgen die Durchführung und die Kontrolle der Entscheidung anhand festgelegter Ziele. Diese Einteilung kann auf die Außenbeziehungen der SED übertragen werden, da auch in ihrem Fall ein zielgerichtetes und auf Interessendurchsetzung zielendes außenpolitisches Handeln – wenn auch nicht im klassischen staatlichen Sinne – vorliegt. Somit sind hier die für die Formulierung, Entscheidung, Durchführung und Kontrolle der SED-Außenpolitik maßgeblichen Personen, Organe und Institutionen in den Blick zu nehmen sowie ihre Position und Einwirkungsmöglichkeiten in diesem Prozess zu bestimmen.
Obwohl der Parteitag das formal höchste Parteiorgan war, besaß er keinen unmittelbaren Einfluss auf die Außenpolitik der SED, da dort keine authentischen Diskussionen stattfanden und alle Reden vorher genehmigt worden waren. Zudem war er wegen seiner Größe nicht arbeitsfähig. Vielmehr reduzierte er sich auf eine Propagandaveranstaltung, deren wichtigste Funktion die öffentliche und rituelle Zustimmung der Delegierten zur offiziellen Parteilinie war. Andererseits bildete diese Parteilinie als „verbindliche Propaganda“ die allgemeine Grundlage für die Tätigkeit der Staats- und Parteiorgane. Die Beschlüsse und Berichte des Parteitags banden also insofern die SED-Mitglieder als sie ihrem Handeln einen allgemeinen Rahmen setzten.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Tradition der Beziehungen zwischen der SED und dem PCE, insbesondere durch die Rolle der Spanienkämpfer, und skizziert den untersuchten Zeitraum 1971-1978.
2. Die Gestaltung der Parteibeziehungen im ZK-Apparat der SED: Dieses Kapitel analysiert die internen Gremien und Akteure der SED, die für Parteiaußenbeziehungen verantwortlich waren, insbesondere die Abteilung Internationale Verbindungen.
3. Die SED und die Entwicklung der Programmatik des PCE in den 70er Jahren: Das Kapitel behandelt die ideologische Neuorientierung des PCE hin zum Eurokommunismus und die kritische Reaktion der SED darauf.
4. Abkühlung und Verstimmungen: die Entwicklung der Beziehungen von 1971-1973: Hier wird die Spaltung innerhalb des PCE und deren Einfluss auf die Beziehungen zur SED sowie die Kontroverse um diplomatische Beziehungen zwischen der DDR und Spanien erörtert.
5. Entgegenkommen bei prinzipieller Unversöhnlichkeit: 1973-1978: Die Analyse konzentriert sich auf die Versuche der SED, trotz ideologischer Gegensätze Einfluss auf den PCE zu nehmen, sowie die SED-Strategie gegenüber oppositionellen Strömungen im PCE.
6. Schlussbetrachtung: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die These, dass die SED trotz profunder ideologischer Diskrepanzen am PCE als Hauptpartner festhielt.
SED, PCE, KPdSU, Eurokommunismus, Parteiaußenbeziehungen, DDR, Spanien, Marxismus-Leninismus, Außenpolitik, Diktatur des Proletariats, Internationale Verbindungen, Spanienkämpfer, politische Transition, SED-ZK-Apparat, internationale Arbeiterbewegung.
Die Arbeit analysiert die Parteibeziehungen zwischen der DDR-Staatspartei SED und der spanischen KP (PCE) in den Jahren 1971 bis 1978, einer Zeit des ideologischen Wandels des PCE hin zum Eurokommunismus.
Zentrale Felder sind die innerparteilichen Entscheidungsstrukturen der SED, der ideologische Wandel des PCE in den 1970er Jahren und die daraus resultierenden politischen Spannungen und Abstimmungsversuche zwischen beiden Parteien.
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie und warum die SED trotz der ideologischen Entfremdung und der kritischen Haltung des PCE an den Parteibeziehungen festhielt.
Die Untersuchung basiert auf einer historischen Quellenanalyse, wobei schwerpunktmäßig Akten aus dem Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO) ausgewertet wurden.
Im Hauptteil werden die bürokratischen Strukturen der SED für Außenbeziehungen, die programmatische Distanzierung des PCE von der Sowjetunion, die interne Spaltung des PCE und das darauf folgende strategische Agieren der SED beleuchtet.
Zu den prägenden Begriffen gehören "Eurokommunismus", "Parteiaußenbeziehungen", "Diktatur des Proletariats" und "proletarischer Internationalismus".
1971 markierte durch den Führungswechsel zu Erich Honecker eine Zäsur, in der die SED ihre ideologische Bindung an die Sowjetunion straffte, was das Verhältnis zum sich zunehmend unabhängig gebärenden PCE zusätzlich belastete.
Die SED wertete diese Kritik intern als "revisionistisch" und als Angriff des Klassenfeindes, suchte jedoch öffentlich und diplomatisch nach Wegen, den PCE auf Kurs zu halten, ohne die Beziehungen gänzlich abbrechen zu lassen.
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