Lizentiatsarbeit, 2009
109 Seiten, Note: 5 (Schweiz)
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1. Einleitung
1.1 Thema und Fragestellung
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Forschungsstand der Geschichte der Leibeserziehung
1.4 Quellenlage
1.5 Die Versportung des Turnens – Definition der Begriffe „Turnen“ und „Sport“
2. Das Turnen in der Schweiz anfangs des 20. Jahrhunderts
2.1 Die Herkunft des Turnens und der Körpererziehung und ihre Entwicklung bis 1848
2.2 Die Entwicklung des Schul- und Vereinsturnen von 1848 bis anfangs des 20. Jahrhunderts
2.2.1 Die Stellung des ETV gegenüber dem Staat und anderen Organisationen der Leibesübungen
2.2.2 Die gesetzliche Regelung des Schulturnens und des Vorunterrichts auf Bundesebene
2.2.3 Die Ausführung des Schulturnobligatoriums und des Vorunterrichtes
3. Die starke Nation durch die Nationalerziehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts
3.1 Die Nationalerziehung
3.2 Die männliche Bevölkerung als Grundlage für eine starke Nation
4. Die Männlichkeit und die starke Nation zu Beginn des 20. Jahrhunderts
4.1 Ein „starker“ Mann als Garant für eine „starke“ Nation in Deutschland
4.2 Der Eidgenössische Turnverein und die Männlichkeit
5. Der Eidgenössische Turnverein, der Sport und sein Umgang mit ihm
5.1 Die Kritik am Sport vor dem Ersten Weltkrieg
5.2 Die Entgegnung der Fussballer und Fussballerleichtathleten
5.3 Unterschiedlicher Umgang mit dem Sport des ETV und STLV
6. Die Gesundheit - ein altes Argument neu präsentiert
6.1 Von der Hygienebewegung zur „Rassenhygiene“
6.1.1 Die Hygienebewegung
6.1.2 Die Eugenik
6.2 Der Eidgenössische Turnverein und das Argument der Gesundheit
6.2.1 Das Gesundheitsargument vor dem Ersten Weltkrieg
6.2.2 Das Gesundheitsargument in den 1920er Jahren
6.3 Der Eidgenössische Turnverein und die Eugenik
7. Das Argument der Volksgesundheit und die Kritik am Sport in den 1920er Jahren
7.1 Die Kritik der Turner an der Sportbewegung
7.2 Die Entgegnung der Fussballer und Fussballerleichtathleten
7.3 Der Konkurrenzdruck des Sportes und die Körpermessungen des Eidgenössischen Turnvereins
8. Der Sport und das „männlichkeitsbildende“ Argument
8.1 Die Mühe mit dem Frauenwettkampf und die „Männlichkeit“
8.2 Die Abwehr des Frauenwettkampfes im Diskurs der Wissenschaft
9. Das Turnen und die Schule
9.1 Die Reformpädagogik, die Arbeitsschule und die staatsbürgerliche Erziehung
9.1.1 Die Reformpädagogik und die Arbeitsschule
9.1.2 Die staatsbürgerliche Erziehung und die Arbeitsschule
9.2 Der pädagogische Hintergrund im Spiegel der Schweizerischen Lehrerzeitung bis zum Ende des Ersten Weltkrieges
9.2.1 Die Nationalerziehung und die staatsbürgerliche Erziehung
9.2.2 Die Arbeiterbewegung und die staatsbürgerliche Erziehung
9.2.3 Die Hygieneerziehung und das Schulturnen
9.3 Der pädagogische Hintergrund im Spiegel der Schweizerischen Lehrerzeitung in den 1920er Jahren
10. Der Eidgenössische Turnverein und die Arbeiterturner
10.1 Vom Grütliturnverband zum Schweizerischen Arbeiter- Turn und Sportverband
10.2 Die Selbst- und Fremdwahrnehmung der politischen Haltung des Eidgenössischen Turnvereins
10.3 Die Arbeiterturner und die bürgerliche Turn- und Sportkultur
11. Fazit und Diskussion der Teilfragen
11.1 Diskussion der Teilfragen
11.2 Fazit und Ausblick für die weitere Forschung
Die vorliegende Lizentiatsarbeit untersucht die Ansichten der Mitglieder des Eidgenössischen Turnvereins (ETV) gegenüber dem Schul-, Vereins- und Vorunterrichtsturnen im Zeitraum von 1900 bis 1930. Das Hauptziel der Untersuchung ist es, die interne Meinungsbildung und die zugrunde liegenden Argumentationsmuster des damals einflussreichsten Schweizer Turnverbandes zu analysieren, wobei insbesondere der Wandel der Argumente im Kontext der gesellschaftlichen Veränderungen und der zunehmenden Konkurrenz durch die Sportbewegung im Fokus steht.
3.1 Die Nationalerziehung
Dem ETV zufolge war das Turnen keine Betätigung, der man nur während der obligatorischen Schulzeit nachzugehen hatte. Man war der Meinung, dass „mit der Schule die körperliche Erziehung nicht abgeschlossen sein darf, sondern sie fortgesetzt werde in den Vereinen, im militärischen Vorunterricht und in unserem Vaterländischen Wehrwesen“. Es ging dabei nicht nur darum, die Schweizer Jugend körperlich auf den Militärdienst vorzubereiten, sondern mitzuhelfen eine Nationalerziehung umzusetzen. Einen zur Nation hin erzogenen Bürger war eine viel grundlegendere Voraussetzung für den Wehrdienst als eine gute körperliche Konstitution. Unter diesem Aspekt scheint es nur logisch, dass eine Nationalerziehung nicht mit der gesetzlichen Volksschulzeit von 15 Jahren abgeschlossen sein konnte. Man befürchtete, dass sonst „aus dem Knaben, der in der Schule vielleicht noch geistig geweckt und körperlich gewandt war, ein geistig und körperlich schwerfälliger junger Mensch wird, dem alle ideale fehlen“. Die turnerischen Vorunterrichtskurse wurden somit als „eine Art eidgenössischer Fortbildungsschule“ angesehen mit dem Ziel der „Körper- und Charakterbildung und der Förderung nationaler Gesinnung“.
