Masterarbeit, 2022
126 Seiten, Note: 1,0
Diese Masterarbeit untersucht framesemantisch die neoliberalen Wertevorstellungen, die im Diskurs des deutschen Gangsta-Raps verhandelt und reproduziert werden. Die zentrale Forschungsfrage lautet, wie sich der Diskurs um ein lebenswertes Leben in deutschen Gangsta-Rap-Texten gestaltet und inwiefern dieser die neoliberalen Wertevorstellungen der Mehrheitsgesellschaft affirmieren.
Der Untersuchungsgegenstand: Gangsta-Rap als popkulturelles Phänomen im Neoliberalismus
Gangsta-Rap ist ein musikalisches Sub-Genre der HipHop-Kultur³⁰, die bis heute als weltweit größte Jugendkultur gelten kann (Dietrich/Seeliger 2017b: 10). Gangsta-Rap wird dabei einerseits als Subkultur begriffen, in dem Sinne, dass er sich in all seinen kennzeichnenden Praktiken der Selbstbehauptung und dem Bruch „mit bürgerlichen Konventionen und gesellschaftlichen Grundregeln“ (Klein/Friedrich 2003: 28) widmet. Andererseits können sich HipHop und Rap auch als popkulturelle Erscheinungen verstehen lassen. Popkultur bezeichnet in diesem Zusammenhang den „Ausdruck von Lebensstilen und Alltagspraktiken, sozialer Stellung und Weltbildern spezifischer Milieus“ (Scharenberg 2001: 243). Dabei geht es nicht nur um Popmusik. Pop ist auch „Bilderwelt, Lebensstil, Lebensgefühl und Lebensinhalt.“ (Klein/Friedrich 2003: 142) Es handelt sich bei Gangsta-Rap somit um eine kulturelle Praxis, innerhalb derer gesellschaftliche Diskurse aufgegriffen und verhandelt werden. Gleichzeitig existiert Popkultur aber auch stets innerhalb der kapitalistischen Verwertungslogik und lässt sich von deren Kulturindustrie vereinnahmen (Behrens 2009: 4). Dabei stellt Rap laut Behrens eine der „lukrativsten Sparten der Popkulturindustrie [...] nicht zuletzt durch die Vermarktung des Rebellischen“ (ebd.: 15) dar. Viel mehr noch generieren zahlreiche Wissenschaftler:innen, Gangsta-Rap stünde trotz seiner ursprünglich subversiven Inhalte keineswegs im Widerspruch zu den Wertevorstellungen des Neoliberalismus, sondern trüge vor allem zur deren Affirmation und Reproduktion bei (Bendel/Röper 2017; Dietrich/Seeliger 2013; Süß 2019). So befindet sich Gangsta-Rap stets in einem von „Widersprüchlichkeiten gespickten Spannungsfeld [...] von Kommerzialisierung und Gegenkultur“ (Scharenberg 2001).
Die Distinktion von Gangsta-Rap gegenüber anderen Subgenres wie Street-Rap oder Porno-Rap kann nicht immer zweifelsfrei geleistet werden (Szillus 2012: 43). Während der Duden Gangsta-Rap schlicht als „Rappmusik mit besonders aggressiven Texten“ (2004: 400) definiert, wird in der Fachliteratur meist besonderer Wert auf die inhaltlichen Motive sowie das Auftreten der Akteur:innen gelegt. So betont Stephan Szillus die sozialen Wurzeln der Rapper:innen als gemeinsame Grundlage für das Leben als „Gangster“. Auch Dietrich und Seeliger bescheinigen dem Genre ein breites Spektrum inhaltlicher Motive, allesamt angelehnt an ein lebenswertes Leben eines Gangsters. Im Kern geht es im Gangsta-Rap natürlich musikalisch und textlich darum, die Lebenswelt eines Gangsters zu beschreiben. Der Begriff des »Gangsters« ist dabei dehnbar – so kann es sich um den kleinkriminellen Haschdealer aus dem Märkischen Viertel handeln, aber auch um den italo-amerikanischen Mafiaboss aus Brooklyn, [...] Gemeinsam ist allen Protagonisten lediglich das Behaupten einer bestimmten sozialen Herkunft, für die in der öffentlichen Diskussion häufig Begriffe wie »Unterschicht« oder »Prekariat« gebraucht werden. Ihr natürlicher Lebensraum ist das »Ghetto« oder im Feuilleton-Deutsch – der soziale Brennpunkt.“ (Szillus 2012: 43)
0. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema Gangsta-Rap und seine Relevanz ein, stellt die Forschungsfragen und Hypothesen vor und gibt einen Überblick über die Struktur und den Forschungsstand der Arbeit.
