Magisterarbeit, 2009
105 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
1.1. Einführung in die Arbeit
1.2. Gliederung der Arbeit
2. Begriffsdefinition der Ironie
2.1. Begriffsursprung und –entwicklung der Ironie
2.2. Abgrenzung der Ironie zu anderen Stilformen
3. Ironiesignale
4. Linguistische Ironietheorien
4.1. Implikaturtheorie nach Grice
4.1.1. Kooperationsprinzip und Konversationsmaximen
4.1.2. Generelle und partikuläre Implikaturen
4.1.3. Ironie als konversationelle partikuläre Implikatur
4.2. Sprechakttheorie nach Austin und Searle
4.2.1. Ironie als indirekter Sprechakt
4.2.2. Ironie als uneigentlicher Sprechakt
4.3. Neuere Theorieansätze der Ironie
4.3.1. Lapps Modell der Ironie als zweistufige Simulation
4.3.2. Die Pretense Theory von Clark und Gerrig
4.3.3. Die Echoic Mention Theory von Sperber und Wilson
4.3.4. Die Allusional Pretense Theory von Kumon-Nakamura
4.4. Zusammenfassung der Theorien
5. Das Korpusmaterial
6. Charakteristika der Zeitungen
7. Die Darstellungsformen Kommentar, Kolumne und Glosse
8. Verwendungsmotivation von Ironie in Printmedien
8.1. Wirkungen der Ironie
8.2. Funktionen der Ironie
8.2.1. Funktion der Negativen Bewertung
8.2.2. Funktion des Spiegels
8.2.3. Funktion des Ästhetischen Humors
8.2.4. Funktion der Höflichkeit
8.3. Zusammenfassung der Ergebnisse
9. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Ironie in Printmedien, mit dem Ziel, die bisherigen theoretischen Erkenntnisse zu integrieren, um die Funktionen und Wirkungen ironischer Äußerungen in diesem spezifischen Kontext sowie deren Abhängigkeit von Kontextbedingungen zu erläutern.
2.1. Begriffsursprung und -entwicklung der Ironie
Aus historischer Perspektive wird die Ironie in der Linguistik dem Bereich der Rhetorik zugeordnet und gilt traditionell als Stilmittel, um in öffentlichen Auseinandersetzungen den gegnerischen Standpunkt anzugreifen. Der Begriff bezeichnet eine Redeweise, bei der das Gegenteil des Geäußerten gemeint ist. Der früheste schriftliche Beleg lässt sich auf Aristophanes zurückführen, der mit dem Begriff eiron Menschen beschreibt, "die elastisch wie Gummi oder schlüpfrig wie Öl sind" (Lapp 1997: 18). Sie betrügen durch „leere Redensarten, hohles Geschwätz und [geben] sich den Schein des Wissens, um zu täuschen, zu heucheln, zu höhnen, zu spaßen und sich durchzuschwindeln“ (ebenda: 18). Diesen Begriff bezieht Aristophanes auf Sokrates, den er als „protzerischen Scharlatan, der wissenschaftlichen Unsinn von sich gibt“ bezeichnet und Platon, der zwar die “positive, pädagogische Funktion der spezifisch sokratischen Ironie (der Haltung des prätendierten Nichtwissens) herausstellt, [aber] nicht eindeutig Stellung bezieht“ (Lapp 1997: 18). Aristophanes fasst den Begriff eiron als eine geistige Betrügerei und Heuchlerei auf. Dieses Verständnis ist ebenso bei Platon zu finden, der unter eironeuestai ‚leeres Geschwätz‘ versteht, das sich den Schein des Wissens gibt. Er sieht die sokratische Ironie als ein kritisch-schadenfrohes Spiel der Überheblichkeit, indem sich Sokrates gegenüber seinem Gesprächspartner nicht ernsthaft verkleinert und Demut erweist, sondern sich vielmehr in der Verhöhnung und Verspottung des ‚großspurig‘ auftretenden Gegners übt.
