Masterarbeit, 2021
130 Seiten, Note: 1,0
I. EINLEITUNG
A. STATIONEN DER PAULUSFORSCHUNG
1. Antijudaismus als ideologischer Ausweg
2. Von Augustinus zu M. Luther
3. F. C. Baur und die Tübinger Schule
4. Die Religionsgeschichtliche Schule
5. R. Bultmann und seine Schüler
6. Die Neue Perspektive auf Paulus
7. Die Radikal Neue Perspektive auf Paulus
II. ORIENTIERUNG
A. DAS JUDENTUM ZUR ZEIT DES ZWEITEN TEMPELS
1. Palästina als das Stammland des jüdischen Volkes
2. Leben in der Diaspora
B. DIE TORA ALS (EIN) HERZSTÜCK DES JUDENTUMS
1. Was bedeutet es, die Tora zu befolgen? Hermeneutische Betrachtungen
2. Die Befolgung der Tora im ersten Jahrhundert am Beispiel von 1Kor 8-10
C. FAZIT
III. PERSON
A. DIASPORAJUDE AUS TARSUS UND PHARISÄER IN JERUSALEM
1. Kulturelle Prägung und Bildung
2. Religiöse Prägung
3. Diaspora oder Palästina?
4. Sind feste Denkkategorien unverzichtbar?
B. DAS DAMASKUS-EREIGNIS – VOM SAULUS ZUM PAULUS?
1. Die Verfolgung der frühen ekklesia
2. Eine Offenbarung Christi innerhalb jüdischer Apokalyptik?
3. Die Bedeutung alttestamentlicher Schriften für Paulus
4. Eschatologische Neuorientierung
C. PAULI VERHÄLTNIS ZU SEINER JÜDISCHEN HERKUNFT
D. FAZIT
IV. WIRKUNG
A. DAS UMFELD DER PAULINISCHEN VERKÜNDIGUNG
1. Die Heiden in paulinischen Gemeinden
2. Israel und die Nationen
B. DIE TORA BEI PAULUS
1. Die Rolle der Tora für Juden und Nichtjuden
2. Werke des Gesetzes
3. Die Beschneidung
C. FAZIT
V. GESAMTFAZIT
VI. ANHANG
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den Apostel Paulus im Kontext seiner Zeit, seiner Herkunft und seiner Vision neu zu verstehen. Im Zentrum steht die Untersuchung, inwiefern Paulus innerhalb jüdischer Vorstellungszusammenhänge verstanden werden kann, wobei insbesondere seine theologischen Ansichten zur Tora, seine Sicht auf das erwählte Volk Israel und das Verhältnis zwischen Israel und den Nationen untersucht und reflektiert werden.
Die Tora bei Paulus
Einen beträchtlichen Anteil an der wissenschaftlichen Diskussion darüber, ob Paulus als Vertreter des Judentums im ersten Jahrhundert gelten kann, nimmt die Frage ein, in welchem Verhältnis er zum jüdischen Gesetz – der Tora – stand.558 Zwar platzieren jüngere Forschungsrichtungen ihn immer weiter als Tora-treuen Juden innerhalb des Judentums. Doch auch Vertreter der Neuen Sicht sind vielfach der Meinung, Paulus „entthrone“ das Gesetz aufgrund seiner Auffassung zum Status der Heiden sowie aufgrund seiner exklusiven Soteriologie.559 Es besteht die Gefahr, die Befolgung der Tora als weniger dynamische, dafür umso statischere Angelegenheit zu betrachten.560 Darüber hinaus ist es nicht unproblematisch anzunehmen, das gegenwärtige Wissen über das jüdische Gesetz im ersten Jahrhundert erlaube es, über Paulus ein Urteil zu fällen ob und insbesondere zu welchem Grad er als gesetzestreuer Jude lebte.
