Magisterarbeit, 2008
188 Seiten, Note: 1,3
1. EINFÜHRUNG: UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND UND FRAGESTELLUNG
1.1 Methodisches Vorgehen
1.2 Forschungsstand und Quellenlage
2. THEORETISCHE KONZEPTIONALISIERUNG
2.1 Struktureller Realismus und das Konzept der Balance of Power
2.2 Machtdimensionen
2.2.1 Hard power
2.2.2 Soft power
2.3 Balancing im Kontext globaler und regionaler Machthierarchien
2.3.1 Das Ende konventioneller Gleichgewichtspolitik
2.3.2 Globale Unipolarität, regionale Bipolarität und offshore-balancing
2.3.3 Hegemoniale Ordnungsmacht USA
2.3.4 Soft power balancing
2.3.4.1 Multilateralismus vs. Unilateralismus
2.3.4.2 Antiamerikanische Wahlkämpfe
2.3.4.3 Buck-passing
2.4 Balance of Threat
2.5 Nationalismus & Demokratie: Dialektik der Globalisierung ?
2.5.1 Modell 1: Bürgerlicher Nationalismus
2.5.1.1 Soziale und ideelle Genese der bürgerlichen Nation
2.5.1.2 Bürgerliche Nation und Staat
2.5.1.3 Amerikanischer Multikulturalismus
2.5.1.4 Moral und Religion
2.5.1.5 Kosmopolitismus und Sicherheitspolitik
2.5.2 Modell 2: Primordialer Nationalismus
2.5.2.1 Soziale und ideelle Genese der primordialen Nation und die Rolle des ressentiment
2.5.2.2 Die (weltweite) Volksdemokratie
2.5.2.3 ‚Vielheit in Einheit’: Die global governance und ihre Amerikafeindschaft
2.5.2.4 Antikapitalistische Proteste, antiamerikanischer Diskurs, und der Volksstaat im Rechtsstaat
2.5.3 Globalisierung als Bedrohung der nationalen Identität ?
2.6 Zusammenfassung der Hypothesen und Operationalisierung auf die Fallstudie
3. SECURITY PATTERNS IN NORDOSTASIEN – DER NORDKOREANISCHE NUKLEARKONFLIKT UND DIE REGIONALE BALANCE OF POWER: IDENTITÄTEN, INTERESSEN, ALLIANZEN & BEDROHUNGSPERZEPTIONEN
3.1 Nordkoreas Ambitionen und nukleare Brinkmanship
3.1.1 Die ‚Koreanisierung’ der sozialistischen Revolution unter dem Banner der Juche Ideologie
3.1.2 Kangsung taeguk und songun – die ‚military first’ policy unter Kim Jong-Il
3.1.3 Nordkoreas Nuklearpoker im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche
3.1.4 Revolutionize the South ? Die asymmetrische Koreastrategie des Nordens
3.1.4.1 Raketenprogramm
3.1.4.1.1 Passing the missile – Internationale Kooperation im Bereich von Trägersystemen
3.1.4.2 Chemische Waffen
3.1.4.3 Biologische Waffen
3.1.4.4 Psychologische Kriegsführung
3.2 A Regional Play of the Global Game: Sino-amerikanische Beziehungen zwischen Annäherung und Eindämmung
3.2.1 Chinas wirtschaftlicher Aufstieg zur global superpower
3.2.2 Quo vadis, rising China ? Strategische und regionalpolitische Implikationen des great power game
3.2.3 Die koreanische Halbinsel im Fokus des great powers
3.2.3.1 Die Korea policy der USA
3.2.3.2 Pyongyang Hold ‘Em: Legislative hard-line policy der USA
3.2.4 Sino-koreanische Beziehungen in der post-Cold War Ära
3.3 Russlands Comeback zu den ‚Big Four’
3.3.1 Russlands strategisches Dilemma in post-Cold War Asia
3.3.2 Vladimir Putins ‚shuttle diplomacy’ im Zuge der zweiten Nuklearkrise
3.3.3 ‚Honest broker’ oder Pyongyangs Mehrheitsbeschaffer ?
