Magisterarbeit, 2009
121 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
1.1 Eine gesellschaftspolitische und wissenschaftliche Problemstellung
1.2 Begriffsbestimmungen und Literaturüberblick
2 Armut
2.1 Armutskonzepte
2.2 Armut im historischen Kontext
2.2.1 Historische Entwicklung der Ausgrenzungsproblematik: Robert Castel
2.2.2 Der Umgang mit Armut in Europa: Serge Paugam
2.2.3 Entwicklung von Armut und Wohlfahrtsstaat in Deutschland:
3 Soziale Exklusion: Literaturüberblick
3.1 USA / angelsächsische Länder: Konzept der „urban underclass“
3.2 Entstehung des Exlusionsbegriffs in der französischen Soziologie
3.3 Der Exklusionsdiskurs in Deutschland: Literaturüberblick
3.3.1 Modi und Dimensionen der gesellschaftlichen Zugehörigkeit: Martin Kronauer
3.3.2 Exklusion in der Systemtheorie
3.3.3 Soziale Exklusion und andere Armuts- und Ungleichheitskonzepte: Petra Böhnke
3.4 Zusammenfassung des Forschungsstandes über soziale Exklusion
3.5 Aufbau der Untersuchung
4 Empirische Untersuchung von Armut in der BRD seit 1980
4.1 Arbeitslosigkeit und Armut
4.1.1 Armutsgefährdung und Erwerbsbeteiligung
4.1.2 Arbeitsmarktentwicklung
4.1.3 Dauer von Arbeitslosigkeit, Häufigkeit, und Langzeitarbeitslosigkeit
4.1.4 Struktur der Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf: Die am stärksten betroffenen Gruppen
4.1.5 Gründe für Anstieg und Verfestigung von Arbeitslosigkeit
4.1.6 Folgen von (Langzeit-) Arbeitslosigkeit
4.1.6.1 Persönliche Konsequenzen von Langzeitarbeitslosigkeit
4.1.6.2 Gesamtgesellschaftliche Auswirkungen von Arbeitslosigkeit
4.1.6.3 Verunsicherungen auch in der Mitte der Gesellschaft ?
4.1.7 Soziale Rechte und Absicherung Arbeitsloser: Paradigmenwechsel des Sozialstaats
4.1.7.1 Die Transformation von einer Versicherungsleistung in eine Fürsorgeleistung.
4.1.7.2 Verschärfung der Zumutbarkeitsregeln und Doktrin der Beweislastumkehr
4.1.7.3 Kontrolle und Sanktionierung Arbeitsloser
4.2 Armut und Geschlecht: Rechtliche Angleichung ohne Beseitigung der Ungleichheiten
4.2.1 Arbeitsmarktsituation und Arbeitslosigkeit
4.2.2 Einkommensarmut von Frauen und Männern im Vergleich
4.2.3 Risikogruppe Alleinerziehende
4.2.4 Armutslagen und soziale Sicherung: Abbau der Familiensubsidarität vs. Re-Familiarisierung und Traditionalisierung
4.3 Die Variable Alter im Bezug auf das Armutsrisiko: Kinderarmut
4.3.1 Kinder- und Jugendarmut: „Infantilisierung“ von Armut
4.3.2. Dauer und Dynamik von Kinderarmut
4.3.3 Folgen von Kinderarmut
4.4. Jugendliche und Armut: Die Risikogruppe der Jugendlichen ohne Ausbildung
4.4.1 Veränderungen bei Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot
4.4.2 Veränderung der Zusammensetzung der Gruppe ausbildungsloser Jugendlicher
4.4.3 Platzierung Jugendlicher mit Migrationshintergrund im Bildungssystem
4.5 Altersarmut: „Eine einmalige historische Konstellation(...)“
4.5.1 Ältere Arbeitnehmer
4.5.2 Rentner
4.5.3 Ausblick in die Zukunft
4.6 Armut und Familie
4.6.1 Die Entwicklung von Armut und Familienstand im Zeitverlauf
4.6.2 Soziodemografische Zusammensetzung von Familien
4.6.3 Armutsdynamik unterschiedlicher Haushaltstypen
4.7 Armut und Migrationshintergrund
4.7.1 Historische Entwicklung der Migration in Deutschland
4.7.2 Struktur der Menschen mit Migrationshintergrund
4.7.3 Arbeitslosigkeit und Armut
4.7.4 Die Einkommenssituation von Migranten
4.7.5 Migrationshintergrund als Armutsfaktor, oder eine generelle Schichtproblematik?
5 Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse
5.1 Ergebnisse: Arbeitslosigkeit und Armut
5.2 Ergebnisse: Armut und Geschlecht
5.3 Ergebnisse: Jugendliche und Ausbildungslosigkeit
5.4 Ergebnisse: Kinderarmut
5.5 Ergebnisse: Altersarmut
5.6 Ergebnisse: Familie und Armut
5.7 Ergebnisse: Migrationshintergrund und Armut
6 Fazit
7 Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die Veränderungen von Armuts- und Ausgrenzungsprozessen in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1980 und 2006. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, ob sich eine soziale Spaltung neuer Qualität abzeichnet, die über traditionelle Schicht- und Klassenunterschiede hinausgeht und ob der Begriff der sozialen Exklusion geeignet ist, diese Phänomene präziser zu erfassen als klassische Armutskonzepte.
