Magisterarbeit, 2009
72 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
1.1 Gentechnik: die neuen Herausforderungen in den Biowissenschaften
1.2 Aufbau der Arbeit und Methodik
1.3 Definitionen der Begrifflichkeiten
1.4. Wissenschaftliche Fakten zur IVF, PID und Gentechnik
2. Hauptteil
2.1 Zur Geschichte der Eugenik
2.1.1 Die „alte“ Eugenik
2.1.2 Die „neue“ Eugenik
2.2 Diskussion verschiedener Positionen zur Anwendung von Gentechnik in der Reproduktionsmedizin
2.2.1 Julian Savulescu: Das Prinzip der „Procreatice Beneficience”
2.2.2 Ronald Dworkin: Liberale Eugenik
2.2.3 Michael J. Sandel
2.2.4 Jürgen Habermas
2.3 Folgeproblematik bei der Anwendung von Gentechnik in der Reproduktionsmedizin
2.3.1 Gesellschaftliche Veränderungen durch Gentechnik
2.3.2 Auswirkungen der Gentechnik für behinderte Menschen
3. Schluss
3.1 Zusammenfassung
3.2 Fazit des Autors und Antwort zur Forschungsfrage
5. Anhang
5.1 Glossar
5.2 Schaubilder
5.2.1 Schema DNA-Strang
5.2.2 Replikation des DNA-Strangs
5.2.3 Schema künstliche Befruchtung (IVF)
5.2.4 Zellentnahme vom Embryo für die PID
5.2.5 Schema für PID
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethischen und gesellschaftlichen Implikationen der modernen Reproduktionsmedizin unter besonderer Berücksichtigung der Gentechnik. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob die Anwendung dieser Technologien die Gefahr birgt, eine neue Form der Eugenik zu fördern und gesellschaftlich zu etablieren.
2.1.1 Die „alte“ Eugenik
Die angewandte Eugenik ist nicht, wie viele glauben, ein Phänomen aus der Zeit des Nationalsozialismus, sondern blickt auf eine wesentlich längere Geschichte zurück. Einer der frühesten Verfechter der Eugenik war Platon. Für ihn als Theoretiker, dessen Staatsbegriff sich auf der Ständegesellschaft, bestehend aus Bauern, Wächtern und Herrscherstand stützte, war es von großer Bedeutung, dass sich diese Stände nicht vermischen. Gleichzeitig sollte auch dafür gesorgt werden, dass sich nur „die Tüchtigsten“ fortpflanzen. Im fünften Buch seiner Politeia geht Platon darauf ein, wie der Herrscher eines Staates die Partnerwahl seiner Untertanen bestimmt. Fortpflanzung wird hier zur Staatssache.
„Du nun als Gesetzgeber wirst, wie du die Männer ausgewählt hast, so auch die Frauen auswählen und möglichst gleichartige ihnen zuführen.“
Der Herrscher bestimmt, wer sich wann mit wem fortpflanzen darf. Er entscheidet hier nach verschiedenen Kriterien. Zum einen wird der Zeitraum, in dem die Menschen Nachkommen zeugen sollen, eingegrenzt.
„Für die Frau beginnt die Zeit des Gebärens vom Zwanzigsten bis zum Vierzigsten Jahr, für den Mann die Zeugung für den Staat, sobald der schärfste Rausch der Jugend vorbei ist, bis zum fünfundfünfzigsten Jahr.“
Zum anderen sind von der Fortpflanzung all diejenigen ausgeschlossen, die in Platons Augen nicht gut und gerecht sind. Der Begriff der Gerechtigkeit umfasst bei Platon verschiedene Tugenden, die ein Mensch in sich vereinen sollte. Zu ihnen zählen etwa Besonnenheit, Tapferkeit und die Vernunftbegabung. Platon behält dem Herrscher nicht nur das Recht vor, die Partner auszusuchen. Er selektiert auch den Nachwuchs nach guten und gesunden sowie nach schwachen und kranken Kindern.
„Sie übernehmen die Kinder der Tüchtigen und bringen sie in eine Anstalt zu Pflegerinnen, die Abseits in einem Teil des Staates wohnen: die Kinder der Schwächeren oder irgendwie mißgestaltete verbergen sie an einem geheimen und unbekannten Ort, wie es sich gehört.“
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema der Gentechnik in der Reproduktionsmedizin ein, definiert zentrale Begriffe und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung der Eugenik, diskutiert vier verschiedene philosophische Positionen zur Anwendung von Gentechnik und beleuchtet die gesellschaftlichen Folgen dieser Technologien.
3. Schluss: Der Schlussteil fasst die zentralen Argumente zusammen und beantwortet die Forschungsfrage durch eine kritische Stellungnahme der Autorin zur Gefahr einer individual-transhumanistischen Eugenik.
5. Anhang: Der Anhang bietet ein Glossar der wichtigsten Fachbegriffe sowie eine Sammlung von Schaubildern zur Veranschaulichung der biologischen und medizinischen Verfahren.
Gentechnik, Reproduktionsmedizin, Eugenik, Präimplantationsdiagnostik, PID, IVF, Bioethik, Selektion, Autonomie, Humangenetik, Lebensqualität, Diskriminierung, Transhumanismus, Designkinder, ethische Verantwortung.
Die Arbeit untersucht, ob die Anwendung moderner gentechnischer Verfahren in der Reproduktionsmedizin die Gefahr einer neuen, gesellschaftlich akzeptierten Form der Eugenik heraufbeschwört.
Die zentralen Themen sind die historische Einordnung der Eugenik, die ethische Abwägung zwischen therapeutischem Handeln und genetischer Optimierung sowie die sozio-ethischen Folgen für behinderte Menschen.
Das Ziel ist die Analyse, ob durch die Anwendung von Gentechnik in der Reproduktionsmedizin eine „neue Form von Eugenik“ gefördert wird, die den Anspruch auf Normalität und gesellschaftliche Teilhabe behinderter Menschen untergräbt.
Die Arbeit nutzt die Analyse und den Vergleich von Primärtexten renommierter Philosophen (Savulescu, Dworkin, Sandel, Habermas) sowie die Untersuchung gesellschaftlicher und rechtlicher Rahmenbedingungen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Geschichte der Eugenik, die philosophische Debatte zu deren aktueller Anwendung und die daraus resultierenden Folgeproblematiken für die Gesellschaft.
Zu den prägenden Begriffen zählen Gentechnik, PID, Eugenik, Autonomie und der ethische Diskurs über das „beste Leben“.
Dies ist ein von Julian Savulescu geprägter Begriff, der Eltern moralisch verpflichtet, jenen Embryo auszuwählen, der die besten Aussichten auf ein „bestmögliches Leben“ hat, was Savulescu als radikal-liberale Position verteidigt.
Habermas nimmt eine stark kritische Haltung ein und warnt vor der „Selbsttransformation der Gattung“, da er befürchtet, dass der Eingriff in die genetische Natur die Autonomie und die moralische Gleichheit der Menschen gefährdet.
Sandel sieht Heilung als legitime medizinische Fürsorge an, während er Optimierung aus dem Streben nach Naturbeherrschung ablehnt, da sie den Charakter des Lebens als „Gabe“ und damit einhergehende Demut gefährdet.
Die Autorin plädiert für ein grundsätzliches Verbot der PID, mit sehr engen Ausnahmen für Betroffene von Erbkrankheiten, und warnt vor einer „individual-transhumanistischen Eugenik“.
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