Bachelorarbeit, 2009
40 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Allgemeine Betrachtung von Beschäftigungssystemen
2.1 Theorie der Unternehmung von Coase
2.2 Die Vorteile von Arbeitsverträgen nach Simon
2.3 Marsdens Theory of Employment Systems
2.3.1 Bedingungen der Regeln
2.3.2 Bedeutung der Beschäftigungsregeln
2.3.3 Inter-firm institutions
3. Das Theater - eine `Creative Industry´
3.1 Eigenschaften von kreativen Industrien nach Caves
3.2. Theaterlandschaft in Deutschland
4. Charakteristik der Beschäftigungsverhältnisse am Theater
4.1 Der Arbeitsmarkt für Schauspieler
4.1.1 Interorganisationale Mobilität
4.1.2 Die `occupational community´ und Reputationsbildung
4.2 Arbeitsorganisatorische Struktur
4.2.1 Formen des Spielbetriebs
4.2.2 Vertragliche Gestaltung
4.3 Soziales Kapital
4.4 Konzept des Arbeitskraftunternehmers
5. Personalmanagement
5.1 Hierarchische Strukturen
5.2 Führung im Theater
5.2.1 Konfliktlösung als größte Aufgabe
5.2.2 Managerintendant - für einen persönlicheren Führungsstil
5.3 Beschaffung von Personal
5.4 Bewertung und Entwicklung von Personal
6. Anwendung der Theory of Employment Systems auf das Theater
6.1 Training- oder production-approach?
6.2 Task- oder function-centred approach?
6.3 Interorganisationale Institutionen des Theaters
7. Fazit
Diese Arbeit untersucht das Beschäftigungssystem sowie die flexiblen Arbeitsverhältnisse in der kreativen Branche Theater. Das Ziel besteht darin, die Eigenschaften von Beschäftigungssystemen generell und speziell an Theatern herauszuarbeiten, wobei insbesondere die prekären Arbeitsverhältnisse künstlerischer Mitarbeiter und deren Management kritisch beleuchtet werden.
4.1.2 Die `occupational community´ und Reputationsbildung
Der Arbeitsmarkt für Schauspieler ist neben der beruflichen Mobilität gekennzeichnet durch eine besondere Art von Bewertungsprozess. Neben der kritischen Meinung der Öffentlichkeit spielt die `occupational community´ eine ausschlaggebende Rolle für den Erfolg. Sie umfasst eine begrenzte Anzahl an Künstlern und dient als begutachtendes organisationsübergreifendes Beziehungsnetzwerk. Die Künstler innerhalb der community verfügen über spezielle Praktiken und Verhaltensweisen, die sie als Mitglieder kennzeichnen. Dabei unterliegen sie ständigen kollektiven Bewertungsprozessen. Als nicht formal festgehaltenes und trotzdem als Norm angesehenes Bewertungskriterium gilt die Reputation.
Die Mitglieder der community teilen bestimmte Ansichten, die sich über die Netzwerkstruktur verbreiten und nach denen, internen Kriterien folgend, nicht-professionelle Schauspieler ausgeschlossen werden. Die Schauspieler betreten den Markt zwar meist mit ähnlichen Qualifikationen, werden dann jedoch wiederholt beurteilt und dadurch in ihrer Position bzw. ihrem Marktwert angehoben oder geschwächt. Die Reputation entsteht dabei nicht nur über das Verhalten des Künstlers, sondern zusätzlich über seine sozialen Kontakte. Die Zusammenarbeit mit einem erfolgreichen Regisseur an einem bekannten Theater steigert die Reputation und führt zu mehr Ansehen.
1. Einleitung: Hinführung zur Thematik und Abgrenzung des Forschungsgegenstands sowie Darlegung des dreiteiligen Aufbaus der Arbeit.
2. Allgemeine Betrachtung von Beschäftigungssystemen: Theoretische Grundlegung anhand der Ansätze von Coase, Simon und insbesondere der Theory of Employment Systems von David Marsden.
3. Das Theater - eine `Creative Industry´: Charakterisierung des Theaters als kreative Industrie durch Anwendung der Merkmale von Caves und Auswertung der deutschen Theaterstatistik.
4. Charakteristik der Beschäftigungsverhältnisse am Theater: Detaillierte Analyse des Schauspieler-Arbeitsmarktes, der Arbeitsorganisation, des sozialen Kapitals und des Modells des Arbeitskraftunternehmers.
5. Personalmanagement: Untersuchung der hierarchischen Strukturen, Führungsaufgaben, Personalbeschaffung und Bewertung im Kontext des Theaterbetriebs.
6. Anwendung der Theory of Employment Systems auf das Theater: Versuch der Einordnung des Theaters in Marsdens Theorie unter Berücksichtigung der Training- vs. Production- und Task- vs. Function-centred Ansätze.
7. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse zur Organisation der flexiblen Beschäftigungsverhältnisse und des Managements durch die Künstler selbst.
Theater, Beschäftigungssystem, Theory of Employment Systems, David Marsden, Arbeitskraftunternehmer, Soziales Kapital, Reputation, Occupational Community, Personalmanagement, Kreative Industrien, Arbeitsmarkt, Schauspieler, Interorganisationale Mobilität, NV Bühne, Ensemble.
Die Arbeit analysiert das Beschäftigungssystem des deutschen Theaters und untersucht, wie die dort vorherrschenden flexiblen Arbeitsverhältnisse für Künstler organisiert und gemanagt werden.
Im Zentrum stehen die theoretische Einordnung von Beschäftigungssystemen, die besonderen Charakteristika des Theaters als kreative Industrie sowie personalwirtschaftliche Aspekte wie Führung, Personalbeschaffung und -entwicklung.
Die Arbeit fokussiert auf die Eigenschaften von Beschäftigungssystemen an Theatern und geht der Frage nach, wie das Management dieser flexiblen künstlerischen Beschäftigungsverhältnisse in der Praxis funktioniert.
Die Haupttheorie ist die "Theory of Employment Systems" von David Marsden, ergänzt durch institutionenökonomische Ansätze von Coase und Simon sowie das Konzept des "Arbeitskraftunternehmers" von Voß/Pongratz.
Der Hauptteil beleuchtet detailliert den Arbeitsmarkt für Schauspieler, die Bedeutung von Reputationsbildung und sozialem Kapital sowie die spezifischen Management-Äquivalente, die im Theater an die Stelle klassischer Personalpolitik treten.
Wichtige Begriffe sind unter anderem die "Occupational Community", "Reputation", "soziales Kapital", "kreative Industrien" und das Modell des "Arbeitskraftunternehmers".
Da explizite, klassische Personalinstrumente (wie direkte Personalentwicklung) am Theater oft fehlen oder als unvereinbar mit der Kunst gelten, übernehmen informelle Prozesse wie die Vernetzung in der "Occupational Community" die Steuerungsfunktion.
Es impliziert, dass Künstler ein hohes Maß an Selbstmanagement benötigen, da sie ihre Arbeitskraft eigenständig vermarkten, ihre Qualifikationen selbst ausbauen und ihre gesamte Lebensführung an die Erfordernisse des Projektbetriebs anpassen müssen.
Reputation ist ein zentrales informelles Steuerungsinstrument: Sie wird durch die "Occupational Community" vergeben und bestimmt maßgeblich die Wahrscheinlichkeit für zukünftige Engagements.
Das Management ist nicht allein von den Fähigkeiten des Intendanten abhängig; vielmehr wird ein großer Teil des Managements durch die Künstler selbst geleistet, stabilisiert durch informelle Institutionen wie Netzwerke und soziale Normen.
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