Masterarbeit, 2023
75 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Henzes Bassariden nach der Bakchen-Tragödie Euripides‘
2.1 Von der Mythe zum Libretto
2.2 Die Handlung der Oper
2.3 Die Figurenkonstellationen in Theben und deren Gegenwelt am Kytheron
2.4 Die Oper im Kontext von Henzes Leben und Werk
2.5 Zur Rezeption
3 Zur musikalischen Gestaltung der Oper
3.1 Die Pentheus- und die Dionysos-Reihe als Grundlage für zwei verschiedene Welten
3.2 Die Gestaltung der zwei Welten durch weitere musikalische Parameter
3.3 Analyse der Exposition
3.4 Analyse der Gefangenenszene
3.5 Analyse des Verhörs von Agaue
4 Erkenntnis
Diese Masterarbeit untersucht die musikdramatische Charakterisierung der gegensätzlichen Welten von Pentheus und den Anhängern des Dionysos-Kultes in Hans Werner Henzes Oper "Die Bassariden". Dabei wird analysiert, wie die philosophischen Konzepte von "Eros" und "Ratio" musikalisch umgesetzt werden und inwiefern diese Gegenüberstellung Henzes eigene künstlerische Auseinandersetzung mit Identität und Gesellschaft widerspiegelt.
3.1 Die Pentheus- und die Dionysos-Reihe als Grundlage für zwei verschiedene Welten
Das Grundmaterial der Oper basiert auf zwei Zwölftonreihen, die als Keimzelle für zwei Klangwelten dienen. Klaus Oehl stellt dabei heraus, dass Henze die Reihen des Pentheus und des Dionysos als zwölftonartige Modi und nicht als Reihen bezeichnet. Er vermutet die terminologische Unterscheidung zwischen Modus und Reihe in der Abgrenzung Henzes von der strengen Reihentechnik anderer Komponisten. So kann Henze durch die freiere Verwendung der Reihen verschiedene Klangwelten und Charaktere differenzierter gestalten. Der freie Umgang mit Zwölftonreihen mit der Möglichkeit, Töne zu tauschen und tonale Reminiszenzen zu erzeugen, stellt dabei ein Charakteristikum Henzes dar.
Demnach sind die Reihen in Henzes Oper selten in schulkompositorischer Reinheit zu finden. Wie auch schon bei Berg erscheinen die Reihen nicht nur horizontal in der Partitur, sondern treten auch in Form von vertikalen Repräsentanten von Reihenausschnitten als deutbare Akkorde auf. „Überzählige Töne, Elftonakkorde, unvollständige Reihen und die undogmatische Benutzung von thematischen und formalen Versatzstücken gehören zu der Regel.“ Dies zeigt sich schon beim ersten Auftreten der Dionysos-Reihe.
1 Einleitung: Herausarbeitung der zentralen Problemstellung und der Bedeutung des Werkes im Kontext von Euripides‘ Tragödie und Henzes Schaffensbiografie.
2 Henzes Bassariden nach der Bakchen-Tragödie Euripides‘: Vorstellung der mythologischen Basis, der Handlung sowie der figurenspezifischen Konstellationen und der Rezeptionsgeschichte der Oper.
3 Zur musikalischen Gestaltung der Oper: Detaillierte musikwissenschaftliche Untersuchung der kompositorischen Mittel, insbesondere der Zwölftonreihen und instrumentaler Parameter zur Charakterisierung der gegensätzlichen Welten.
4 Erkenntnis: Synthese der Analyseergebnisse und Bestätigung der These, dass musikdramatische Mittel zur übergeordneten Charakterisierung des philosophischen Konflikts zwischen Pentheus und Dionysos genutzt werden.
Hans Werner Henze, Die Bassariden, Dionysos-Kult, Pentheus, Musikdrama, Zwölftonmusik, Euripides, Eros, Ratio, Musikdramaturgie, Opernanalyse, Theben, Mänaden, griechische Mythologie, musikalische Charakterisierung
Die Arbeit analysiert die musikdramatischen Mittel, mit denen Hans Werner Henze in seiner Oper "Die Bassariden" den Konflikt zwischen rationaler Ordnung (Pentheus) und dionysischem Rausch (Dionysos-Kult) darstellt.
Im Zentrum stehen die Konzepte von Eros und Ratio, die musikalische Ausgestaltung von Charakteren sowie die Verknüpfung von antiker Mythologie mit zeitgenössischen Identitätsfragen.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Henze durch spezifische Intervalle, Rhythmik und Instrumentation eine musikdramatische Dualität schafft, die über die reine Handlungsebene hinausgeht.
Die Autorin nutzt vorwiegend eine musikwissenschaftliche und musikdramaturgische Analyse, ergänzt durch tiefenpsychologische Deutungen und Vergleiche mit der literarischen Vorlage von Euripides.
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Vorstellung der Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte sowie in tiefgehende technische Analysen von Zwölftonreihen, Metrik und Klangfarben in ausgewählten Szenen.
Wichtige Begriffe sind Zwölftonreihen, Musikdrama, Rationalismus versus Irrationalismus, psychologische Profilbildung der Figuren und die Transformation des antiken Stoffes in die Moderne.
Laut der Studie enthüllt das Intermezzo Pentheus' unterdrückte sexuelle Begierden und Fantasien, wodurch sein späteres Erliegen den Verführungskünsten des Dionysos erst psychologisch nachvollziehbar wird.
Das Orchester wird als primäres Gestaltungsmittel genutzt: Während Pentheus eher mit spröden, dissonanten Klängen und tiefen Registern verbunden ist, dominieren bei den Anhängern des Dionysos hellere, pastorale und durch Rhythmus betonte Klänge.
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