1. Einleitung: Einführung in das Thema Ironie als komplexes sprachliches Phänomen und Darlegung der Gliederung der Arbeit.
2. Begriffsdefinition der Ironie: Historische Herleitung des Begriffs und Abgrenzung zu ähnlichen Stilformen wie Satire, Sarkasmus oder Scherz.
3. Ironiesignale: Diskussion der Möglichkeiten, wie Ironie in Sprache und Text durch verschiedene Marker (mimisch, intonatorisch, lexikalisch) für den Rezipienten erkennbar wird.
4. Linguistische Ironietheorien: Detaillierte Darstellung theoretischer Ansätze, von Grice über die Sprechakttheorie bis hin zu neueren Modellen wie der Pretense Theory oder der Echoic Mention Theory.
5. Das Korpusmaterial: Erläuterung der Auswahl der analysierten Zeitungstexte, speziell Kolumnen und Glossen des Autors Harald Martenstein.
6. Charakteristika der Zeitungen: Untersuchung der medialen Rahmenbedingungen von Zeitungen als Medium der Massenkommunikation und deren Einfluss auf die Ironiewahrnehmung.
7. Die Darstellungsformen Kommentar, Kolumne und Glosse: Differenzierte Betrachtung der spezifischen Anforderungen und Merkmale dieser drei meinungsbetonten journalistischen Textsorten.
8. Verwendungsmotivation von Ironie in Printmedien: Analyse der Funktionen und Wirkungen ironischer Äußerungen, insbesondere im Hinblick auf Solidarisierung, Kritik und Humor.
9. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Rolle der Ironie als Instrument sprachlichen Handelns in den Printmedien.
Ironie, Linguistik, Implikaturtheorie, Sprechakttheorie, Printmedien, Kolumne, Glosse, Negative Bewertung, Humor, Kommunikation, Sprachliche Ironie, Ironiesignale, Allusional Pretense Theory, Soziale Konventionen, Journalismus.
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem sprachlichen Phänomen der Ironie, insbesondere deren Funktionen und Wirkungen in Printmedien.
Die zentralen Themen umfassen die linguistische Definition von Ironie, verschiedene wissenschaftliche Ironietheorien, die Rolle des Kontexts für die Ironiewahrnehmung und die Analyse von Ironie in journalistischen Textformaten wie Glossen und Kolumnen.
Das Hauptziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu schaffen, wie Ironie in Printmedien funktioniert, welche Wirkungen sie beim Rezipienten erzielen soll und wie Produzenten sie als Stilmittel einsetzen.
Die Arbeit kombiniert eine fundierte theoretische Literaturanalyse mit einer empirischen Analyse von ausgewählten Zeitungsartikeln (Korpusanalyse).
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Definitionen, Ironiesignale, Theorien) erörtert, gefolgt von einer praktischen Analyse der Verwendung von Ironie in Printmedien, inklusive ihrer verschiedenen Funktionen und Wirkungen auf den Leser.
Wichtige Begriffe sind Ironie, Linguistik, Implikatur, Sprechakttheorie, Printmedien, Kolumne, Glosse und die verschiedenen Funktionen der Ironie wie negative Bewertung oder ästhetischer Humor.
Da in schriftlichen Texten wichtige Signale wie Mimik, Gestik und Intonation fehlen, ist der Rezipient stärker auf Hintergrundwissen und den Kontext angewiesen, um die Unernsthaftigkeit der Äußerung korrekt zu deuten.
Die APT dient als ein zentraler theoretischer Bezugspunkt, da sie das Phänomen Ironie umfassend als Anspielung auf enttäuschte Erwartungen oder Normen interpretiert und dabei verschiedene Aspekte wie Bewertung und Hintergrundwissen integriert.
Der Autor nutzt Ironie, um Kritik an Sachverhalten zu äußern, ohne dabei offen gegen soziale Konventionen zu verstoßen, und um seine Leser durch einen humorvollen, erzählenden Stil enger an das Medium zu binden.
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