3.4 Japans Koreapolitik im Spannungsverhältnis zwischen Ultranationalismen und Kooperationsanreizen
3.4.1 Imperialer Kulturchauvinismus und sein postkoloniales Erbe
3.4.2 Triangel zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Sino-japanische Rivalität und die Koreafrage
3.5 Synopsis und Überprüfung der Hypothese I
4. „A SHRIMP AMONG WHALES“ ? SÜDKOREANISCHER MULTILATERALISMUS UND DAS PUZZLE UM DIE INTERKOREANISCHEN BEZIEHUNGEN
4.1 Zeitgeschichtlicher Kontext: Demokratische post-Cold War Reformen in Südkorea
4.2 Die ‚sunshine policy’ unter Kim Dae-Jung (1998-2003)
4.2.1 Vom ‚Albright in Pyongyang Schock’ zum ‚Bush in Washington Schock’ ?
4.2.2 „Summer of discontent“ – Erste Antiamerikanische Nebenwirkungen des Gipfels
4.2.3 Die ‚Zivilgesellschaftliche Revolution’ – Umerziehung zur Wiedervereinigung, die Rolle der Medien und der Aufstieg der ‚Generation 386’
4.3 Südkoreas ‚peace and prosperity policy’ unter Roh Moo-hyun (2003-2008)
4.3.1 Interkoreanischer Enklavenkapitalismus
4.3.2 Interkoreanische human security
4.3.3 Eigenständige Verteidigung
4.3.4 Koreanischer ‚balancer’ Asianismus
5. RETROSPEKTIVE BEWERTUNG
5.1 Diskussion der Engagementpolitik und Überprüfung der Hypothesen II und III
5.2 Diskussion des südkoreanischen Beitrags zur Lösung des Nuklearkonflikts
5.3 Will Asia’s past be its future ? Aussichten auf Regionalisierung
Die vorliegende Arbeit untersucht, warum demokratische und rechtsstaatlich verfasste „Middle Powers“ wie Südkorea in der Zeit von 1998 bis 2008 eine Außen- und Sicherheitspolitik verfolgten, die sich zunehmend von den Interessen der USA abwandte, obwohl eine enge militärische Allianz bestand. Dabei wird analysiert, inwiefern nationalistische Ressentiments und eine als Bedrohung wahrgenommene Globalisierung diese „soft balancing“-Politik strukturell begünstigten und wie die Identitätskonstruktion das Handeln gegenüber nordkoreanischen Bedrohungen beeinflusste.
Die ‚Koreanisierung’ der sozialistischen Revolution unter dem Banner der Juche Ideologie
Juche bedeutet Autarkie und kann im staatsideologischen Sinne als ‚absolute politische Autonomie’ verstanden werden – als ‚staatliche Unabhängigkeit’ (chaju), ‚wirtschaftliche Eigenständigkeit’ (charip), sowie als ‚militärischen Selbstverlass’ (chawi). Als spezifisch nordkoreanische Staatsideologie findet sie ihre philosophischen und instrumentellen Wurzeln
in dem Konstrukt einer ethnisch-koreanischen Volksidentität, welcher sich in Rassismus und ‚Anti-Imperialismus’ gegen Japan, China und Amerika äußerte; im leninistischen Marxismus eines starken Einparteienstaats, welcher die ‚Revolution’ organisieren und die Arbeiter vor dem ‚kapitalistischen Imperialismus’ beschützen bzw. selbigen eindämmen müsse; in einem monolithischen Stalinismus, welcher für die Ein-Personen-Diktatur und den Personenkult steht (als ‚würdiger Nachfolger Lenins’), für ideologische Indoktrinierung, Staatsterror und politische Säuberungsaktionen, sowie für die staatliche Monopolisierung des gesamten wirtschaftlichen und kulturellen Lebens;
in der so genannten Massenlinie, welche insofern weniger marxistisch, sondern mehr dem ‚individualistischem’ Maoismus nachempfunden ist, weil nach ihr nicht das ökonomische Sein das Bewusstsein bestimmt, sondern die Bedeutung und die kreative Kraft des einzelnen Menschen – als zum umerzogenen ‚new socialist man’ im Rahmen der ‚Revolution’ – unterstrichen wird; sowie in der organisch-hierarchischen Gesellschaftstheorie des (Neo-)Konfuzianismus, welcher paternalistische Obrigkeitstreue und Loyalität gegenüber dem ‚family state’ als höchste Norm erhebt und sich schon zu Zeiten der Chosun-Dynastie (1392-1897) als wirkungsvolles Mittel der Machtsicherung erwiesen hatte.
EINFÜHRUNG: UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND UND FRAGESTELLUNG: Die Einleitung definiert das Erkenntnisinteresse an der südkoreanischen „Middle Power“-Politik und den Widerspruch zwischen der traditionellen Allianz mit den USA und einer zunehmend distanzierten Außenpolitik.
