Masterarbeit, 2008
95 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
Problemstellung und Leitfrage
Definition
Methodik
Archiv- und Quellenlage
Forschungsstand
2. Kulturpolitik in der DDR
2.1 Zur Entwicklung der Kulturpolitik in den 1980er Jahren
2.2 Die DEFA in den 1980er Jahren
3. „Überholt“ von der Geschichte? Drei DEFA-Filme im Blickpunkt
3.1 Hans-Werner Honert `Ein brauchbarer Mann`
3.1.1 Produktanalyse
3.1.2 Kontextanalyse
3.1.3 Rezeptionsanalyse
3.1.3.1 Intentionen der Künstler
3.1.3.2 Zensurberichte
3.1.3.3 Mediale Resonanz
3.1.4 Ergebnisse
3.2 Peter Kahane `Die Architekten`
3.2.1 Produktanalyse
3.2.2 Kontextanalyse
3.2.3 Rezeptionsanalyse
3.2.3.1 Intentionen der Künstler
3.2.3.2 Stellungnahmen zum Film
3.2.3.3 Mediale Resonanz
3.2.4 Ergebnisse
3.3 Heiner Carow `Coming out`
3.3.1 Produktanalyse
3.3.2 Kontextanalyse
3.3.3 Rezeptionsanalyse
3.3.3.1 Stellungnahmen zum Film: Gutachten
3.3.3.2 Zensurberichte
3.3.3.3 Mediale Resonanz
3.3.4. Ergebnisse
4. Resümee
Die Arbeit untersucht, ob die DEFA-Spielfilme „Ein brauchbarer Mann“ (1989), „Die Architekten“ (1989/90) und „Coming out“ (1989) die politische Wende in der DDR vorwegnahmen oder ob sie von der Geschichte bereits „überholt“ wurden, und analysiert dabei das Geschichtsbild, die Zensurpolitik sowie die Motivation der Kulturschaffenden.
3.1.1 PRODUKTANALYSE - INHALT UND FORMALER AUFBAU
In dem Film von Hans-Werner Honert wird der junge Nachwuchskader Uli Merkel (Tobias Langhoff) von der Generaldirektion seines Betriebes damit beauftragt, die verlorengegangenen Technologieentwürfe seines Vorgängers Heiner Rudolf (Rolf Hoppe) wiederzubeschaffen. Dass es sich hierbei um einen Auftrag zum Diebstahl geistigen Eigentums handelt, stört Uli zunächst nicht, schließlich verspricht er sich von einem Erfolg vielfältige Karrierechancen, sowie die Durchsetzung eigener Ideen. Jedoch gerät die Mission zu einer schmerzhaften Reise der Selbsterkenntnis. Heiner hat sich, nachdem seine Entwürfe und Vorschläge abgelehnt wurden, auf die Insel Rügen zurückgezogen. Verbittert und enttäuscht lebt er isoliert auf der Insel und arbeitet für die Kirche als Bestatter auf einem Friedhof.
Dennoch entwickelt sich zwischen den beiden Protagonisten ein Vertrauensverhältnis. In den Gesprächen offenbart Heiner, dass die Kaderleitung seine neuartigen Ideen zum damaligen Zeitpunkt nicht gebrauchen konnte und wollte. Da er aber nicht locker ließ, drängte ihn die Führung aus dem Kombinat. Nun beginnt Uli umzudenken. Er erkennt, dass seine Entwürfe bis dato keinerlei Umsetzung erfuhren. Auch seine betriebsinternen Verbesserungsvorschläge wurden von der Führung stets zurückgewiesen. Desillusioniert, aber mit dem Mut der Verzweiflung, begibt er sich zurück nach Berlin. Dort angekommen, muss er feststellen, dass seine Lebensgefährtin eine Affäre mit seinem besten Freund hat. Nun ist Uli bereit alles hinzuschmeißen. Er stellt seinen Vorgesetzten Gerhard (Otto Mellies) zur Rede. Dieser versucht erneut den Protagonisten von der Richtigkeit seines Auftrages zu überzeugen. Die Zukunft des Betriebes hänge vom Erfolg seiner Bemühungen ab und damit auch das Wohl der sozialistischen Gemeinschaft. Allerdings kann und will Uli sich nicht länger „gebrauchen“ lassen. Er reist erneut auf die Insel Rügen und vertraut Heiner die wahren Gründe seiner Reise an. Symbolträchtig erscheint gerade in diesem Moment Gerhard und kann Heiner noch einmal davon überzeugen, mit ihm nach Berlin zurückzukehren. Uli verbleibt allein auf dem Friedhof und vollendet die Grube von Heiner. Als er sein Werk beendet hat, regnet es in Strömen. Er versucht das Grab zu verlassen, rutscht jedoch immer wieder zurück.
