Diplomarbeit, 2009
82 Seiten, Note: 1,7
1. Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2. Erwartungssicherheit durch Insolvenzfähigkeit
2.1 Das Default-Bailout Game
2.2 Kosten einer Zahlungsunfähigkeit auf nationaler Ebene
2.2.1 Ansteckungseffekte
2.2.2 Politische Kosten
2.3 Anwendung auf das Default-Bailout Game
3. Institutionenökonomische Überlegungen
3.1 Anreizproblematik der Schuldner und der Gläubiger
3.2 Verschuldungsbegrenzung und Haftungsbeschränkung
3.3 Ökonomische Analyse des Insolvenzrechts
3.4 Souveränitätsbedenken und Unterschiede zum Privatrecht
3.5 Insolvenzverfahren subnationaler Gebietskörperschaften
3.5.1 Kriterien zur Verfahrenseröffnung
3.5.2 Bestimmung einer neutralen Instanz
3.5.3 Bereitstellung öffentlicher Güter
3.5.4 Schuldenumstrukturierung
3.6 Überlegungen zur Haushaltsoffenlegung
3.7 Bestehende Insolvenzordnungen für subnationale Gebietskörperschaften
4. Wirkungen der Insolvenzfähigkeit auf subnationaler Ebene
4.1 Die Marktdisziplinhypothese
4.2 Politökonomische Kosten
4.3 Zwischenfazit
5. Internationale Erfahrungen mit Zahlungsunfähigkeiten und Insolvenzen subnationaler Gebietskörperschaften
5.1 Zahlungsunfähigkeiten und Insolvenzen in den USA
5.2 Die Schweiz und der Fall Leukerbad
6. Anwendung der theoretischen Erkenntnisse und internationalen Erfahrungen auf die deutsche Finanzverfassung
6.1 Institutionelle Ausgestaltung und Probleme der deutschen Finanzverfassung
6.2 Zur Möglichkeit einer Insolvenzordnung für subnationale Gebietskörperschaften in Deutschland
6.3 Die Folgen einer Insolvenzfähigkeit in Deutschland
6.4 Fazit und Ausblick
Die Diplomarbeit untersucht, inwieweit die Implementierung einer Insolvenzordnung für subnationale Gebietskörperschaften eine realistische Reformoption für die deutsche Finanzverfassung darstellen kann, um Verschuldungsfehlanreize abzubauen und ex ante Disziplinierungsfunktionen zu stärken.
3.1 Anreizproblematik der Schuldner und der Gläubiger
Es bestehen neben dem Default-Bailout Game weitere theoretische Ansätze, die den Verschuldungsfehlanreiz einer dezentral ausgegestalteten Finanzverfassung zu erklären versuchen. Konrad (2007) bedient sich des Samaritans Dilemma, um die Problematik darzustellen. Dabei wird die Beziehung zwischen Eltern und ihrem Kind in einem Zwei-Perioden-Modell spieltheoretisch analysiert. Die Transferzahlungen der Eltern führen dazu, dass das Kind in der ersten Periode zu viel konsumieren wird, da es sich in der zweiten Periode auf die Gutmütigkeit der Eltern verlassen kann und mit höheren Zahlungen in der zweiten Periode rechnen kann als vorgesehen. Die Übertragung dieser Überlegung auf die Beziehung zwischen Lokalpolitikern (Kind) und Politikern der Zentralregierung (Eltern) fällt nicht schwer.
Denn die Lokalregierung möchte den Nutzen ihrer Bürger durch ein hohes Ausgabenniveau maximieren. In der ersten Periode wird sie deshalb dazu neigen weit über ihre Einnahmen zu leben, da in der zweiten Periode mit Sanierungshilfen von der übergeordneten Ebene gerechnet werden kann und ihr somit keine Einschränkungen abverlangt werden. Diese Modellierung entspricht grundsätzlich dem bereits beschriebenen Zeitinkonsistenzproblem. Des Weiteren wird die Verletzung des fiskalischen Äquivalenzprinzips als Ursache für ein zu hohes Ausgabeverhalten der subnationalen Gebietskörperschaften genannt. In föderalen Staaten besteht aufgrund dieses Auseinanderfallens von Bereitstellung und Finanzierung öffentlicher Güter und den daraus resultierenden Informationsasymmetrien und Interessenkonflikten zwischen den am Leistungserbringungsprozess Beteiligten ein moralisches Risiko.
