Magisterarbeit, 2017
74 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Usāma as-Sayyid al-Azharī
2.1 Biografie und Werdegang
2.2 Usāma al-Azharīs Position innerhalb der al-Azhar
2.3 Usāma al-Azharīs Verhältnis zur ägyptischen Regierung
2.4 Usāma al-Azharī und die Muslimbruderschaft
2.5 Mediale Präsenz, Nutzung sozialer Medien und Rezeption in der Öffentlichkeit
3 „Die offenkundige Wahrheit“ als Beitrag zum Erneuerungsdiskurs im Lichte des takfīr als sozio-politischer Herausforderung
3.1 al-ḥaqqu l-mubīnu fī r-raddi ʿalā man talāʿaba bi-d-dīni
3.2 takfīr
3.2.1 Definition, Ursprünge und Deutung
3.2.1.1 ḥākimīya
3.2.1.2 Die ǧāhilīya und die göttliche Verheißung
3.2.1.3 ǧihād
3.2.2 Die Anwendung des takfīr-Gedankens aus historischer Perspektive
3.3 Die Azhar und ihr Verhältnis zum takfīr
3.4 Hauptaussage des Buches
4 Die Wiederbelebung des taǧdīd-Diskurses
4.1 Herkunft und Entwicklung des Begriffs
4.2 Bedeutung und Entwicklung des taǧdīd-Begriffs
4.3 Akteure des taǧdīd-Diskurses
5 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wiederbelebung des islamischen Erneuerungsdiskurses (taǧdīd) im post-revolutionären Ägypten, mit besonderem Fokus auf das Werk und die Rolle des Gelehrten Usāma al-Azharī, der als präsidialer Berater für religiöse Angelegenheiten eine zentrale Position innerhalb dieses Diskurses einnimmt.
3.2 takfīr
Unter dem Begriff takfīr versteht man die Bezichtigung einer (meist muslimischen) Person des Unglaubens (kufr). Ein Ungläubiger vertritt vom Glauben abweichende Ansichten oder vollzieht Handlungen, die auf Unglauben hindeuten und der Apostasie gleichgestellt sind. Die Konsequenz daraus kann die Exkommunikation oder sogar die Exekution sein. Doch auch wenn von der Exekution abgesehen wird, so hat das takfīr-Urteil doch schwerwiegende Folgen für den sozialen Rückhalt der beschuldigten Person. Es kommt nicht selten zum Bruch der sozialen oder familiären Kontakte oder zur Ausgrenzung in der Moschee. Einem Ungläubigen kann auch das Erbe oder ein Grabplatz auf einem muslimischen Friedhof verweigert werden, zudem sind vor Gericht Aussagen von als kāfirūn bezeichneten Personen nicht zugelassen. Die Formen der Ausgrenzung sind vielfältig.
Doch muss unterschieden werden zwischen der Stigmatisierung einzelner Personen durch die Unglaubensbeschuldigung und der Bezichtigung einer ganzen Gemeinschaft, wie Sayyid Quṭb es tat. An dieser Stelle wird der Islam politisch, tritt der takfīr doch damit in die gesellschaftliche Sphäre und richtet sich gegen die Regierung und deren Unterstützer. Der Hintergrund konstituiert sich zumeist durch gesamtgesellschaftliche Probleme, für die die Politik verantwortlich gemacht wird, was wiederum im Religiösen seinen Ausdruck findet.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den islamischen Erneuerungsdiskurs seit 2001, die Rolle der Azhar als Hüterin der Tradition und die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit extremistischen Ideologien.
2 Usāma as-Sayyid al-Azharī: Dieses Kapitel stellt Biografie, Werdegang und die politische sowie akademische Vernetzung des jungen Gelehrten im Kontext der ägyptischen Regierung und der Azhar vor.
3 „Die offenkundige Wahrheit“ als Beitrag zum Erneuerungsdiskurs im Lichte des takfīr als sozio-politischer Herausforderung: Das zentrale Kapitel analysiert Usāma al-Azharīs Werk, erläutert die theoretischen Grundlagen des takfīr sowie deren Bedrohungspotenzial für die umma und die Gesellschaft.
4 Die Wiederbelebung des taǧdīd-Diskurses: Hier wird die historische Entwicklung und die strategische Bedeutung des taǧdīd-Begriffs bis hin zum zeitgenössischen Diskurs unter Sīsī untersucht.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Usāma al-Azharī durch die Verbindung von traditioneller Rechtswissenschaft und moderner Kommunikation versucht, dem religiösen Extremismus argumentativ entgegenzuwirken.
Islam, Ägypten, Usāma al-Azharī, taǧdīd, takfīr, Azhar, Erneuerungsdiskurs, radikaler Islamismus, Sayyid Quṭb, ḥākimīya, ǧihād, ǧāhilīya, Religion und Politik, religiöser Extremismus, Muslimbruderschaft.
Die Arbeit analysiert das Wiederaufleben des islamischen Erneuerungsdiskurses (taǧdīd) in Ägypten nach 2013, insbesondere unter Mitwirkung des Gelehrten Usāma al-Azharī.
Im Mittelpunkt stehen die Ideologie des takfīr (Bezichtigung des Unglaubens), die Rolle der Azhar im modernen Staat sowie die Versuche, religiöse Diskurse gegen Extremismus zu reformieren.
Ziel ist es, die Rolle von Usāma al-Azharīs Buch „al-ḥaqq al-mubīn“ als wissenschaftliches Gegengewicht zu extremistischen Strömungen innerhalb des aktuellen politischen Klimas in Ägypten zu beschreiben.
Die Autorin nutzt eine Kontextanalyse, um Autoren und Werke in ihrem situativen, medialen und historischen Umfeld zu verorten, ergänzt durch die Auswertung zeitgenössischer arabischer Presse und Stellungnahmen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung des Gelehrten al-Azharī, eine tiefgehende Untersuchung von al-Azharīs Buch und dessen Bezug zum takfīr-Phänomen sowie die Rekonstruktion des taǧdīd-Diskurses.
Wichtige Begriffe neben Islam und Ägypten sind unter anderem taǧdīd (Erneuerung), takfīr (Unglaubensvorwurf), Azhar, Extremismusprävention und ḥākimīya.
Al-Azharī identifiziert die Schriften von Sayyid Quṭb als theoretisches Fundament moderner extremistischer Bewegungen, die den takfīr radikal auf die gesamte Gesellschaft ausdehnen.
Er versucht, einerseits als liberaler Vertreter der Azhar-Wissenschaft zu agieren und andererseits als Berater der Regierung Sīsī politische Legitimität zu stiften, was seine Glaubwürdigkeit als unabhängiger Gelehrter in Konflikt bringen kann.
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