Bachelorarbeit, 2007
49 Seiten, Note: 1,7
1 Klärung der Problemstellung. Eingrenzung. Erkenntnisinteresse
2 Was ist AD(H)S?
2.1 Symptomatik des AD(H)S
2.2 AD(H)S als Krankheit: Das biopsychosoziale Modell zur Entstehung von AD(H)S nach Döpfner et al.
2.3 „Generation AD(H)S“? – Daten zur Prävalenz von AD(H)S
2.4 AD(H)S als Verhaltensstörung: AD(H)S ist erlerntes Verhalten
2.5 AD(H)S als Zuschreibung: Durch Etikettierungsprozesse produziert?
2.5.1 Das soziologische Konzept des labeling approach
2.5.2 AD(H)S – Ein Etikett?
2.6 Wie kommt es zur Diagnose AD(H)S?
2.7 Innehalten und Zusammenschau: Was ist AD(H)S?
3 Was brauchen Kinder mit AD(H)S-Diagnose? Pädagogische Zielvorstellung für den Umgang mit hyperaktiven Kindern
3.1 Zieldimension: Personale und soziale Integration
3.2 Zieldimension: Risikofaktoren schwächen, protektive Faktoren stärken
3.3 Zieldimension: Neue Lernerfahrungen ermöglichen
3.4 Zieldimension: Die Disposition der Erwachsenen
3.5 Zusammenfassung. Oder: Bei sich selbst zu Hause sein
4 Körperorientierte Therapiewege
4.1 Warum körperorientierte Interventionen?
4.1.1 Körperliche Ausdrucksweisen des AD(H)S
4.1.2 Mögliche Effekte psychomotorischer Therapiewege
4.2 Hatha-Yoga: Eine Interventionsmöglichkeit für Kinder mit AD(H)S
4.3 Kampfkünste: Sportarten mit therapeutischem Zusatzwert
4.4 Erlebnispädagogische Perspektiven
5 Konsequenzen für den pädagogischen Umgang mit dem Phänomen AD(H)S
6 Bei sich selbst zu Hause sein. Ziel verantwortlicher Pädagogik
Die Arbeit untersucht das Phänomen AD(H)S durch eine interdisziplinäre Brille, die medizinische, soziologische und pädagogische Perspektiven vereint, um einen verantwortungsvollen Umgang mit betroffenen Kindern zu entwickeln. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie eine Pädagogik, die den Körper und die Persönlichkeitsentwicklung in den Mittelpunkt stellt, Kindern helfen kann, ihre Ressourcen zu stärken und zu einer stabilen Identität zu finden.
4.1.1 Körperliche Ausdrucksweisen des AD(H)S
AD(H)S manifestiert sich durch das Verhalten auf der körperlichen Ebene. ALTHERR 1993, 13f beschreibt die körperliche Erscheinung von hyperaktiven Kindern als ein Zuviel an kraftvoller und schneller Bewegung, mit großen Schwierigkeiten in der Feinmotorik und der motorischen Lernfähigkeit. „Gleichzeitig wird ein großer sensorischer Reizhunger ohne entsprechende Möglichkeit zur Reizverarbeitung beobachtet“ (ALTHERR 1993, 14). Kiphard beschreibt, dass AD(H)S-Kinder sich ein erhöhtes Reizniveau verschaffen, „um damit das vestibuläre System zum Reagieren zu zwingen“ (KIPHARD 2001, 62): Kinder mit AD(H)S brauchen „reizintensive, abenteuerliche Spitzenerlebnisse, die mit überschäumender Funktionslust, aber auch mit Angstlust einhergehen.“ (EBD., 61), denn sie suchten aufgrund der hohen Reizschwelle ihres vestibulären Systems riskante und aufregende Situationen.
VON LÜPKE 2001, 114 identifiziert in der klassischen AD(H)S-Trias der Kernsymptome Hyperaktivität, Konzentration- und Aufmerksamkeitsmangel und Impulsivität das Konzept der „Minimalen Cerebralen Dysfunktion“ (MCD), das KIPHARD 1983/1995 aus psychomotorischer Sicht beschreibt und dabei die körperlichen Ausdrucksformen der Störung auf der Ebene des Verhaltens, der Wahrnehmung und der Bewegung genauer schildert: Zu den von KIPHARD 1983/1995, 245ff dargestellten Störungsmerkmalen gehören auf der Verhaltensebene neben einem unbeherrschten und labilen, zwischen Defensive und Aggression pendelnden Verhalten auch durch Mutlosigkeit und Minderwertigkeitsgefühl geprägte Selbstwertstörungen, die mit Schwierigkeiten im Kontaktverhalten einhergehen. Meist ist das Kind im zwischenmenschlichen Kontakt gehemmt, jedoch sind auch distanz- und respektloses, aggressives Verhalten Ausdruck dieser Verhaltensstörung.