1. Einführung: Darstellung der Problematik hoher Staatsverschuldung und der Forschungsfrage bezüglich einer möglichen Insolvenzordnung für subnationale Gebietskörperschaften.
2. Erwartungssicherheit durch Insolvenzfähigkeit: Analyse der Anreizproblematik in dezentralen Finanzverfassungen mittels eines spieltheoretischen Modells ("Default-Bailout Game").
3. Institutionenökonomische Überlegungen: Theoretische Untersuchung von Insolvenzrecht, Haftungsfragen, Gläubigeranreizen und Verfahrenskriterien für subnationale Einheiten.
4. Wirkungen der Insolvenzfähigkeit auf subnationaler Ebene: Untersuchung von Marktdisziplinmechanismen und politökonomischen Kosten im Zusammenhang mit Insolvenzfähigkeit.
5. Internationale Erfahrungen mit Zahlungsunfähigkeiten und Insolvenzen subnationaler Gebietskörperschaften: Fallstudien aus den USA (New York, Orange County) und der Schweiz (Leukerbad) zur Analyse realer Krisen.
6. Anwendung der theoretischen Erkenntnisse und internationalen Erfahrungen auf die deutsche Finanzverfassung: Diskussion der Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Deutschland, inklusive institutioneller Probleme und Reformmöglichkeiten.
Finanzverfassung, Insolvenzordnung, Subnationale Gebietskörperschaften, Verschuldung, Bailout, Default-Bailout Game, Institutionenökonomie, Marktdisziplin, Föderalismus, Haushaltsoffenlegung, Haushaltsdisziplin, Politökonomische Kosten, Bonitätsbeurteilung, Chapter 9, Kommunale Insolvenz.
Die Arbeit analysiert, ob eine institutionalisierte Insolvenzordnung für subnationale Gebietskörperschaften (Länder und Kommunen) dazu beitragen kann, die fiskalischen Probleme innerhalb der deutschen Finanzverfassung zu lösen.
Die Arbeit behandelt die Anreizstrukturen für Politiker und Gläubiger, die Rolle von Insolvenzmechanismen zur Schuldenrestrukturierung sowie den Einfluss von Kapitalmarktmechanismen auf die Haushaltsdisziplin.
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern eine solche Insolvenzordnung eine realistische Reformoption für Deutschland ist, um die Verschuldungsproblematik nachhaltig zu begrenzen.
Die Arbeit nutzt institutionenökonomische Ansätze, spieltheoretische Modellierungen (Default-Bailout Game) sowie eine komparative Analyse internationaler Fallbeispiele.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Insolvenzökonomie, die Analyse der Wirkungsmechanismen von Insolvenzfähigkeit und eine detaillierte Fallstudienanalyse zu den USA und der Schweiz.
Zentrale Begriffe sind Finanzverfassung, Bailout, Marktdisziplin, Föderalismus, Haushaltsoffenlegung und Insolvenzordnung.
Der Fall Leukerbad illustriert eine Situation ohne dediziertes Insolvenzrecht, bei der das Bundesgericht die Gläubiger in die Haftung nahm, was einen scharfen Kontrast zum kooperativen Ansatz in den USA bildet.
Da Bundesländer im Gegensatz zu Kommunen über Staatsqualität verfügen, wären für deren Insolvenzfähigkeit tiefgreifende verfassungsrechtliche Änderungen (Grundgesetz) erforderlich, während auf kommunaler Ebene eine Umsetzung eher als realisierbar gilt.
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