1. Einleitung: Dieses Kapitel definiert die Forschungsfrage und den methodischen Rahmen der Filmanalyse unter Einbeziehung des historischen Kontextes.
2. Kulturpolitik in der DDR: Das Kapitel beleuchtet die kulturpolitischen Entwicklungen sowie die Rolle der DEFA in den 1980er Jahren vor dem Hintergrund der politischen Stagnation.
3. „Überholt“ von der Geschichte? Drei DEFA-Filme im Blickpunkt: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die drei Filme „Ein brauchbarer Mann“, „Die Architekten“ und „Coming out“ hinsichtlich ihrer produktions- und rezeptionsgeschichtlichen Hintergründe.
4. Resümee: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Rolle der Filme als Zeitzeugen und Produkte der Wendezeit.
DEFA, DDR, Kulturpolitik, Filmanalyse, Wende, Zensur, Sozialismus, Coming out, Die Architekten, Ein brauchbarer Mann, Gesellschaftskritik, Filmzensur, Zeitgeschichte, Transformationsprozess, Spielfilm.
Die Arbeit untersucht drei spezifische DEFA-Gegenwartsfilme aus der Zeit der Wende und analysiert, wie diese die gesellschaftlichen Zustände und die Rolle des Sozialismus reflektieren.
Zentral sind die kritische Auseinandersetzung mit der DDR-Gesellschaft, das Thema Zensur, das Verhältnis von Individuum und Staat sowie die Frage nach künstlerischer Freiheit unter ideologischem Druck.
Das Ziel ist zu klären, ob die analysierten Werke die politische Wende aktiv vorwegnahmen oder ob sie von den historischen Ereignissen des Jahres 1989 bereits „überholt“ wurden.
Die Arbeit nutzt ein Modell der historischen Filmanalyse, das die Filmrealität, die Bedingungsrealität, die Bezugsrealität und die Wirkungsrealität in einem dreistufigen Modell untersucht.
Im Hauptteil werden die Filme „Ein brauchbarer Mann“, „Die Architekten“ und „Coming out“ detailliert in Bezug auf ihren Inhalt, den Entstehungskontext, die Zensurberichte und ihre mediale Resonanz besprochen.
Wichtige Begriffe sind DEFA, Zensur, Sozialismus, Gesellschaftskritik, Filmanalyse und die Wendezeit.
Die Zensur verlor in der späten Phase der DDR an Macht, da die Behörden zunehmend durch die politische Lage gelähmt waren, was den Künstlern mehr Spielraum für kritische Darstellungen ermöglichte.
Der Film zeigt das Scheitern einer ganzen Generation und die tiefgreifende Krise im DDR-Kulturbetrieb in einer Weise, die das System als in einer Sackgasse befindlich darstellt.
Das Thema dient einerseits als individueller Selbstfindungsprozess und andererseits als Metapher für den Ausschluss von Minderheiten und das mangelnde demokratische Selbstverständnis in der DDR.
Der Autor stellt fest, dass die Filme zwar zur Zeit ihrer Entstehung den „Nerv der Zeit“ trafen, bei ihrer Premiere jedoch oft bereits von der rasanten historischen Realität überrollt wurden.
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