Examensarbeit, 2009
63 Seiten, Note: 2,7
0. Einleitung:
1. Einordnung in den geschichtlichen Kontext
2. Erläuterung des Gattungsbegriffs:
2.1. Volksmärchen (oder auch Buch- und Zaubermärchen)
2.2. Kunstmärchen
3. Zu den ausgewählten Autoren und Werken:
3.1. Novalis: Hyacinth und Rosenblüthchen
3.2. Friedrich de la Motte Fouqué: Undine
3.3. Ludwig Tieck: Die Elfen
3.4. E.T.A. Hoffmann: Das Fremde Kind
3.5. Fazit: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
4. Zur Darstellung der Natur in den Werken
4.1. Schauplätze
4.1.1. Der Wald
4.1.2. Das Wasser
4.1.3. Der Traum
4.2. Wesen und Charaktere
4.3. Novalis: Hyacinth und Rosenblüthchen
4.3.1. Schauplätze, Art der Offenbarung und teilnehmendes Erleben der Natur
4.3.2. Wesen, Charaktere
4.3.3. Bedeutung der Natur für den Menschen und Notwendigkeit von Koexistenzen
4.4. Friedrich de la Motte Fouqué: Undine
4.4.1. Schauplätze, Art der Offenbarung und teilnehmendes Erleben der Natur
4.4.2. Wesen, Charaktere
4.4.3. Bedeutung der Natur für den Menschen und Notwendigkeit von Koexistenzen
4.5. Ludwig Tieck: Die Elfen
4.5.1 Schauplätze, Art der Offenbarung und teilnehmendes Erleben der Natur
4.5.2. Wesen, Charaktere
4.5.3. Bedeutung der Natur für den Menschen und Notwendigkeit von Koexistenzen
4.6. E.T.A. Hoffmann: Das Fremde Kind
4.6.1. Schauplätze, Art der Offenbarung und teilnehmendes Erleben der Natur
4.6.2. Wesen, Charaktere
4.6.3. Bedeutung der Natur für den Menschen und Notwendigkeit von Koexistenzen
5. Schlussfazit:
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand ausgewählter deutscher Kunstmärchen der Romantik, wie sich zeitgenössische Naturforschungen und das Weltbild der Aufklärung auf die literarische Darstellung der Natur auswirken. Dabei wird insbesondere analysiert, wie diese Werke die Spannung zwischen einer idyllisch-paradiesischen Natur und einer durch rationale Zivilisation bedrohten Umwelt thematisieren und welche Bedeutung der Mensch-Natur-Beziehung beigemessen wird.
2.2. Kunstmärchen
Kunstmärchen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von den Volksmärchen. Zunächst einmal sind sie nicht anonym und mündlich tradiert, sondern von einem namenhaften Autor selbst niedergeschrieben worden. Ihre Akteure, Orte und Zeit sind ebenfalls konkreter bestimmt. Die Personen haben individuelle Namen und die Handlung findet zu einer konkreten Zeit, an einem bekannten Ort statt. Zum Beispiel liegt die Burg des Ritters Huldbrand in Fouqués Undine an „den Quellen der Donau“, welche sich bei Donaueschingen und Furtwangen befinden. So hat Fouqué hier zwar keine eindeutig, unmissverständliche Angabe gemacht, jedoch hat der Leser nun eine ungefähre Ahnung, an welchem ihm bekannten Ort die Burg stehen könnte, im Gegensatz zum volkstümlichen „fernen Land“.
Aber die Personen und Orte sind in den Kunstmärchen nicht nur konkreter benannt, sondern auch liebevoll, detailiert beschrieben. Bei der Lektüre erhält der Leser Einblicke in die Schönheit der Orte, an die er geführt wird. So werden zum Bespiel der Ritter Huldbrand und sein Ross in Fouqués Undine in den schillerndsten Farben dargestellt.