2.1 Armutskonzepte
Was ist nun Armut, wann beginnt Armut und wo sind die Grenzen zwischen arm und „nicht-arm“ anzusiedeln? So nahe liegend diese Fragen sind, so komplex ist ihre Beantwortung. Es handelt sich hier nicht um rein technische Fragen, sondern um Fragestellungen normativer wie auch politischer Natur, die abhängig sind vom Entwicklungsstand einer Gesellschaft, davon, wie viel Ungleichheit eine Gesellschaft zu akzeptieren bereit ist und nicht zuletzt auch abhängig von der Perspektive unter der man sie betrachtet.
„Die eigene Armutserfahrung und die öffentliche Meinung darüber klaffen häufig weit auseinander – das gilt auch für die Differenz von Armutserfahrung und dem tatsächlich gegebenen Ausmaß der Armut.“
Oder um es mit Simmel zu sagen: „ Arm ist derjenige, dessen Mittel zu seinen Zweck nicht zureichen“
Die Bestimmung von Armut als Mangelbegriff liefert also eine erste Annährung. Mangel bezieht sich in erster Linie ganz allgemein auf die wirtschaftliche Lage einer Person oder Gruppe und beinhaltet, dass die Betroffenen den für sie notwendigen Lebensunterhalt nicht alleine zu erreichen in der Lage sind. Hier kann unterschieden werden in eine absolute und eine relative Dimension, sowie in eine objektive und eine subjektive Dimension.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Zunahme von Armut in Deutschland seit den 90er Jahren ein und stellt die forschungsleitende Frage nach dem Charakter einer „neuen Armut“.
2 Armut: Das Kapitel definiert den Armutsbegriff durch verschiedene theoretische Konzepte (absolut, relativ, subjektiv) und gibt einen historischen Überblick über die Entwicklung der Armut in Deutschland.
3 Soziale Exklusion: Literaturüberblick: Hier werden internationale und deutsche Debatten um soziale Exklusion beleuchtet, wobei Ansätze von Castel, Paugam und Kronauer im Zentrum stehen.
4 Empirische Untersuchung von Armut in der BRD seit 1980: Dieser empirische Teil analysiert anhand von Daten zu Arbeitslosigkeit, Geschlecht, Alter, Familie und Migrationshintergrund die tatsächliche Entwicklung der Armutslagen.
5 Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse: Dieses Kapitel fasst die in Teil 4 gewonnenen Erkenntnisse zu den einzelnen Risikogruppen zusammen.
6 Fazit: Das Fazit diskutiert die Ergebnisse anhand der aufgestellten Hypothesen und bewertet, ob der Exklusionsbegriff eine notwendige Erweiterung des Armutsverständnisses darstellt.
7 Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten Quellen.
Armut, neue Armut, soziale Exklusion, Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, soziale Ungleichheit, Wohlfahrtsstaat, Hartz-Gesetze, Kinderarmut, Migrationshintergrund, Altersarmut, Alleinerziehende, soziale Sicherung, Armutsforschung, Beschäftigungssituation.
Die Arbeit analysiert, wie sich Armut in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1980 und 2006 verändert hat und ob das Konzept der sozialen Exklusion hilft, aktuelle soziale Spaltungsprozesse besser zu verstehen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Arbeitslosigkeit, der rechtlichen und sozialen Situation von Frauen und Alleinerziehenden, der Kinderarmut, Altersarmut sowie der spezifischen Lage von Menschen mit Migrationshintergrund.
Ziel ist es zu überprüfen, ob sich Armut von einem Randphänomen zu einem Risiko für breite Teile der Gesellschaft entwickelt hat und wie institutionelle Veränderungen wie die Hartz-Gesetze diese Dynamik beeinflusst haben.
Die Arbeit basiert auf einer sekundärempirischen Untersuchung, die vorhandene statistische Daten und Literaturergebnisse aus dem Zeitraum 1980 bis 2009 analysiert und zueinander in Bezug setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Literaturüberblick zu Armut und Exklusion sowie eine umfangreiche empirische Analyse der verschiedenen Armutsrisikogruppen in Deutschland.
Zentrale Begriffe sind soziale Exklusion, „neue Armut“, Hartz-Reformen, Langzeitarbeitslosigkeit und der Wandel des deutschen Sozialstaats.
Castels Zonenmodell dient zur Illustration der gesellschaftlichen Spaltung in Integrationszonen, Verwundbarkeitszonen und Entkopplungszonen, was den Prozesscharakter von Armut verdeutlicht.
Die Autorin sieht in den Hartz-Gesetzen einen fundamentalen Paradigmenwechsel von einer versicherungsbasierten zu einer fürsorgeorientierten Sozialpolitik, die mit einer Zunahme institutioneller Stigmatisierung einhergeht.
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