1 Klärung der Problemstellung. Eingrenzung. Erkenntnisinteresse: Dieses Kapitel führt in die Vielfalt der Bezeichnungen und die Problematik der Abgrenzung von AD(H)S ein und begründet den Weg der Arbeit durch die verschiedenen fachwissenschaftlichen Positionen.
2 Was ist AD(H)S?: Hier werden drei Perspektiven – die medizinische, die lerntheoretische und die soziologische – beleuchtet, um ein umfassendes Verständnis für das Phänomen als Interaktionsphänomen zwischen Kind und Umwelt zu gewinnen.
3 Was brauchen Kinder mit AD(H)S-Diagnose? Pädagogische Zielvorstellung für den Umgang mit hyperaktiven Kindern: Das Kapitel entwickelt auf Basis von Maria Montessoris Konzept der Normalisation pädagogische Ziele, die über die bloße Symptombekämpfung hinausgehen und die Persönlichkeitsentwicklung fördern.
4 Körperorientierte Therapiewege: Diese Sektion stellt konkrete Ansätze wie Psychomotorik, Hatha-Yoga, Kampfkünste und Erlebnispädagogik als Mittel zur Förderung der Selbstwahrnehmung und zur Integration des Körperschemas vor.
5 Konsequenzen für den pädagogischen Umgang mit dem Phänomen AD(H)S: Hier werden thesenartige Forderungen für die pädagogische Praxis und Bildungspolitik entworfen, um einen ganzheitlichen und protektiven Umgang mit betroffenen Kindern zu sichern.
6 Bei sich selbst zu Hause sein. Ziel verantwortlicher Pädagogik: Das Fazit fasst zusammen, dass das übergeordnete Ziel verantwortlicher Pädagogik die Unterstützung des Kindes ist, in sich selbst Geborgenheit zu finden und eine stabile Identität zu entwickeln.
AD(H)S, Hyperaktivität, Körperorientierte Therapie, Psychomotorik, Hatha-Yoga, Kampfkünste, Erlebnispädagogik, Montessori, Normalisation, Selbstkonzept, Identitätsbildung, Sozialisation, Pädagogische Praxis, Etikettierung, Selbstregulation.
Die Arbeit untersucht das Phänomen AD(H)S nicht nur als medizinische Diagnose, sondern als komplexe pädagogische und soziologische Herausforderung, und schlägt körperorientierte Wege für eine förderliche pädagogische Begleitung vor.
Die Arbeit behandelt die Definition von AD(H)S, die Risiken der Etikettierung, pädagogische Zielvorstellungen (wie die Normalisation) und verschiedene körperzentrierte Interventionsmethoden.
Das Ziel ist es, von einer rein defizitorientierten Betrachtung hyperaktiver Kinder wegzukommen und Wege aufzuzeigen, wie Pädagogik durch körperorientierte Ansätze die Ressourcen der Kinder stärken kann.
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die medizinische, soziologische und pädagogische Fachliteratur sichtet, reflektiert und in ein eigenes Konzept für verantwortungsvolles pädagogisches Handeln integriert.
Im Hauptteil werden körperorientierte Verfahren wie Psychomotorik, Yoga, Kampfkünste und Erlebnispädagogik auf ihre Relevanz und Wirkung für Kinder mit AD(H)S hin untersucht.
Zentrale Begriffe sind AD(H)S, Körperorientierung, Personalisation, Sozialisation, ganzheitliche Pädagogik, Selbstkonzept und Ressourcenorientierung.
Die Diagnose kann zur Etikettierung führen, bei der das Kind auf das Störungsbild reduziert wird. Dies kann die Selbstzuschreibung „ich bin krank“ fördern und die Handlungsmächtigkeit des Kindes einschränken, anstatt seine Entwicklung zu unterstützen.
Kampfkünste bieten einen strukturierten Rahmen, der nicht nur motorische Fähigkeiten schult, sondern durch Rituale und den bewussten Körperkontakt auch soziale Kompetenzen und ein stabileres Selbstbild vermittelt.
Er beschreibt das pädagogische Ideal, dass Kinder durch Struktur, Anerkennung und Erfahrung lernen, ihren eigenen Wesenskern zu entdecken und eine stabile Identität zu entwickeln, statt sich nur fremden Normerwartungen anzupassen.
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