Wer aber das Geräusch verursacht hatte, war ein schön geschmückter Ritter, der zu Ross durch den Baumschatten gegen die Hütte vorgeritten kam. Ein scharlachroter Mantel hing ihm über sein veilchenblaues, goldgesticktes Wams herab; von dem goldfarbigen Barette wallten rote und veilchenblaue Federn, am goldnen Wehrgehänge blitzte ein ausnehmend schönes und reichverziertes Schwert. Der weiße Hengst, der den Ritter trug, war schlanken Baues, als man es sonst bei Streitrossen zu sehen gewohnt ist, und trat so leicht über den Rasen hin, dass dieser grünbunte Teppich auch nicht die mindeste Verletzung davon zu empfangen schien.
0. Einleitung: Einführung in die Thematik der Naturdarstellung im Märchen und Vorstellung der untersuchten Autoren und Werke.
1. Einordnung in den geschichtlichen Kontext: Beleuchtung des Wandlungsprozesses in Europa durch Aufklärung und das aufstrebende Bürgertum sowie deren Einfluss auf die Literatur.
2. Erläuterung des Gattungsbegriffs: Definition und Abgrenzung von Volks- und Kunstmärchen, unter Einbeziehung zentraler Merkmale wie Zahlensymbolik und Heldenreisen.
3. Zu den ausgewählten Autoren und Werken: Detaillierte Betrachtung der vier primären Werke und ihrer zentralen Motive sowie eine zusammenfassende Analyse im Fazit.
4. Zur Darstellung der Natur in den Werken: Untersuchung der Naturschauplätze (Wald, Wasser, Traum) und der mythologischen Wesen in den einzelnen Werken.
5. Schlussfazit: Zusammenführende Erkenntnisse über das gestörte Verhältnis von rationalistischem Denken und natürlicher Ursprünglichkeit.
Kunstmärchen, Naturdarstellung, Romantik, Aufklärung, Bürgertum, Elementargeister, Mensch-Natur-Beziehung, Novalis, Friedrich de la Motte Fouqué, Ludwig Tieck, E.T.A. Hoffmann, Zahlensymbolik, Naturforschung, Seelenspiegel, Rationalismus.
Die Arbeit analysiert die Darstellung der Natur in ausgewählten deutschen Kunstmärchen der Romantik und untersucht, wie diese Texte den Konflikt zwischen einer romantisch-ganzheitlichen Naturwahrnehmung und dem aufkommenden rationalen Weltbild der Aufklärung thematisieren.
Im Mittelpunkt stehen die Schauplätze der Natur (Wald, Wasser, Traum), die Rolle phantastischer Wesen als Mittler zwischen Mensch und Natur sowie die sozio-kulturellen Einflüsse des Bürgertums auf das literarische Naturverständnis.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Autoren Novalis, Fouqué, Tieck und Hoffmann die Natur nutzen, um die Schönheit des Ursprünglichen darzustellen und zugleich den Verlust einer beseelten Verbindung zwischen Mensch und Natur durch den Fortschritt des Rationalismus zu beklagen.
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der sie die primären Werke im Kontext zeitgenössischer philosophischer und gesellschaftlicher Strömungen interpretiert und dabei textnahe Beschreibungen mit theoretischen Konzepten zur Romantik und Aufklärung verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Gattungsbestimmung und eine detaillierte Einzelanalyse der vier Werke, wobei jeweils die Schauplätze, die Charakterisierung der Naturwesen und die Bedeutung der Koexistenz von Mensch und Natur im Fokus stehen.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Natur als Seelenspiegel", "Entzauberung der Welt durch Ratio", "Elementarwesen" sowie den Dualismus zwischen der reellen bürgerlichen Welt und der phantastischen Märchenwelt.
Während bei Fouqué das Wasser und der Wald oft direkt mit den emotionalen Zuständen der Protagonisten korrespondieren und als "Seelenspiegel" fungieren, betont Tieck stärker die ökonomische und existentielle Abhängigkeit des Menschen von den verborgenen Kräften der Natur im Tannengrund.
Die modernen Stadtbewohner werden meist als Vertreter der Vernunft und Rationalität gezeichnet, die aufgrund ihrer Entfremdung von der Natur diese als bedrohlich oder "fremd" empfinden und somit das harmonische Band zwischen Mensch und Natur zerstören.
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