Bachelorarbeit, 2009
46 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Erklärungsansätze zur Entstehung der Grünen
2.1. Strukturelle Erklärungsansätze
2.1.1. Der Cleavage-Ansatz
2.1.2. Der Ansatz der relativen Deprivation
2.1.3. Der Milieu-Ansatz
2.1.4. Zwischenfazit
2.2. Formal-institutionelle Rahmenbedingungen
2.2.1. Staatliche Parteienfinanzierung
2.2.2. Föderalismus, Landtagswahlen und Europawahlen
2.2.3. Wahlsystem
2.2.4. Zwischenfazit
3. Erklärungsansätze zur Entstehung der PDS bzw. Linken
3.1. Die Entstehung der Partei Die Linke im Überblick
3.2. Strukturelle Erklärungsansätze
3.2.1. Der Cleavage-Ansatz
3.2.2. Der Ansatz der relativen Deprivation
3.2.3. Der Milieu-Ansatz
3.2.4. Zwischenfazit
3.3. Formal-institutionelle Rahmenbedingungen
3.3.1. Staatliche Parteienfinanzierung
3.3.2. Föderalismus, Landtagswahlen und Europawahlen
3.3.3. Wahlsystem
3.3.4. Zwischenfazit
4. Vergleich der Erklärungsansätze zur Entstehung der Grünen und der PDS bzw. Linken
4.1. Strukturelle Erklärungsansätze
4.2. Formal-institutionelle Rahmenbedingungen
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte der Grünen und der Linken in Deutschland. Ziel ist es, verschiedene Erklärungsansätze – strukturelle sowie formal-institutionelle – auf ihre Anwendbarkeit für beide Parteien zu prüfen, Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede herauszuarbeiten und so den Erfolg der jeweiligen Parteibildungsprozesse wissenschaftlich zu erklären.
2.1.1. Der Cleavage-Ansatz
Eine - wenn nicht gar die bekannteste - Theorie zur Erklärung der Entstehung von Parteiensystemen bietet das Cleavage-Modell von Lipset/Rokkan. Nach Lipset/Rokkan sind die westeuropäischen Parteiensysteme das Resultat spezifischer historischer Konstellationen. Durch drei gravierende gesellschaftliche, sozioökonomische und politische Umwälzungen - die Reformation und den Dreißigjährigen Krieg, die nationale Revolution sowie die industrielle Revolution - entstanden vier prägende Cleavages. Diese Cleavages, zu deutsch etwa Konflikt- oder Spaltungslinien, werden in der Regel mit den Begriffspaaren Zentrum|Peripherie, Staat|Kirche, Stadt|Land und Arbeit|Kapital umschrieben und treten in sämtlichen von Lipset/Rokkan betrachteten Ländern auf, jedoch jeweils in unterschiedlichen Konstellationen und unterschiedlicher Ausprägung (Lipset/Rokkan 1967: 6, nach Ladner 2004: 58). Durch die Überwindung der vier Schwellen der Legitimation, der Inkorporation, der Repräsentation sowie der Mehrheitsherrschaft werden diese Cleavages in das politische System respektive das Parteiensystem übertragen. (Rokkan 1989: 342-385; Mielke 2001: 78-80, 91-92; Ladner 2004: 32-34)
Während diese Annahmen in der Politikwissenschaft wenig umstritten sind, herrscht Dissens über die ebenfalls von Lipset/Rokkan aufgestellte freezing-Hypothese (Ladner 2004: 56): „[...]The party systems of the 1960's reflect, with a few but significant exceptions, the cleavage structures of the 1920's.“ (Lipset/Rokkan 1967: 50, nach Ladner 2004: 56), so Lipset/Rokkan. Gerade die Annahme des Einfrierens der westeuropäischen Parteiensysteme wurde seit den 1970er Jahren - auch unter dem Eindruck der Entstehung neuer sozialer Bewegungen und neuer links-libertärer, grün-alternativer oder grüner Parteien wie den bundesdeutschen Grünen - vermehrt unter den Schlagworten Dealignment und Realignment diskutiert (Ladner 2004: 56-65).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, warum sich Grüne und Linke als einzige neue Parteien neben den Etablierten erfolgreich im deutschen Parteiensystem behaupten konnten.
2. Erklärungsansätze zur Entstehung der Grünen: Hier werden strukturelle (Cleavage, Deprivation, Milieu) und institutionelle (Finanzierung, Wahlsystem) Faktoren analysiert, die den Aufstieg der Grünen begünstigten.
3. Erklärungsansätze zur Entstehung der PDS bzw. Linken: Dieses Kapitel überträgt die gewählten Erklärungsmodelle auf die PDS bzw. Die Linke, unter Berücksichtigung ihrer spezifischen historischen Entwicklung aus der SED und der WASG.
4. Vergleich der Erklärungsansätze zur Entstehung der Grünen und der PDS bzw. Linken: Ein direkter Vergleich der Ansätze zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Entstehung beider Parteien auf.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und bewertet die Zukunftsaussichten beider Parteien kritisch.
Parteienentstehung, Grüne, Die Linke, PDS, Cleavage-Theorie, relative Deprivation, Milieu-Ansatz, Parteienfinanzierung, Wahlsystem, Föderalismus, Postmaterialismus, Wendeverlierer, Parteienforschung, Westdeutschland, Ostdeutschland
Die Bachelorarbeit untersucht die Ursachen für den erfolgreichen Aufstieg der Parteien Bündnis 90/Die Grünen sowie Die Linke (PDS) im deutschen Parteiensystem.
Im Zentrum stehen Erklärungsansätze zur Parteienentstehung, unterteilt in strukturelle sozioökonomische Aspekte und formal-institutionelle Rahmenbedingungen.
Die zentrale Frage lautet, warum Grüne und Linke erfolgreich Fuß fassen konnten, während zahlreiche andere Gruppierungen scheiterten, und welche politischen, gesellschaftlichen oder ökonomischen Faktoren hierfür ausschlaggebend waren.
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden Ansatz, bei dem verschiedene politikwissenschaftliche Theorien (u.a. Cleavage-Modell, Theorie der relativen Deprivation) zur Analyse beider Parteien herangezogen werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Grünen und der Linken, wobei jeweils zuerst die strukturellen Ansätze und danach die formalen Institutionen wie Wahlsystem und Parteienfinanzierung geprüft werden.
Wichtige Begriffe sind Cleavage, Postmaterialismus, relative Deprivation, Parteienfinanzierung sowie spezifische politische Faktoren wie das ostdeutsche Parteiensystem.
Die Parteienfinanzierung wirkte in den Anfangsjahren als notwendige Anschubhilfe, um die organisatorische Konsolidierung der Grünen zu ermöglichen, noch bevor sie voll in der Parteienlandschaft etabliert waren.
Der Erfolg wird teilweise durch den Status vieler Wähler als "Wendeverlierer" und die spezifische Identifikation mit ostdeutschen regionalen Interessen erklärt, die im alten Parteiensystem nicht ausreichend repräsentiert waren.
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