Masterarbeit, 2023
86 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. Die Hexe im kulturhistorischen Kontext
1.1 Etymologie
1.2 Der Mythos
1.2.1 Mythologische Vorbilder
1.2.2 Hexenbilder
1.2.3.1 Die Krankheit und Tod bringende Zauberin
1.2.3.2 Die Kinderfresserin
1.3 Der christliche Hexenglaube
1.3.1 Die Häretikerin
1.3.2 Die Anti-Religion
2. Die Hexe im historischen Kontext
2.1 Begriffsbestimmung - Hexen und Prozesse
2.2 Die ‚kleine Eiszeit‘
2.3 Hexenprozesse im europäischen Kontext
3. Die Hexe in der allgemeinen Literatur
3.1 Die Hexe in der höfischen Literatur: Hartmann von Aue
3.2 Die Hexe in der frühen Neuzeit am Beispiel des Hexenhammers
3.3 Die Hexe in der aufkommenden Romantik
4. Die Hexe in der Kinder- und Jugendliteratur
4.1 Die phantastische Literatur
4.1.1 Romantik
4.1.2 Die Auswirkungen und Folgen des Nationalsozialismus
4.1.3 Der pädagogische Umbruch
4.2 Die gegenwärtigen Hexendarstellungen
4.2 Die böse Märchenhexe
4.3 Die gute Hexe
5. Resümee
6. Die Hexe in ausgewählten Werken der Kinder- und Jugendliteratur
6.1 Figurencharakterisierung nach Pfister und Ludwig
6.2 Figurenkonzeption
6.3 Die Hexendarstellung in Roald Dahls ‚Hexen hexen‘
6.3.1 Das Aussehen
6.3.2 Die Organisation der Hexengemeinschaft
6.3.3 Die innere Motivation
6.4 Die Hexendarstellung in Otfried Preußlers ‚Die kleine Hexe‘
6.4.1 Das Aussehen und die äußeren Gegebenheiten
6.4.2 Hexenrequisiten
6.4.3 Handeln und Eigenschaften
6.4.4 Die großen Hexen
7. „Und wenn sie nicht gestorben sind …“ – Gibt es nur noch gute Hexen?
8. Fazit
Diese Arbeit untersucht die kulturhistorische und literarische Entwicklung der Hexenfigur von der mythischen Sagengestalt bis hin zur modernen Kinder- und Jugendliteratur. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob die Hexenfigur tatsächlich eine generelle Entwicklung hin zum Guten durchlebt hat oder ob das "böse" Motiv lediglich in neue Formen transformiert wurde.
1.2.1 MYTHOLOGISCHE VORBILDER
Die Ursprünge des Mythos der Hexe reichen mehrere Jahrtausende zurück und die Vorstellungen der heutigen Mythen beruhen letztlich darauf. Im Folgenden sollen ausgewählte Beispiele verschiedener mythologischer Traditionen, die den Hexenmythos mitbegründeten, dargelegt werden.
Der Mythos resultierte aus der Tatsache, dass die Menschheit „[i]m Laufe der Evolution […] den Naturkräften machtlos ausgeliefert [war].“ Gleichzeitig haben sich die Menschen „wie neuere Forschungen zeigen – schon sehr früh mit dem Sinn des Lebens, des Todes, dem Jenseits und der Welt bzw. dem Universum auseinandergesetzt.“ Die Menschen waren danach bestrebt, Gutes zu tun, sodass „sie sich an ihre Ahnen, an Geister, Gestirne sowie übernatürliche Mächte und Kräfte [wandten]“, um sie anzubeten und ihnen ihren Respekt zu zollen. Folglich wurden die höheren Mächte „für das Schicksal der Menschen und das Wirken der vier Elemente“ verantwortlich gemacht. Die Elemente umfassten Feuer, Wasser, Luft und Erde sowie später auch die Metalle.
Derartige Ehrenerweisungen sowie „[d]ie Kommunikation mit höheren Mächten“ zeigten sich in allen Kulturen. Zur frühdynastischen Periode zählten dazu vor allem „Pflanzen-, Tier- und Menschenopfer in Verbindung mit verbalen oder auch handlungsorientierten Ritualen, die […] Vertrauen und Kraft zum Leben“ vermitteln sollten.
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Hexe vom bösartigen, kindertötenden Märchenwesen zur freundlichen, hilfsbereiten Identifikationsfigur heutiger Kinderliteratur und stellt die zentrale These einer "Entwicklung zum Guten" auf.
