Magisterarbeit, 2009
101 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 ADHS: aktueller Stand der Forschung – Terminologie und Symptomatik
2.1 Begriffsdefinition von ADHS
2.1.1 Begriffe im Wandel - historische Entwicklung
2.1.2 ADHS heute
2.2 Symptomatik und klinisches Bild des ADHS
2.2.1 Symptomatik
2.2.2 Diagnostik und Klassifizierungssysteme
2.2.3 Differenzialdiagnostik – systematische, allgemeine und ergänzende Diagnostik
2.2.4 Prävalenz
2.2.5 Verlauf
2.3 Ätiologie – Pathogenese (Ursachenhypothesen)
2.3.1 Biomedizinische Faktoren
2.3.2 Psychodynamische Faktoren
2.3.3 Kulturelle Faktoren
2.4 Therapeutische Interventionen
3 Zum biologisch-medizinischen Verständnis von Verhaltensstörungen/-auffälligkeiten am Beispiel ADHS aus psychosozialer Sicht
3.1 Zum Problem der biologisch-medizinischen Ursachenklärung
3.1.1 Kritik am biologisch-medizinischen Modell
3.1.1.1 Problematik der Diagnostik
3.1.1.2 Problematik der Behandlung
3.2 Biologistisch konstituierte Normalität
3.2.1 Normalitätsbegriff - Konstituierung eines `normalen´ (Bewegungs-)Verhaltens
3.2.1.1 Auswirkungen und Folgen einer biologistisch konstituierten Normalität
3.3 Bewegungs“störung“ als Beobachtungskonstruktion
4 ADHS vor dem Hintergrund des Verstehenden Ansatzes in der Psychomotorik/ Motologie
4.1 Psychomotorik/Motologie als Schnittstelle zwischen (Bewegungs-)Pädagogik, Psychologie und Therapie
4.1.1 Zur Entstehung und Entwicklung von Psychomotorik
4.1.2 Unterschiedliche Ansätze in der Psychomotorik
4.1.2.1 Kompetenzorientierter Ansatz nach Schilling
4.1.2.2 Kindzentrierter Ansatz nach Zimmer
4.1.2.3 Verstehender Ansatz nach Seewald
4.2 Der Verstehende Ansatz in der Psychomotorik/ Motologie
4.2.1 Zur Vorgeschichte und Entwicklung
4.2.2 Anthropologische Grundlagen
4.2.2.1 Menschenbilder
4.2.2.2 Körper- und Bewegungsmodelle
4.2.3 Grundlagen des Verstehens und die Bedeutung für den Verstehenden Ansatz
4.2.3.1 Hermeneutisches Verstehen
4.2.3.2 (Leib)Phänomenologisches Verstehen
4.2.3.3 Tiefenhermeneutisches/psychoanalytisches Verstehen
4.2.3.4 Verstehen vor einem entwicklungs- und gesellschaftstheoretischen Hintergrund
4.3 Die Bedeutung des Verstehens für ADHS
5 Praktische/therapeutische Konsequenzen vor dem Hintergrund des Verstehenden Ansatzes in der Psychomotorik/Motologie
5.1 Die Bedeutung des Verstehens für die Praxis
5.2 Orientierungen für die praktische Arbeit mit hyperaktiven Kindern
5.3 Grenzen der praktischen Arbeit
6 Zusammenfassende Überlegungen/Ausblick
Ziel der Arbeit ist es, das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) aus einer motologisch-verstehenden Perspektive zu beleuchten, um das Kind in seiner Ganzheitlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen und die defizitorientierte, rein biologisch-medizinische Sichtweise zu hinterfragen bzw. zu erweitern.
3.1.1.1 Problematik der Diagnostik
Die Diagnose ADHS wird in Deutschland zumeist nach dem Manual ICD-10 der WHO gestellt. Da sich die Leitlinien zur ADHS-Diagnostik sehr stark an der Symptomatik orientieren, provozieren sie allzu leicht symptomorientierte Behandlungsstrategien. Dabei bleibt die Ursache für die Entstehung und die Ausprägung dieser Symptome ausgeklammert. Hüther (2004, S. 104) geht hier von einer Medizin aus, die sich in erster Linie für die Heilung von Krankheiten zuständig fühlt und es nicht als ihre Aufgabe betrachtet, die Entstehung der Erkrankung zu erkennen und zu verhindern. So bleiben familiäre, soziale oder gesellschaftliche Faktoren, die möglicherweise zur Ausbildung dieses Krankheitsbildes beitragen, unbeachtet. Häufig tritt die ADHS – Symptomatik zusammen mit anderen Erscheinungen auf, die mindestens genauso wichtig und in der Hierarchie der Probleme möglicherweise genauso hoch anzusiedeln sind. Hüther (2004, S. 104) geht sogar davon aus, dass all das, was sich bei ADHS – Kindern auf der Ebene des Verhaltens diagnostizieren lässt, nur die „gemeinsame Endstrecke“ anderer zugrundeliegender Störungen und Fehlentwicklungen ist.