Die angesprochene Nationalerziehung sollte über das Schul-, Vereins- und Vorunterrichtsturnen sowie den Wehrdienst erreicht werden. Sie verschmolzen zusammen zu einem Bündel. Die Frage stellt sich nun, wie der Wehrdienst ideologisch mit dem Turnen auf die gleiche Ebene gebracht wurde. Dies erfolgte in dem man die Bürgerpflichten der Schweizer definierte, wobei der Wehrdienst eine der bedeutendsten Pflichten seiner Zeit war. Damit der Bürger diese Pflicht auch bestens wahrnehmen konnte, musste er sich dieser zuerst bewusst werden. Diese Bewusstmachung sollte durch die Nationalerziehung und somit durch das Turnen erreicht werden.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung des Turnens in der Schweiz ein und erläutert die Forschungsfrage sowie die methodische Herangehensweise.
2. Das Turnen in der Schweiz anfangs des 20. Jahrhunderts: Dieses Kapitel behandelt die historischen Ursprünge des Turnens und die Entwicklung des Schul- sowie Vereinsturnens bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
3. Die starke Nation durch die Nationalerziehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Hier wird die Rolle des Turnens als Mittel zur Nationalerziehung und die Bedeutung der männlichen Bevölkerung für einen starken Staat analysiert.
4. Die Männlichkeit und die starke Nation zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Dieses Kapitel widmet sich der Konstruktion von Männlichkeit als Garant für die Stärke der Nation im Vergleich zwischen Deutschland und der Schweiz.
5. Der Eidgenössische Turnverein, der Sport und sein Umgang mit ihm: Hier wird der ideologische Konflikt zwischen der traditionellen Turnbewegung und der aufkommenden Sportbewegung beleuchtet.
6. Die Gesundheit - ein altes Argument neu präsentiert: Dieses Kapitel beschreibt den Wandel der Argumentation hin zur Gesundheit im Kontext der Hygienebewegung und Eugenik.
7. Das Argument der Volksgesundheit und die Kritik am Sport in den 1920er Jahren: Es wird untersucht, wie das Gesundheitsargument in den 1920er Jahren zur Abgrenzung vom Sport genutzt wurde.
8. Der Sport und das „männlichkeitsbildende“ Argument: Dieses Kapitel analysiert die Abwehr des Frauenwettkampfes durch die Männerturner unter Berufung auf Wissenschaft und Männlichkeitsideale.
9. Das Turnen und die Schule: Es wird der pädagogische Kontext zwischen Reformpädagogik, Arbeitsschule und staatsbürgerlicher Erziehung in der Schweizer Lehrerzeitung erörtert.
10. Der Eidgenössische Turnverein und die Arbeiterturner: Hier wird das spannungsreiche Verhältnis zwischen bürgerlichen Turnern und der Arbeiterturnbewegung untersucht.
11. Fazit und Diskussion der Teilfragen: Abschließend werden die zentralen Forschungsfragen diskutiert und ein Ausblick für zukünftige Forschungsarbeiten gegeben.
Eidgenössischer Turnverein, ETV, Turnen, Sport, Nationalerziehung, Volksgesundheit, Männlichkeit, Schweiz, Geschichte, Leibeserziehung, Schulturnen, Vorunterricht, Hygienebewegung, Eugenik, Arbeiterturner
Die Arbeit untersucht die Geschichte des Eidgenössischen Turnvereins (ETV) zwischen 1900 und 1930 und analysiert, wie der Verband auf gesellschaftliche Veränderungen, insbesondere auf die aufkommende Sportbewegung, reagierte.
Zentrale Themen sind die Rolle des Turnens als Instrument der Nationalerziehung, der Wandel von patriotischen Begründungen hin zu gesundheitsorientierten Argumenten sowie das Verhältnis zu anderen Organisationen wie dem Schweizerischen Turnlehrerverein oder den Arbeiterturnern.
Das Ziel ist es zu verstehen, wie und warum die Turner des ETV ihre Argumente für das Turnen anpassten, welche interne Meinungsbildung stattfand und welche Bedeutung diese Argumente für den Fortbestand des Vereins hatten.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung von Vereinspublikationen des ETV sowie anderer relevanter Organisationen und Zeitungen jener Zeit, um die Diskurse und Meinungsbildungsprozesse innerhalb der Organisation zu rekonstruieren.
Der Hauptteil befasst sich mit der Argumentationsgeschichte, der Konkurrenz durch den Sport, dem Gesundheitsdiskurs in den 1920er Jahren, dem Umgang mit dem Frauenturnen und dem pädagogischen Hintergrund in der Schule.
Wichtige Begriffe sind Turnwesen, Sportpolitik, Nationalerziehung, Männlichkeitskonstruktion, Volksgesundheit und das Verhältnis zwischen bürgerlichem Turnen und Arbeitersport.
Durch die zunehmende Attraktivität des Sports für Jugendliche sowie durch gesellschaftliche Veränderungen wie den Pazifismus nach dem Ersten Weltkrieg verlor das traditionelle „Bündel“ aus Turnen, Vorunterricht und Wehrdienst an Bedeutung.
Die Turner argumentierten mit biologischen und physiologischen Unterschieden der Geschlechter und warnten vor einer „Verweichlichung“ oder gar „Vermännlichung“ der Frauen, um ihre eigene, männlich dominierte Ideologie zu schützen.
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