Die Hexe im kulturhistorischen Kontext: Dieses Kapitel erforscht die etymologische Herkunft des Hexenbegriffs und die mythischen Vorbilder, wobei die Transformation von vormodernen heidnischen Naturgottheiten hin zu dämonisierten Frauenfiguren aufgezeigt wird.
Der christliche Hexenglaube: Der Abschnitt analysiert die theologische Fundierung des Hexenglaubens als Häresie-Bekämpfung und wie die Kirche durch die Konstruktion der "Anti-Religion" die Basis für spätere großflächige Verfolgungen schuf.
Die Hexe im historischen Kontext: Hier werden die sozio-ökonomischen Faktoren der Hexenverfolgung, insbesondere die Folgen der "kleinen Eiszeit" sowie die rechtlichen und institutionellen Bedingungen der Prozesse im historischen Europa untersucht.
Die Hexe in der allgemeinen Literatur: Das Kapitel bietet einen Überblick über die literarische Darstellung der Hexe von den ambivalenten Zauberfrauen der höfischen Dichtung bis hin zur dämonisierenden Fixierung im Hexenhammer und den verschiedenen Hexenbildern der Romantik.
Die Hexe in der Kinder- und Jugendliteratur: Diese Sektion untersucht den späten Einzug der Hexe in die Kinderliteratur, die moralisch-pädagogische Ausmerzung des "Bösen" in den 1950ern und die anschließende Etablierung moderner Hexentypen.
Die Hexe in ausgewählten Werken der Kinder- und Jugendliteratur: Dieses Kapitel führt eine detaillierte textanalytische Untersuchung anhand von Roald Dahls Hexen hexen (als Vertreterin der radikal bösen Hexe) und Otfried Preußlers Die kleine Hexe (als Vertreterin der modernen, guten Hexe) durch.
„Und wenn sie nicht gestorben sind …“ – Gibt es nur noch gute Hexen?: Das vorletzte Kapitel wertet die Analyseergebnisse aus und stellt fest, dass die gute Hexe zwar an Beliebtheit gewonnen hat, die böse Hexe aber weiterhin ein konstanter Bestandteil der Literatur bleibt.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass trotz der stetigen Zunahme gutmütiger Hexenfiguren kein vollständiges Verschwinden der bösen Hexe in der literarischen Tradition zu verzeichnen ist.
Hexe, Hexenverfolgung, Kinder- und Jugendliteratur, Märchen, Mythos, Hexenhammer, Phantastik, Pädagogik, Otfried Preußler, Roald Dahl, Hexenglaube, Frauenbild, Gut und Böse, Literaturgeschichte, Hexenprozesse.
Die Publikation analysiert die historische und literarische Entwicklung der Hexenfigur, mit einem besonderen Fokus auf den Wandel vom Schreckgestalten-Motiv zur kinderfreundlichen Protagonistin.
Die Arbeit verknüpft kulturhistorische Analysen von Mythen und Hexenverfolgung mit literaturwissenschaftlichen Untersuchungen von primär deutschsprachiger Kinder- und Jugendliteratur.
Ziel ist es zu belegen oder zu widerlegen, ob die Märchen- und Kinderliteratur eine tatsächliche Entwicklung der Hexenfigur "hin zum Guten" vollzogen hat.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, unterstützt durch kulturhistorische Kontextualisierungen sowie die Anwendung von Figurencharakterisierungsmodellen nach Manfred Pfister.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Hexenbilder, eine theoretische Literaturgeschichte der Hexe sowie eine detaillierte vergleichende Analyse von Roald Dahls "Hexen hexen" und Otfried Preußlers "Die kleine Hexe".
Neben dem Kernbegriff "Hexe" sind Metadaten wie Literaturgeschichte, Mythos, Pädagogik, Hexenverfolgung und die Transformation von Kinderbuchfiguren entscheidend.
Während Dahls Hexen als radikal böse, kindermordende Entitäten dargestellt werden, die historische Mythen und Grausamkeit fortführen, bricht Preußler mit dieser Tradition, indem er eine durch Eigenleistung zur "guten Hexe" gereifte kindliche Identifikationsfigur schafft.
Die Autorin argumentiert, dass der Wandel zum "Guten" in der Nachkriegszeit vor allem durch eine neue erziehungswissenschaftliche Debatte vorangetrieben wurde, die "grausame" Elemente des Bösen für Kinder als schädlich einstufte.
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