Hüther kritisiert weiter, dass bei einer ADHS – Fragestellung die Diagnose auf die Beurteilung der 18 kindlichen Verhaltensmuster nach ICD-10 bzw. DSM-IV reduziert und eine Diagnose unter Gesichtpunkten der Kinderpsychiatrie vernachlässigt wird.
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Stigmatisierung hyperaktiver Kinder und Vorstellung des verstehenden Ansatzes als alternative Sichtweise.
2 ADHS: aktueller Stand der Forschung – Terminologie und Symptomatik: Darstellung der historischen Entwicklung, Symptomatik, Ursachenhypothesen und gängigen Therapieformen bei ADHS.
3 Zum biologisch-medizinischen Verständnis von Verhaltensstörungen/-auffälligkeiten am Beispiel ADHS aus psychosozialer Sicht: Kritische Auseinandersetzung mit dem medizinischen Modell und Diskussion der Konstruktion von Normalität und Störung.
4 ADHS vor dem Hintergrund des Verstehenden Ansatzes in der Psychomotorik/ Motologie: Theoretische Einführung in die Grundlagen des Verstehens und die Entwicklung des Verstehenden Ansatzes innerhalb der Motologie.
5 Praktische/therapeutische Konsequenzen vor dem Hintergrund des Verstehenden Ansatzes in der Psychomotorik/Motologie: Ableitung praxisorientierter Konsequenzen und methodischer Orientierungen für die Begleitung hyperaktiver Kinder.
6 Zusammenfassende Überlegungen/Ausblick: Resümee der Arbeit und Ausblick auf die Bedeutung der verstehenden Arbeitsweise in der Praxis.
ADHS, Psychomotorik, Motologie, Verstehender Ansatz, Verhaltensstörung, Bewegungsstörung, Diagnostik, Symptomatik, Biologisierung, Stigmatisierung, Kindzentrierung, Entwicklungsförderung, Sinnstiftung, Leibphänomenologie, Praxisorientierung
Die Arbeit untersucht das Phänomen ADHS aus der Sicht der Psychomotorik bzw. Motologie und kritisiert dabei die rein biologisch-medizinische Betrachtungsweise, die Kinder oft auf Symptome reduziert.
Die Arbeit verknüpft Forschungsergebnisse zum ADHS-Syndrom mit dem sogenannten „Verstehenden Ansatz“, beleuchtet die Rolle der Bewegung als sinnstiftende Tätigkeit und erörtert die Bedeutung psychosozialer Faktoren.
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für das Verhalten hyperaktiver Kinder zu entwickeln, das über reine Symptombekämpfung hinausgeht und das Kind in seiner gesamten Lebensgeschichte ernst nimmt.
Die Autorin diskutiert den "Verstehenden Ansatz" als wissenschaftliche Methode, die sich auf hermeneutische, phänomenologische und tiefenhermeneutische Prinzipien stützt, anstatt rein kausal-medizinisch zu erklären.
Im Hauptteil werden zunächst der aktuelle medizinische Forschungsstand kritisch reflektiert, die Konstruktion von "Normalität" und "Störung" untersucht und schließlich die theoretische Basis sowie praktische Konsequenzen des verstehenden motologischen Arbeitens entwickelt.
Kernbegriffe sind ADHS, Verstehender Ansatz, Psychomotorik/Motologie, Leibbewusstsein, Symptomorientierung und dialogische Entwicklungsbegleitung.
Während die übliche Diagnostik ein Kind oft defizitorientiert vermisst, sucht der verstehende Ansatz in einem dialogischen Prozess nach dem Sinn hinter den Handlungen des Kindes, ohne es auf eine "Krankheit" festzulegen.
Die Autorin argumentiert, dass der Körper nicht nur biologisches Objekt ist, sondern als "Leib" das Medium darstellt, durch das der Mensch sich in der Welt ausdrückt und Sinn stiftet, was für das Verständnis hyperaktiver Kinder essenziell ist.
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