THEORETISCHE KONZEPTIONALISIERUNG: Dieses Kapitel verankert die Untersuchung im neorealistischen Paradigma, ergänzt dieses jedoch um Konzepte der „Soft Power“ und die ideologische Dimension des Nationalismus zur Erklärung staatlichen Handelns.
SECURITY PATTERNS IN NORDOSTASIEN – DER NORDKOREANISCHE NUKLEARKONFLIKT UND DIE REGIONALE BALANCE OF POWER: IDENTITÄTEN, INTERESSEN, ALLIANZEN & BEDROHUNGSPERZEPTIONEN: Hier werden die Ambitionen Nordkoreas sowie die Interessen der Großmächte China, Russland und Japan analysiert, die als strukturgebende Faktoren auf Südkorea einwirken.
„A SHRIMP AMONG WHALES“ ? SÜDKOREANISCHER MULTILATERALISMUS UND DAS PUZZLE UM DIE INTERKOREANISCHEN BEZIEHUNGEN: Das Kapitel dekonstruiert die südkoreanische Nordkoreapolitik (Sunshine Policy/Peace and Prosperity Policy) und untersucht, wie eine neue nationale Identität die Beziehungen zum Verbündeten USA belastete.
RETROSPEKTIVE BEWERTUNG: Die Abschlussbetrachtung prüft die aufgestellten Hypothesen kritisch und reflektiert über die langfristigen Folgen der südkoreanischen Engagementpolitik für die regionale Sicherheitsarchitektur.
Außenpolitik, Südkorea, Nordkorea, USA, Soft Balancing, Realismus, Nationalismus, Identitätspolitik, Balance of Power, Nuklearkonflikt, Sechs-Parteien-Gespräche, Sunshine Policy, Juche, Internationale Beziehungen.
Die Arbeit analysiert die sicherheitspolitische Ausrichtung Südkoreas im Zeitraum 1998 bis 2008 und untersucht, warum das Land trotz seiner militärischen Allianz mit den USA eine Politik verfolgte, die den amerikanischen Interessen teilweise diametral entgegenstand.
Die Schwerpunkte liegen auf der neorealistischen Theorie der internationalen Beziehungen, der soziogenetischen Entwicklung unterschiedlicher Nationalismuskonzepte (bürgerlich vs. primordial) und der regionalen Sicherheitskonstellation in Nordostasien.
Es wird erforscht, wodurch eine (latent) antiamerikanische Außenpolitik strukturell begünstigt wird und warum demokratische „Middle Powers“ dazu neigen, eine solche Strategie zu verfolgen, obwohl sie ihre eigene Sicherheitslage gefährden könnte.
Die Autorin kombiniert neorealistische Systemtheorie mit einer kritischen Diskursanalyse, um die subjektiven Bedrohungswahrnehmungen und Identitätskonstruktionen südkoreanischer Regierungen zu dekonstruieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Analyse der Machtinteressen der Großmächte (USA, China, Russland, Japan) und eine detaillierte Untersuchung der südkoreanischen Innen- und Außenpolitik unter den Regierungen Kim Dae-Jung und Roh Moo-hyun.
Kernbegriffe sind Soft Balancing, nationale Identität, Nuklearkonflikt, das „helpless shrimp“-Metaphorik sowie die ideologische Auseinandersetzung zwischen liberaler Ordnung und primordialem Nationalismus.
Weil Nordkorea einerseits das unmittelbare sicherheitspolitische Umfeld Südkoreas definiert, andererseits aber durch die gezielte Ausnutzung der „Sunshine Policy“ und die Instrumentalisierung von Hilfszahlungen und Rhetorik das Verhältnis zwischen Seoul und Washington nachhaltig destabilisierte.
Die „Juche“-Ideologie wird nicht nur als nordkoreanische Staatsdoktrin interpretiert, sondern als ein Instrument, das den Widerstand gegen den „kapitalistischen Westen“ ideologisch festigt und als Modell für die „nationale Autarkie“ dient.
Sie beurteilt die Politik als inkonsequent und ideologisch fehlgeleitet, da sie die Grundbedingung der Reziprozität vernachlässigte, das nordkoreanische Regime durch finanzielle Unterstützung stabilisierte und somit das Sicherheitsdilemma eher verschärfte als löste.
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