Bachelorarbeit, 2018
108 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Forschungsstand
2.1. Versöhnung
2.2. Empathie
2.3. Zusammenhang zwischen Empathie und Versöhnungsbereitschaft sowie Versöhnungsziel
3. Methode
3.1. Stichprobe
3.2. Versuchsdesign
3.3. Versuchsablauf
3.4. Material
3.4.1. Manipulation der sozialen Rolle
3.4.2. Operationalisierung der Versöhnungsbereitschaft
3.4.3. Operationalisierung des Versöhnungsziels
3.4.4. Operationalisierung der kognitiven und affektiven situationalen Empathie
4. Ergebnisse
4.1. Überprüfung der Manipulation
4.2. Unterschiede in der Versöhnungsbereitschaft
4.3. Unterschiede im Versöhnungsziel
4.4. Unterschiede in der situationalen Empathie
4.5. Zusammenhang von situationaler Empathie und Versöhnungsbereitschaft sowie Versöhnungsziel
5. Diskussion
5.1. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
5.2. Limitationen
5.3. Ausblick
5.4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den bisher wenig erforschten direkten Einfluss der sozialen Rolle (Opfer oder Täter) auf die Versöhnungsbereitschaft und das Versöhnungsziel sowie die vermittelnde Rolle der situationalen Empathie innerhalb des bedürfnisbasierten Modells der Versöhnung.
1. Einleitung
Nach einem begangenen Unrecht ist oft der erste Impuls des Opfers, sich zu rächen statt nach Versöhnung zu streben (McCullough, Worthington, JR. & Rachal, 1997). Die Person, die zum Opfer geworden ist, sucht nach Vergeltung, und macht dadurch den anderen wiederum zum Opfer. Dabei trägt Rache oft hohe Kosten (Nadler & Liviatan, 2006). Das berühmte Zitat von Mahatma Gandhi, „Auge um Auge - und die ganze Welt wird blind sein.“ beinhaltet viel Wahres. Diese Kosten können sowohl physische als auch psychische Verletzungen oder beides sein. Sie werden bei Vergeltung jedoch nicht nichtig gemacht oder geheilt, sondern ein Teufelskreis wird angeregt (Nadler, 2005, 2012).
Da dies das Leid vervielfacht und dabei gleichzeitig keine echte Lösung darstellt (Nadler, 2012), ist ein Ausstieg aus der Gewaltspirale essentiell. Ein solcher Ausstieg soll dabei tatsächliche und langfristige Lösungen anbieten, die einen Wiederausbruch der physischen oder psychischen Gewalt verhindern. Ein möglicher Abbruch stellt die Versöhnung dar. Dies bedeutet, emotionale Mauern aus einem Konflikt, die den Weg zur Wiederherstellung der Beziehung versperren, zu entfernen (Nadler & Shnabel, 2008). So schließen Opfer und Täter mit der Vergangenheit ab und kommen auf Augenhöhe.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik von Unrecht und Vergeltung ein, thematisiert die Bedeutung der Versöhnung zum Durchbrechen von Gewaltspiralen und leitet die Forschungsfragen zur Rolle von Empathie und sozialer Identität her.
2. Forschungsstand: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Versöhnung, erläutert das bedürfnisbasierte Modell der Versöhnung (NBMR) und integriert das Konstrukt der Empathie als zentrale Variable für die Versöhnungsbereitschaft.
3. Methode: Hier wird der Versuchsaufbau der Onlinestudie mit 582 Probanden beschrieben, inklusive der Manipulation der sozialen Rollen durch Vignetten und der operationalisierten Messinstrumente für Empathie und Versöhnungsbereitschaft.
4. Ergebnisse: Das Kapitel präsentiert die statistischen Auswertungen, welche die Hypothesen stützen, dass Opfer eine geringere Versöhnungsbereitschaft und Empathie gegenüber Tätern aufweisen als umgekehrt.
5. Diskussion: Abschließend werden die Befunde im Kontext der bestehenden Theorie interpretiert, Limitationen der Studie diskutiert und mögliche Ansätze für zukünftige Empathieinterventionen abgeleitet.
Bedürfnisbasiertes Modell, Versöhnung, Opfer, Täter, situationale Empathie, kognitive Empathie, affektive Empathie, Versöhnungsbereitschaft, Versöhnungsziel, Agency, Communion, interpersoneller Konflikt, Konfliktbeilegung, Sozialpsychologie, Onlinestudie.
Die Arbeit untersucht, wie sich die soziale Identität als Opfer oder Täter auf die Bereitschaft auswirkt, sich mit dem Konfliktpartner zu versöhnen, und welche Rolle die situationsabhängige Empathie dabei spielt.
Die Schwerpunkte liegen auf dem bedürfnisbasierten Modell der Versöhnung (NBMR), den psychologischen Prozessen nach erlittenem oder begangenem Unrecht sowie den Unterschieden in der Empathiefähigkeit zwischen Konfliktparteien.
Ziel ist es, den noch wenig erforschten Zusammenhang zwischen der sozialen Rolle in einem Konflikt, der situationalen Empathie und der daraus resultierenden Versöhnungsbereitschaft und dem gewählten Versöhnungsziel empirisch zu belegen.
Die Autorin führte eine experimentelle Onlinestudie mit 582 Probanden durch, bei der die soziale Rolle (Opfer vs. Täter) durch Vignetten manipuliert wurde und anschließend Fragebögen zur Empathie und Versöhnung erhoben wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Aufarbeitung des Forschungsstands, die methodische Herleitung der Stichproben- und Skalenauswahl sowie die statistische Auswertung der Korrelationen zwischen Empathieausprägungen und Versöhnungszielen.
Zentrale Begriffe sind neben dem "bedürfnisbasierten Modell der Versöhnung" vor allem die Differenzierung zwischen Agency- und Communion-Bedürfnissen, "situationale Empathie" sowie die Unterscheidung in ergebnisorientierte und sozio-emotionale Versöhnungsbereitschaft.
Die Studie zeigt, dass Opfer gegenüber Tätern sowohl eine geringere kognitive als auch eine geringere affektive situationale Empathie aufweisen, was auf den Fokus auf eigene Bedürfnisse (Agency) zurückgeführt wird.
Die Befunde deuten darauf hin, dass gezielte Empathieinterventionen dazu beitragen könnten, insbesondere bei Opfern die Versöhnungsbereitschaft zu erhöhen, indem die emotionale Distanz zum Täter verringert wird.
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