Bachelorarbeit, 2023
53 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Münchhausen-by-proxy-Syndrom
2.1 Definition
2.2 Diagnose und Warnhinweise
2.3 Differenzialdiagnostische Abgrenzung
2.4 Handlungsmotiv der Eltern
2.5 Spezielle Form der Kindesmisshandlung
2.6 Folgen für Kind und Familie
3 Therapiemöglichkeiten
4 Der Fall „Gypsy Rose Blancharde“
4.1 Methodenerörterung
4.2 Fallbeschreibung
4.3 Analyse des Falls
4.4 Ergebnisse
4.5 Interpretation der Ergebnisse
5 Fazit
Das primäre Ziel dieser Bachelorarbeit ist die fundierte Beschreibung des Münchhausen-by-proxy-Syndroms sowie die detaillierte Analyse des Falls „Gypsy Rose Blancharde“. Dabei soll insbesondere geklärt werden, welche Motive zu diesem bizarren Verhalten führen, wie sich die Erkrankung auf die betroffenen Kinder auswirkt und inwieweit therapeutische Ansätze existieren.
2.1 Definition
Das Münchhausen-by-proxy-Syndrom wird in der ICD-11 unter Kapitel V im Abschnitt F, genauer unter Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (F60-69), mit dem Code F68.1 Artifizielle Störungen angegeben (BfArM, 2018). Der Begriff artifizielle Störung ist durch Asher geprägt (Kurth et al., 2004, S.119). Unter einer artifiziellen Störung versteht man nach ICD-11 das absichtliche Erzeugen oder das Vortäuschen physischer und/oder psychischer Symptome mit dem Ziel die Krankenrolle einzunehmen und zahlreiche Klinikaufenthalte zu erreichen, welche teilweise zu operativen Maßnahmen führen (Porstner et al., 2015, S.478).
Klassifikationskriterien der artifiziellen Störung nach DSM-5 werden von (Falkai & Wittchen, 2015, S.191) folgendermaßen beschrieben: a. „Vortäuschen körperlicher oder psychischer Merkmale oder Symptome oder Erzeugen einer Verletzung oder Krankheit in Verbindung mit identifiziertem Täuschungsverhalten. b. Die Person stellt sich anderen gegenüber als krank, behindert oder verletzt dar. c. Das Täuschungsverhalten ist offensichtlich, auch wenn keine offensichtlichen Anreize für das Verhalten vorliegen. d. Das Verhalten kann nicht besser durch eine andere psychische Störung erklärt werden, wie eine wahnhafte Störung oder eine andere psychotische Störung“
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und erläutert die Relevanz des Münchhausen-by-proxy-Syndroms als schwerwiegende Form der Kindesmisshandlung.
2 Münchhausen-by-proxy-Syndrom: Hier werden Definitionen, diagnostische Warnsignale, differenzialdiagnostische Abgrenzungen sowie Motivationen, Formen des Missbrauchs und Folgen für die Betroffenen erörtert.
3 Therapiemöglichkeiten: Das Kapitel befasst sich mit den Ansätzen zur psychotherapeutischen Behandlung der Betroffenen sowie den damit verbundenen Herausforderungen.
4 Der Fall „Gypsy Rose Blancharde“: In diesem Teil erfolgt die methodische Einordnung, Fallbeschreibung, Analyse und Interpretation der Geschehnisse rund um Gypsy Rose Blancharde.
5 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit frühzeitiger Interventionen zum Schutz gefährdeter Kinder.
Münchhausen-by-proxy-Syndrom, Manipulation, Artifizielle Störung, Kindesmisshandlung, Gypsy Rose Blancharde, Krankheitsverhalten, Psychische Störung, Diagnose, Täterpsychologie, Opferrolle, Kindeswohl, Fallstudie, therapeutische Intervention.
Die Arbeit untersucht das Münchhausen-by-proxy-Syndrom, eine seltene und schwerwiegende Form der Kindesmisshandlung, bei der Eltern oder Bezugspersonen bei Kindern Symptome vortäuschen oder aktiv herbeiführen.
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zu anderen Störungen, die elterlichen Manipulationsmotive, die drastischen gesundheitlichen Auswirkungen auf Kinder sowie die Möglichkeiten und Grenzen einer Therapie.
Das Hauptziel liegt in der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Krankheitsbildes und dessen Veranschaulichung anhand der Fallanalyse von Gypsy Rose Blancharde.
Es wurde eine Kombination aus Literaturrecherche zum aktuellen Forschungsstand und eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring zur Auswertung der Fallstudie verwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Definition und Symptomatik des Syndroms sowie den empirischen Teil, der den spezifischen Fall Gypsy Rose Blancharde dokumentiert und analysiert.
Wichtige Begriffe sind Münchhausen-by-proxy-Syndrom, artifizielle Störung, Kindesmisshandlung, Modulation und Krankheitstäuschung.
Da betroffene Eltern oft hochgradig manipulativ agieren, ist die räumliche Trennung meist die einzige Möglichkeit, die Symptomatik des Kindes zu beenden und eine Genesung zu ermöglichen.
Die Therapie ist hochkomplex, da die betroffenen Eltern ihr destruktives Verhalten meist nicht einsehen, ihre Taten aktiv manipulieren und oft eine tief verwurzelte Verleugnungstendenz zeigen.
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