Vielfach lässt sich in der protestantischen Theologie die Auffassung vernehmen, dass für Paulus das Gesetz erst in Christus zu erfüllen gewesen wäre, es daher erst den von Christus Freigemachten aus Dankbarkeit befähigte, die darin enthaltenen Forderungen zu erfüllen.561 Die Perspektive von Christus her auf das Gesetz ist dabei mit der energischen Ablehnung einer „ […] alleinige[n] Gültigkeit und soteriologisch-funktionale[n] Rolle der Tora […] (vgl. Phil 3,5-11)[…]“562 verbunden. Der theologische Stellenwert der Tora müsste daher neu bedacht werden, denn die große Schwäche des Gesetzes bestünde darin, im Kampf gegen die Sünde auf das schwache Fleisch angewiesen zu sein (vgl. Röm 8,3).563 Hierbei sollte in jedem Falle in Auseinandersetzung mit der Theologiegeschichte zwischen M. Luther und Paulus unterschieden werden. Denn jener kam über verfehlte Gesetzesforderungen schließlich zur Erkenntnis der Aufnahme aus Gnade. Paulus jedoch war – anders als Luther – keineswegs am jüdischen Gesetz gescheitert,564 sondern in einer ihn überwältigenden Offenbarung mit dem auferstandenen Herrn (welche, wie bereits gesehen, durchaus komplett in jüdischen Vorstellungszusammenhängen erklärt werden kann) zu einer tiefgreifenden Reflexion über den Zeitpunkt der Inklusion der Heiden gelangt.
I. EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt die Notwendigkeit, Paulus im Kontext seiner Zeit und Tradition zu betrachten und stellt die zentrale Forschungsfrage nach seinem Verständnis von Tora und dem Verhältnis von Judentum und Christentum.
II. ORIENTIERUNG: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Judentum zur Zeit des Zweiten Tempels, einschließlich der Bedeutung des Exils, der Rolle der Tora und der Pluralität jüdischer Gruppierungen.
III. PERSON: Hier wird die kulturelle und religiöse Prägung des Paulus untersucht, insbesondere seine Herkunft aus einer Diasporajudengemeinschaft und das prägende Ereignis seiner Christusbegegnung.
IV. WIRKUNG: Dieser Teil befasst sich mit der paulinischen Verkündigung unter Nichtjuden, diskutiert das Verständnis der Tora bei Paulus und reflektiert sein Verhältnis zu seiner jüdischen Herkunft.
Paulus, Judentum, Tora, Neues Testament, Diasporajudentum, Bundesnomismus, Neue Perspektive auf Paulus, Heidenmission, Gesetz Christi, Pharisäer, Damaskus-Ereignis, Nationen, Israel, Beschneidung, Apostel
Die Masterarbeit befasst sich mit dem Apostel Paulus und der Frage, wie sein Denken und Handeln innerhalb des Judentums des ersten Jahrhunderts verstanden werden kann, wobei der Fokus auf seinem Verständnis der Tora und des Verhältnisses zu den Nationen liegt.
Zentral sind die Untersuchung des Judentums zur Zeit des Zweiten Tempels, die Forschungsgeschichte zu Paulus, das Damaskus-Ereignis sowie die Analyse des paulinischen Gesetzesverständnisses im Kontext seiner Verkündigung an Nichtjuden.
Das Ziel ist es, Paulus weg von einer traditionell protestantischen Einseitigkeit ("Gesetzesbrecher") zu einem Paulus zu entwickeln, der als jüdischer Jude verstanden wird, welcher seine jüdischen Wurzeln nach seiner Christusbegegnung nicht abgelegt hat.
Die Arbeit nutzt historisch-kritische Exegese und reflektiert aktuelle Forschungsansätze wie die "Neue Perspektive auf Paulus" und die "Radikal Neue Perspektive", um die paulinischen Briefe in ihrem ursprünglichen jüdischen Kontext zu interpretieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Orientierung über das Judentum zur Zeit des Zweiten Tempels, eine biographische Betrachtung des Paulus ("Person") und eine Analyse seiner Wirkung und Theologie in Bezug auf die Tora und die Nationen.
Die Arbeit wird unter anderem durch Begriffe wie Bundesnomismus, Diasporajudentum, Beschneidung, Werke des Gesetzes und das Verhältnis zwischen Israel und den Nationen charakterisiert.
Der Autor argumentiert, dass Paulus das Gesetz nicht als obsolet oder negativ betrachtet, sondern dass das Gesetz (die Tora) für ihn weiterhin eine zentrale, heilsgeschichtliche Rolle spielt, insbesondere in der Differenzierung zwischen Juden und ehemaligen Heiden, ohne dass diese konvertieren müssten.
Es wird nicht als Bruch mit dem Judentum oder einfache Konversion verstanden, sondern als Berufung, die Paulus dazu brachte, seine eschatologische Perspektive anzugleichen, wobei er seine jüdische Identität beibehielt und diese in sein neues apostolisches Handeln integrierte.
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