1. Frame-Semantik als Analysewerkzeug einer linguistischen Epistemologie: Hier wird die Frame-Semantik als methodologischer Ansatz erläutert, ihre historische Entwicklung nach Minsky und Fillmore skizziert und ihre Strukturelemente sowie ihre Anwendung in der Diskursanalyse dargestellt.
2. Der gesellschaftliche Rahmen: Leben im Neoliberalismus: Dieses Kapitel definiert Neoliberalismus als ökonomische Theorie und politische/gesellschaftliche Ideologie, beleuchtet neoliberale Werte in Politik und Alltag und diskutiert die sozioökonomischen Folgen in Deutschland.
3. Der Untersuchungsgegenstand: Gangsta-Rap als popkulturelles Phänomen im Neoliberalismus: Es wird Gangsta-Rap im popkulturellen Diskurs verortet, seine inhaltlichen Charakteristika, Sprechhandlungen und Rhetorik analysiert sowie seine Rolle als emanzipative und affirmative Praxis im Kontext neoliberaler Wertediskurse untersucht.
4. Korpusanalyse: Dieses umfangreiche Kapitel beschreibt die Methodik und das Forschungsdesign der empirischen Analyse, das Korpusdesign, die Transkriptionsverfahren, die Identifikation von Schlüsselbegriffen und Diskurskategorien sowie die quantitativen und qualitativen Analyseschritte und die Ergebnisse für verschiedene Diskurskategorien wie Geld, Luxusgüter, Kriminalität, Drogen, Frauen, Andere Männer und Familie.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse der Korpusanalyse zusammen, beantwortet die Forschungsfragen und reflektiert kritisch die Methodik und die Schlussfolgerungen der Arbeit.
Gangsta-Rap, Neoliberalismus, Frame-Semantik, Diskursanalyse, Wertevorstellungen, Korpusanalyse, Geld, Kriminalität, Luxusgüter, Geschlechterrollen, Popkultur, Subkultur, Hegemonie, Selbstermächtigung, Deutschland
Diese Masterarbeit beschäftigt sich mit der Analyse neoliberaler Wertevorstellungen im deutschen Gangsta-Rap-Diskurs mithilfe der Frame-Semantik.
Die Arbeit fokussiert auf die framesemantische Diskursanalyse, den Neoliberalismus als gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmen, Gangsta-Rap als popkulturelles Phänomen, die Vermittlung von Wertevorstellungen im Genre und eine empirische Korpusanalyse spezifischer Diskurskategorien.
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, wie sich der Diskurs um ein lebenswertes Leben in deutschen Gangsta-Rap-Texten gestaltet und inwiefern dieser die neoliberalen Wertevorstellungen der Mehrheitsgesellschaft affirmieren.
Die Arbeit nutzt die Frame-Semantik als zentrales linguistisches Analysewerkzeug, ergänzt durch quantitative und qualitative Analyseschritte im Rahmen einer Korpusanalyse.
Im Hauptteil werden der Neoliberalismus als gesellschaftlicher Rahmen, Gangsta-Rap als popkulturelles Phänomen im Neoliberalismus sowie eine umfassende Korpusanalyse relevanter Diskurskategorien wie Geld, Luxusgüter, Kriminalität, Drogen, Frauen, Andere Männer und Familie detailliert behandelt.
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Gangsta-Rap, Neoliberalismus, Frame-Semantik, Diskursanalyse, Wertevorstellungen, Korpusanalyse, Geld, Kriminalität, Luxusgüter, Geschlechterrollen, Popkultur und Selbstermächtigung charakterisiert.
Der Begriff des "Gangsters" ist laut der Arbeit dehnbar und kann sowohl kleinkriminelle Haschdealer als auch Mafiabosse umfassen. Gemeinsam ist allen Protagonisten das Behaupten einer bestimmten sozialen Herkunft, oft aus "Ghetto"-Milieus oder sozialen Brennpunkten.
Die Arbeit zeigt, dass Gangsta-Rap einerseits als subversive Jugendkultur auftritt, andererseits aber stets innerhalb der kapitalistischen Verwertungslogik existiert und von der Kulturindustrie vereinnahmt wird. Trotz ursprünglich subversiver Inhalte trägt er oft zur Affirmation und Reproduktion neoliberaler Werte bei.
Die Analyse untersucht spezifische Diskurskategorien wie "Frauen" und "Andere Männer", um hegemoniale Männlichkeitsbilder und die Darstellung von Geschlechterrollen im Gangsta-Rap-Diskurs aufzuzeigen und deren Bezug zu neoliberalen Wertevorstellungen zu erörtern.
Die Frame-Semantik ermöglicht es, kognitive Konzepte und deren sprachlichen Ausdruck in einem gesellschaftlich-kulturellen Kontext zu analysieren. Sie bietet einen präzisen Zugang zur Erfassung und Interpretation von Wertevorstellungen, die in komplexen Diskursen wie dem Gangsta-Rap verhandelt werden.
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